Bislang will sich nur einer zum BVB bekennen
Es war fast schon eine Liebeserklärung an Borussia Dortmund. Er spüre „extrem viel Vertrauen vom Verein“, sagte Emre Can – und verriet dann, dass er auch er selbst „extrem viel Vertrauen in den Verein“ habe. Und weil dem so sei, stehe einer weiteren Zusammenarbeit von seiner Seite aus eigentlich nichts im Wege. „Ich bin sehr glücklich hier. Ich hatte hier auch schwere Zeiten, aber der Verein stand immer hinter mir. Deswegen glaube ich schon, dass ich – Stand heute – auch nächste Saison hier Fußball spielen werde“, erklärte Can gegenüber Sky. Der Kapitän, dessen Vertrag im Sommer auslaufen wird, will also an Bord bleiben.
Diese Aussagen tun gut. Endlich mal ein Spieler, der sich zum Verein bekennt. Can, 31, seit sechs Jahren im Klub sowie seit zweieinhalb Jahren Spielführer des Tabellenzweiten der Bundesliga, ist zwar nicht der schillerndste BVB-Spieler – aber er ist ein wichtiger Ansprechpartner für Trainer Niko Kovac. Und das dürfte der erfahrene Defensivallrounder auch über den Sommer hinaus bleiben. Was seine Zukunft angeht, befindet sich Can derzeit in Gesprächen mit Sport-Geschäftsführer Lars Ricken und Sportdirektor Sebastian Kehl. Es sieht gut aus.
Das lässt sich aktuell über eine Reihe anderer BVB-Spieler nicht unbedingt sagen. Als die Dortmunder am Freitag ins Wintertrainingslager ins andalusische Marbella aufbrachen, saßen in dem schwarz-gelb gebrandeten Charterflieger gleich eine Reihe von prominenten Profis, deren Zukunft ungewiss ist. Nico Schlotterbeck, Karim Adeyemi, Julian Brandt, Niklas Süle und Aaron Anselmino wissen nicht, wie lange sie noch beim BVB spielen werden – wenn auch die Gründe dafür bei ihnen sehr verschieden sind. Und die Wahrscheinlichkeit, dass Ricken und Kehl die offenen Personalien bis zum Re-Start der Bundesliga am kommenden Freitag, wenn der BVB bei Eintracht Frankfurt antreten wird, geklärt haben werden, ist gering.
Schlotterbeck kann zum Großverdiener aufsteigen
Allen voran das Tauziehen um Schlotterbeck zerrt an den Nerven. Das Bestreben der Dortmunder ist unverändert, den Nationalspieler doch noch zu einer Verlängerung seines 2027 auslaufenden Vertrages zu bewegen. Dafür sind die BVB-Verantwortlichen bereit, an ihre Schmerzgrenze zu gehen. Der Innenverteidiger könnte in Dortmund zum Großverdiener aufsteigen – und bis zu 14 Millionen Euro jährlich verdienen. Er soll eine Galionsfigur der Mannschaft werden.
Aber Geld ist im Fußball nach wie vor noch nicht alles: Schlotterbeck, 26, träumt davon, große Titel zu gewinnen. „Ich habe schon das Ziel, in Deutschland mal eine Meisterschaft zu gewinnen – da waren wir nah dran“, verriet er kürzlich im Gespräch mit dem Streaming-Dienst Prime Video. Schlotterbeck war Teil der BVB-Mannschaft, die im Mai 2023 den schon sicher geglaubten Titel am letzten Spieltag doch noch verspielt hatte. Ob sich solch eine Chance in Dortmund noch einmal ergeben wird?
Es wirkt paradox: Die Borussen stehen mit 32 Zählern auf dem zweiten Rang der Bundesligatabelle. Auch in der Champions League hat das Kovac-Team mit elf Punkten aus sechs Spielen das Achtelfinale oder zumindest die Play-offs in Reichweite. Trotzdem: Es knirscht, die Stimmung ist – das deutete sich auch an den ersten Trainingstagen im neuen Jahr an – angespannt. Es sind die langfristigen Perspektiven, die viele Spieler beschäftigen.
Vor allem der eine oder andere unnötige Punkteverlust gegen Ende des vergangenen Kalenderjahres trug mit dazu bei. „Wir haben einige Spiele gehabt, in denen wir in den letzten Sekunden Tore kassiert und dann Punkte liegen gelassen haben“, sagte Waldemar Anton.
Vor allen Dingen erweckten die Dortmunder nicht immer ein geschlossenes Erscheinungsbild. Der Ausraster von Adeyemi, der nach seiner Auswechslung beim 2:0-Sieg gegen Gladbach deutliche Unmutsgesten gezeigt hatte, blieb haften. In Marbella wurde der Vorfall – es war nicht die erste Undiszipliniertheit, die sich der Offensivspieler geleistet hatte – aufgearbeitet. In einem „persönlichen Gespräch“, so Kovac, wurde Adeyemi aufgezeigt, wie unakzeptabel sein Verhalten gewesen sei. Der 23-Jährige wurde zu einer Geldstrafe verdonnert. „Bild“ berichtete, dass er rund 90.000 Euro zahlen müsse.
Trotz seiner mittlerweile recht langen Liste von Verfehlungen: Die Dortmunder wollen gern langfristig mit Adeyemi weiterarbeiten. Denn der Nationalspieler ist einer der wenigen Spieler, der aufgrund seiner Fähigkeiten – Schnelligkeit, Technik, Körperbeherrschung – den Unterschied ausmachen kann. Das Problem ist nur: Auch der Vertrag des 23-Jährigen läuft bis 2027 – und sollte es nicht gelingen, den Offensivspieler zu einer vorzeitigen Verlängerung zu bewegen, käme wohl wie im Fall Schlotterbeck nur ein Verkauf zum Saisonende infrage. Anderenfalls droht die Gefahr, dass er ablösefrei geht. Adeyemi ist einer der werthaltigen Dortmunder Spieler.
Sammer forderte eine Deadline
„Wir sind mit den Spielern und den Beratern im Austausch“, sagte Ricken vor der Abreise nach Marbella gegenüber dem „Kicker“. Ziel sei es, in Sachen Schlotterbeck und Adeyemi „so schnell wie möglich Klarheit zu schaffen.“ Doch diesen Themen müsse auch die „notwendige Zeit“ gegeben werden. Eine „Deadline“, wie von BVB-Berater Matthias Sammer öffentlich gefordert, will Ricken nicht stellen.
Offen ist auch die Zukunft von Julian Brandt, Niklas Süle und Aaron Anselmino. Die Verträge der beiden deutschen Ex-Nationalspieler laufen bereits zum Saisonende aus. Anselmino, der vom FC Chelsea ausgeliehen ist, muss im Sommer nach England zurückkehren, sollten sich die Klubs nicht über eine neue Leihe oder auf einen Transfer einigen können.
In Bezug auf die Frage, ob Brandt bleiben wird, gab es in den vergangenen Tagen immerhin eine gewisse Bewegung. Gut möglich, dass der Mittelfeldspieler zu angepassten Bezügen verlängern wird. Süle, der lange als sicherer Abgang galt, müsste dagegen wohl deutlich größere Einbußen in Kauf nehmen, sollte er doch noch in Dortmund bleiben. Im Sommer 2022 war der Innenverteidiger ablösefrei von Bayern München gekommen – und konnte seitdem nur selten das in ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigen. Allerdings: Gerade wegen der unklaren Zukunft seiner Konkurrenten Schlotterbeck und Anselmino kann derzeit nichts ausgeschlossen werden.
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