Bayern feiert seinen Matchwinner – Liverpool trauert ihm hinterher
Zufrieden und erschöpft verließ Luis Diaz am vergangenen Samstagabend das Münchner Stadion. Beim 3:1 (1:1) in der Bundesliga gegen den FC St. Pauli war der 28-jährige Kolumbianer mit dem Spitznamen „Lucho“ entscheidend gewesen. Während Diaz sich auf den Heimweg machte, saß sein Trainer im großen Mediensaal im Bauch der Arena und lobte seinen Offensivstar auf der Pressekonferenz nach dem Spiel mit besonderen Worten.
„Er hat diese Chaoskreativität. Im Chaos kann bei ihm immer was passieren“, sagte Vincent Kompany nach dem spät erarbeiteten Sieg des deutschen Fußball-Rekordmeisters gegen die Hamburger. „Ich hätte das als Verteidiger selbst auch eklig gefunden, gegen so einen Spieler zu spielen, weil du nie weißt, ob du den Ball unter Kontrolle hast oder nicht.“ Kompany war Innenverteidiger, spielte unter anderem für den Hamburger SV und Manchester City.
Drei Tage nach der ersten Saison-Niederlage der Bayern in der Champions League beim 1:3 gegen den FC Arsenal leitete Diaz den Ausgleich gegen St. Pauli ein – mit großer Willensstärke und artistischem Geschick. Er war der Unterschiedsspieler bei diesem wichtigen Arbeitssieg.
Diaz war im Strafraum zu Fall gebracht worden und leitete den Ball im Liegen zu Raphaël Guerreiro weiter. Es war bereits die fünfte Torvorlage von Diaz in der Liga – damit hat der Zugang bereits jetzt seinen Premier-League-Bestwert aus den Spielzeiten 2023/24 und 2024/25 für den FC Liverpool übertroffen. In allen drei Wettbewerben kommt Diaz insgesamt auf 18 Scorer-Punkte.
„In dieser Phase hat er den Kopf oben gehabt und den Pass eigentlich noch ganz sauber gespielt“, sagte Trainer Kompany über die viel besprochene Szene vor dem 1:1. „Genau das Gleiche hat er eigentlich im Training am Freitag gemacht. Das ist einfach seine Art des Spiels. Das ist auch seine Qualität.“
„Fußball kann schrecklich sein“, sagt Alexander Blessin
Diaz erzielte zudem das erlösende 2:1 für die Bayern, in der Nachspielzeit nach einer Flanke von Joshua Kimmich mit der Schulter. „Fußball kann schrecklich sein, aber wir müssen weitermachen“, sagte St. Paulis Trainer Alexander Blessin danach. Diaz zerstörte den Punktgewinn der Hamburger, der zum Greifen nahe war. Die Münchner waren zum dritten Mal in einem Bundesligaspiel hintereinander in Rückstand geraten – und drehten die Partie.
Zwölf Tore in der Schlussviertelstunde: keine Mannschaft traf in diesem Spielabschnitt häufiger als der FC Bayern. „In den vergangenen Saisons haben wir mitunter aufgehört zu spielen und solche Spiele nicht mehr gewonnen. Das zeigt die Moral der Mannschaft“, sagte Vereinspräsident Herbert Hainer, als auch er Samstagabend zufrieden aus der Kabine der Münchner kam. Die Klubbosse waren vor allem von Luis Diaz begeistert.
In den Anfangswochen der Saison hatte Hainer die These aufgestellt, dass der FC Bayern nicht zu schlagen sei, wenn Diaz auch noch Tore schieße. „Ich will ja nicht sagen, dass ich Visionär bin, aber es ist halt so“, sagte Hainer lächelnd nach dem Sieg gegen St. Pauli.
„Das ist absolut ein Winner-Typ“, sagte Sportdirektor Christoph Freund über Diaz. „Wir haben von Anfang gesagt, dass er ein richtiger Toptransfer ist.“ Die Bayern zahlten im vergangenen Sommer rund 70 Millionen Euro für den Offensivprofi an den FC Liverpool.
Harry Kane schwärmt von Luis Diaz
Es gab damals auch Zweifler. Immerhin ist Diaz bereits 28 Jahre. Passt er zu den Bayern? Ist der richtige Einkauf für diese enorme Summe? Es gab unterschiedliche Antworten.
Derzeit gibt es nur Lob. Díaz bewies Samstag einmal mehr seinen Wert für den FC Bayern. Mit ihm bauten die Münchner ihre Tabellenführung auf acht Punkte aus. „In jeder Saison, in allen großen Spielen, kleinen und großen Momenten brauchst du Spieler, die vorangehen – und Lucho war für uns heute da“, sagte Torjäger Harry Kane.
Und in England wundern sich einige, dass Liverpool ihn ziehen ließ. Der ehemalige englische Nationalspieler Shaun Wright-Phillips sagte bei „BestBettingSites“, dies sei keine gute Entscheidung gewesen: „Und das habe ich schon gedacht, als ich zum ersten Mal davon hörte und es noch nicht offiziell war. Ich konnte das nicht verstehen. Es war ein Fehler und noch ein größerer Fehler war es, ihn nicht zu ersetzen.“
Liverpool kaufte zwar für rund 500 Millionen Euro neue Spieler, ein klassischer Linksaußen war jedoch nicht dabei. „Ich glaube, nur wenige Liverpool-Fans unterschätzen, welche Bedeutung Diaz für sie hatte“, so Wright-Philipps. „Aber eine Menge anderer Leute haben nicht verstanden, wie wichtig und effizient er hier war, bis er das stattdessen auch bei Bayern gezeigt hat.“
Laut einem Bericht von „CaughtOffside“ soll Liverpools Trainer Arne Slot den Diaz-Verkauf nicht gewollt haben. „Es war ein trauriger Tag“, soll Slot nach dem Verkauf des Kolumbianers zu den Bayern gesagt haben. Der Trainer soll sogar intern für einen neuen Vertrag für Diaz gekämpft haben. Dieser hatte in der Vorsaison 17 Tore für den FC erzielt.
Vergangenheit. Beim 1:3 der Bayern in London am vergangenen Mittwoch hatte Díaz wegen seiner Rotsperre noch zuschauen müssen. „Man hat in London gesehen, dass er uns gefehlt hat. Er ist ein exzellenter Fußballer und ein unheimlicher Arbeiter“, sagte Vereinspräsident Hainer. „Er beschäftigt die Abwehr des Gegners unheimlich und reißt Löcher.“
Mittwoch im DFB-Pokal gegen Union Berlin
St. Paulis Verteidiger Hauke Wahl brachte es ebenfalls auf den Punkt: „Das Schwierigste gegen Bayern ist, bei ihrem vielen Ballbesitz permanent konzentriert zu bleiben und jeden Schritt richtig zu machen. Das ist ihre große Klasse: Wenn du nur einmal einen Schritt falsch machst, spüren sie das sofort und spielen den Ball genau in diesen Raum.“
Im DFB-Pokal treten die Bayern Mittwoch (20:45 Uhr, ZDF und Sky) beim 1. FC Union Berlin an. „Es ist ein Finale“, sagte Sportchef Freund. „Wir wollen unbedingt überwintern.“ Ziel ist das Pokalendspiel am 23. Mai – ebenfalls in Berlin, im Olympiastadion.
Die Bayern hoffen, dass Diaz ihnen in der Champions League früher wieder zur Verfügung stehen wird als gedacht. Der Klub hat Einspruch gegen die Drei-Spiele-Sperre erhoben. In diesem Jahr spielen die Münchner in der Königsklasse noch gegen Sporting Lissabon und Royale Union Saint-Gilloise.
„Wir wollen es auf alle Fälle versuchen“, sagte Vereinspräsident Hainer über das Vorgehen gegen die Diaz-Sperre. „Wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, kann ich nicht sagen. Das wird die Uefa entscheiden. Ich finde das Urteil zu hart. Wir müssen abwarten und hoffen.“
Warum die Bayern so sehr darauf hoffen, hat der Matchwinner Luis Diaz an diesem Wochenende gezeigt.
Julien Wolff ist Sportredakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren aus München über den FC Bayern und die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Wolff war beim Spiel der Bayern gegen den FC St. Pauli im Münchner Stadion.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke