Abenteuerlicher Verdacht – Hyaluron-Spritzen für mehr Anzugfläche im Schritt
Im Skispringen entscheiden oft Zentimeter, manchmal Millimeter. Bei der aktuellen Vierschanzentournee wurden deshalb Athleten auch bereits dann disqualifiziert, wenn ihre Anzüge minimal von der Norm abwichen. Für viel Ärger sorgte vor allem der Slowene Timi Zajc, der sowohl in Oberstdorf als auch in Garmisch-Partenkirchen wegen eines nicht regelkonformen Anzugs disqualifiziert wurde und die Rote Karte erhielt – also für zwei Wettbewerbe gesperrt wurde.
Nun sind Disqualifikationen wegen eines an bestimmten Stellen etwas zu großen oder kleinen Anzugs beim Springen seit Jahren keine Seltenheit, seit dem Manipulationsskandal um die Norweger bei deren Heim-WM 2025 aber wurden die Regeln erneuert sowie die Kontrollen verschärft. Der Sport kämpft um seine Glaubwürdigkeit – und der neue Materialchef des Weltverbands Fis, Matthias Hafele, ist deshalb besonders strikt. Die Sportart steht unter Beobachtung. Umso fataler für das Skispringen, dass hinter den Kulissen jetzt Berichte über eine andere, heikle Form möglicher Regelumgehung kursieren.
Im Fokus steht das sogenannte Schrittmaß, das für die Anzugfertigung entscheidend ist. Vor Beginn der Saison wurden alle Springer per 3-D-Scanner vermessen. Gemessen wird dabei vom untersten Punkt im Genitalbereich aus. Dieser Wert dient als Grundlage für die erlaubte Anzuggröße während der gesamten Saison. Gelingt es, diesen Punkt bei der Messung nach unten zu verschieben, vergrößert sich rechnerisch die Anzugfläche – mit potenziellen aerodynamischen Vorteilen.
Aufspritzen mit Hyaluronsäure
Nach Informationen der „Bild“ soll es Skispringer geben, die vor der Vermessung zu medizinisch nicht vorgesehenen Maßnahmen gegriffen haben, um wenige Millimeter zu gewinnen. Genannt werden unter anderem Injektionen mit Hyaluronsäure. Der Krefelder Arzt Dr. med. Kamran Karim erklärt dazu: „Es gibt die Möglichkeit, mit der Injektion von Paraffin oder Hyaluronsäure eine temporäre, optische Verdickung des Penis zu erwirken. Eine Verlängerung ist dadurch aber nicht möglich. So eine Injektion ist aber medizinisch nicht indiziert und mit Risiken verbunden.“
Auch der Einsatz von Schaumstoff im Bereich der Hoden wird als frühere Praxis beschrieben. Bei der Vermessung tragen die Athleten lediglich Unterwäsche. Hafele weist entsprechende Manipulationen in der heutigen Zeit jedoch zurück. „Ich kann ausschließen, dass versucht wird, mit sichtbaren Hilfsmitteln Vergrößerungen an den Geschlechtsteilen zu erwirken“, sagte er. Bei den Messungen sei medizinisches Fachpersonal anwesend, das die Abläufe genau kontrolliere.
In früheren Jahren, als noch manuell gemessen wurde, soll der Spielraum größer gewesen sein. Berichtet wird von Silikoneinlagen in Kondomen, die für den Zeitpunkt der Messung genutzt worden seien. Mehrere Nationen sollen sich nun dafür aussprechen, vor den Olympischen Spielen im Februar in Italien eine erneute Vermessung durchzuführen, um mögliche Ungenauigkeiten zu korrigieren.
Hafele erklärt dazu: „Aktuell ist eine weitere Vermessung nicht geplant. Wir arbeiten aber im Hintergrund bereits an Methoden, dass das schwierige Thema verbessert wird.“ Ziel sei es, künftig stärker die knöcherne Struktur als Maßstab heranzuziehen – und nicht die Weichteile. Dann, so die Hoffnung, würde im Skispringen tatsächlich wieder gelten, dass Größe keine Rolle spielt.
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