Geboren fürs Fliegen, beim Fliegen gestorben
Vor 13 Jahren wurde er zu einer Berühmtheit. Damals sprang Felix Baumgartner aus 39 Kilometern Höhe aus der Stratosphäre hinunter auf die Erde und sorgte mit diesem Stunt für weltweite Schlagzeilen. Aus diesen war er längst wieder verschwunden, was aber nicht zu bedeuten hatte, dass Felix Baumgartner nicht weiterhin die ganze Welt an seinem Leben teilhaben lassen wollte. Auf seinem Instagram-Konto postete der Österreicher in den vergangenen Tagen mehr als ein Dutzend Fotos, auf denen er mit seinem Gleitschirm über der Adria-Küste unterwegs war.
Mehrmals sieht man auf den Bildern einen Swimmingpool in schönstem Blau. „Our hideaway“ schrieb er dazu. In eben einem solchen Pool ist das Leben des Extremsportlers geendet. Der 56-Jährige stürzte mit seinem Schirm im Badeort Porto Sant'Elpidio an der italienischen Küste auf das Gelände eines Hotels.
Baumgartner soll am Donnerstag gegen 15.30 Uhr von einer Rampe für Motor-Paragleiter im nahegelegenen Fermo gestartet sein. Er flog an der Küste entlang und verlor gegen 16.00 Uhr die Kontrolle über sein Fluggerät. Ein Tourist sah den Absturz und alarmierte den Rettungsdienst. Lokalen Medienberichten zufolge hatte Baumgartner vermutlich schon in der Luft einen Herzstillstand erlitten. Beim Aufprall habe der Extremsportler demnach schon nicht mehr gelebt.
Freitagmorgen teilten die Behörden mit, dass eine Obduktion zur Klärung der Unfallursache beitragen soll. Zudem werde untersucht, ob das Sportgerät möglicherweise einen technischen Defekt hatte. Ein Termin für die Obduktion wurde zunächst nicht genannt, die Begutachtung des Paragliders laufe bereits.
Bei dem Aufprall wurde auch eine Animateurin des Hotels verletzt – nach Informationen der Sportzeitung „La Gazzetta dello Sport“ allerdings nicht schwer. In dem Pool hielten sich italienischen Medienberichten zufolge mehrere Gäste auf, die den Sturz miterleben mussten. Sie seien unverletzt geblieben, hieß es.
Der Sprung, der Baumgartner berühmt machte
Baumgartner hatte 2012 mit seinem Sprung aus 39 Kilometern Höhe Schlagzeilen rund um die Welt gemacht. Damals sahen Millionen Menschen an den TV-Bildschirmen und auf ihren Computern live zu, wie er sich in die Tiefe stürzte. Der Österreicher erreichte dabei eine irrwitzige Geschwindigkeit von mehr als 1300 km/h. Zudem holte er den Rekord für den höchsten bemannten Ballonflug und den höchsten Fallschirmsprung. Auf die Erde kehrte er damals im US-Staat New Mexico zurück.
Die Zuschauer sahen, wie Baumgartner beim Ausstieg aus der Kapsel hoch über der Erde lässig den Daumen nach oben streckte, im Landeanflug seinen Fallschirm aktivierte und nach der Landung siegessicher die Arme hob. Nach der Landung sagte er damals: „Dort oben wird man so bescheiden, dass man nicht mehr daran denkt, Rekorde zu brechen oder wissenschaftliche Daten zu sammeln. Das Einzige, was man will, ist, lebendig zurückzukommen.“
Den lebensgefährlichen Rekordsprung überstand Baumgartner, den verhältnismäßig harmlosen Flug mit dem Gleitschirm nicht. Gerade in Italien gehören solche Flüge in vielen Regionen fast schon zum touristischen Standardprogramm. „Unsere Gemeinde ist zutiefst betroffen über das tragische Ableben von Felix Baumgartner, einer weltweit bekannten Persönlichkeit, einem Symbol für Mut und Leidenschaft für Extremflüge“, kondolierte Massimiliano Ciarpella, Bürgermeister von Porto Sant'Elpidio.
„Born to fly“ als Tattoo auf dem Arm
Baumgartner selbst hatte sich zu seiner Leidenschaft fürs Fliegen in Interviews immer wieder geäußert. „Ich fühle mich in der Luft zu Hause – so wie Seeleute auf See oder Bergsteiger in den Bergen“, war einer seiner viel zitierten Sätze. Oder: „Manchmal muss ganz nach oben um zu verstehen, wie klein wir wirklich sind.“
Auf seinen Unterarm hatte er sich „Born to fly“ tätowieren lassen. Manche warfen ihm vor, es mit der Selbstdarstellung zu übertreiben. Auch der Sinn seiner Jagd nach Rekorden wurde infrage gestellt.
Der gebürtige Salzburger träumte bereits als Kind vom Fliegen. Nach der Schule arbeitete er als Kfz-Mechaniker und ging dann zur Armee. Dort wurde er zum Fallschirmspringer ausgebildet. Seinen ersten Basejump führte er 1996 aus. Im Jahr danach wurde das Springen zum Beruf. Gesponsort wurde er vom Getränkekonzern Red Bull. Bei der American B.A.S.E. Association hatte er eine eigene Mitgliedsnummer: 502. Die bekommt man nur, wenn man von Building (Gebäude), Antenna (Antenne), Span (Brücke) und Earth (Klippen) heruntergesprungen ist. Er sprang unter anderem auch von der berühmten Statue Cristo Redentor in Rio de Janeiro.
Baumgartner erhielt den Negativ-Preis „Rosa Handtaschl“
Nach seinem Rekordsprung aus der Stratosphäre kündigte Baumgartner an, dem professionellen Sport den Rücken zu kehren und sich als Rettungshubschrauberpilot ein neues Standbein aufzubauen.
In den vergangenen Jahren wurde es ruhiger um ihn. Wenn er auffiel, dann meist mit politischen Provokationen, die er gezielt suchte. Beispielsweise, als er sich für eine „gemäßigte Diktatur“ aussprach, weil man „in einer Demokratie nichts bewegen“ könne. Wegen abwertender Äußerungen über Frauen bekam er in seiner Heimat den Negativ-Preis „Rosa Handtaschl“ verliehen.
Noch kurz vor seinem Tod kommentierte Baumgartner die Beschwerde der Schweizer Fußballerin Alisha Lehmann über die großen Gehaltsunterschiede gegenüber männlichen Spielern so: „Einbildung ist auch eine Bildung. Natürlich machen Frauenfußball-Spielerinnen nicht denselben Job wie ihre männlichen Kollegen. Frauen haben nicht die gleichen Einschaltquoten, also gibt es weniger Geld. Wenn ich im Chor singe, mache ich auch nicht denselben Job wie Ed Sheeran & Co.“
An der Adria hatte Baumgartner Urlaub gemacht, zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der rumänischen TV-Moderatorin und Schauspielerin Mihaela Rădulescu (55), die er wiederholt als „Liebe meines Lebens“ bezeichnete. Kurz vor dem Unfall postete Baumgartner bei Instagram eine Story. Sein Kommentar: „Too much Wind“.
Er flog dennoch.
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