Negroni, Pisco Sour, Manhattan – legendäre Drinks und wo sie zu Hause sind
Hinter großen Cocktails steckt manchmal eine große Geschichte. Und manchmal auch eine ganze Stadt. Sei es, weil ein Barkeeper vor mehr als 100 Jahren eine Etikette elegant umging und für Frauen einen Cocktail erfand, der noch heute beliebt ist. Oder sei es, weil ein berühmter Schriftsteller in seiner Stammbar seinen Lieblingsdrink genoss. Wie große Cocktails entstehen – da spricht auch der Zufall ein gewichtiges Wort mit.
In diesen fünf Städten ist ein ganz bestimmter Drink jedenfalls Pflicht.
Florenz und sein Negroni
Graf Camillo Negroni war sein Drink nicht stark genug. Also mischte Barmann Fosco Scarselli Gin statt Sodawasser zu Campari und Wermut und machte damit aus dem schon bekannten Americano etwas Neues: den Negroni. So trug es sich der Legende nach 1919 im „Caffè Casoni“ in Florenz zu.
An der Stelle des Cafés steht heute zwar nur noch eine Gedenktafel, doch der Cocktail lebt weiter. Und auch, wer in der toskanischen Stadt einen Negroni trinken möchte, hat viele Optionen.
Florenz ist berühmt für seinen Dom, für die Uffizien – und bei Cocktail-Liebhabern auch für einen Drink: den NegroniGin, Wermut und Campari Bitter: Das ist der klassische NegroniDie „Bar Giacosa 1815“ etwa sieht sich in der Historie des Casoni – und bietet den Drink klassisch und in diversen Varianten unweit der Originalstätte an. Glamourös geht es im „Caffè Gilli“ zu, wo es den Negroni nach Originalrezept oder in der „toskanischen Variante“ gibt, mit Kräutern der Region und Amaro Santoni statt Campari Bitter.
Viele Kaffeehäuser und Bars haben ihre eigenen Varianten: Das „Caffè Paszkowski“ serviert einem einen mit Passionsfrucht aufgefrischten Negroni, das „Caffè Giubbe Rosse“ hat eine Version mit Kakaolikör auf der Karte: Il Fosco, eine Hommage an Fosco Scarselli.
Rezept: Und wer sich daheim einen Negroni mixen will? Der nimmt drei gleiche Teile Campari, roten Wermut und Gin (z. B. je 30 ml) und rührt alles durch – der Drink wird auf Eis serviert und klassischerweise mit Orangenzeste garniert.
Lima und sein Pisco Sour
Der aus Traubenmaische destillierte Pisco ist der Nationalschnaps und der daraus gemischte Pisco Sour das Nationalgetränk Perus. (Und Chiles, weshalb es zwischen beiden Nationen in Sachen Pisco immer wieder Zoff gibt.)
Geht es nach den Peruanern, wurde der Pisco Sour um 1920 herum vom britischen Einwanderer Victor V. Morris in seiner Bar in Lima erfunden und trat von dort seinen Siegeszug an. Pisco Sour gibt es in Perus Hauptstadt in nahezu jeder Bar und Taverne – besonders bekannt ist die „Bar Catedral 1924“ im „Gran Hotel Bolivar“, wo der Klassiker in einem größeren Glas und einer stärkeren Mischung serviert wird.
Lima hat viele sehenswerte Viertel, etwa die von Künstlern und Freiwilligen bunt gestrichene Siedlung „Leticia“. Ebenfalls Pflicht bei einem Besuch in Perus Hauptstadt: Pisco SourRezept: Für den klassisch dimensionierten Pisco Sour daheim braucht man laut Wirtschafts- und Handelsbüro Peru 80 ml Pisco, 30 ml Limettensaft, 30 ml Zuckersirup, 1/2 bis 1 Eiklar, ca. 4 Eiswürfel. Je nach Rezept variieren vor allem die Anteile von Limettensaft und Zuckersirup. Alles für acht bis zehn Sekunden in einem Cocktail-Shaker schütteln und durch ein Sieb in ein kühles Glas abseihen. Anschließend mit Angosturabitter (oder Zimt) verfeinern.
Singapur und sein Sling
Hochprozentiges im Gewand eines Fruchtsaftes: So soll der Singapore Sling 1915 in der „Long Bar“ im „Raffles Hotel“ entstanden sein. Weil Frauen gemäß der damaligen Etikette in der Öffentlichkeit keinen Alkohol trinken durften, während sich die Herren unbehelligt Gin und anderes Hochprozentiges gönnen konnten, erfand Barkeeper Ngiam Tong Boon den Cocktail quasi als feminine Finte. Der „elegant“ getarnte Drink in seinem Rosaton sei sofort ein Erfolg geworden, schreibt das Hotel zur Entstehungsgeschichte.
So wird der Singapore Sling noch heute in der „Long Bar“ serviert – traditionell mit Erdnüssen, deren Schalenreste auf dem Boden landen dürfenNoch heute kann man den Sling an der „Long Bar“ trinken. Entsprechend lang können die Schlangen werden. Am besten kommt man früh, denn für die Bar selbst kann man keinen Platz reservieren. Wer kurz vor der Öffnung zwischen 11.00 und 11.30 Uhr da ist, hat laut Hotel die besten Chancen und geringsten Wartezeiten.
In der Bar darf man dann, untypisch für Singapur, ausdrücklich Schmutz machen: Die Schalen der Erdnüsse, die es zum Drink dazu gibt, werden hier traditionell auf den Boden fallen gelassen.
Rezept: Wer sich einen Sling daheim mischen will, gibt 30 ml Gin, 15 ml Kirschlikör, 7,5 ml Cointreau, 7,5 ml Bénédictine, 60 ml Ananassaft, 15 ml Limettensaft, 10 ml Grenadine mit Eis in einen Shaker, seiht es danach durch ein Sieb in ein Glas ab und verfeinert gegebenenfalls mit Cocktailbitters. Als Deko taugen ein Stück Ananas und eine Kirsche.
Havanna und sein Daiquiri
Erfunden wurde der Daiquiri wohl in einer gleichnamigen Minensiedlung im Südosten Kubas von einem amerikanischen Bergbauingenieur um 1900 herum. Maßgeblich zum Ruf und zur Bekanntheit des Drinks beigetragen hat dann ein anderer Amerikaner: Schriftsteller Ernest Hemingway (1899–1961) trank ihn – in einer besonders starken Variante – bevorzugt in der Bar „El Floridita“ in Havanna.
Dort steht heute eine Statue des Nobelpreisträgers am Tresen – die Bar weiß ihren früheren Stammgast fürs Marketing zu nutzen: Neun Daiquiri-Varianten sind auf der Karte, darunter der „Papa Hemingway“ mit Grapefruitsaft.
Die Bar „El Floridita“ war ein Stammlokal von Ernest HemingwayEine Reise nach Kuba und Havanna ist, zumindest in diesen Tagen, nicht empfehlenswert. Das Auswärtige Amt rät dringend davon ab, weil die Insel in einer andauernden Wirtschafts- und Energiekrise steckt, die auch bedingt ist durch eine Öl-Blockade und Sanktionen seitens der USA. Folge sind Versorgungsengpässe unter anderem bei Medizin und Lebensmitteln.
Rezept: Möchte man den klassischen Daiquiri nachmachen, braucht es 60 ml weißen Rum, 30 ml frischen Limettensaft, 15 ml Zuckersirup und Eis. Kräftig shaken und dann durch ein Sieb in ein gekühltes Glas abseihen.
New York und sein Manhattan
Ein Cocktail von Weltruf aus einer Stadt mit Weltruf: Der Manhattan könne „getrost zum Reigen der bekanntesten und wichtigsten Cocktails der Welt“ gezählt werden, schreibt das Fachmagazin „Mixology“. Dabei erscheint der Klassiker, gemessen an der Zahl der Zutaten, simpel: Whiskey (bevorzugt Rye, alternativ auch Bourbon) und roter Wermut werden kombiniert. Das war’s.
Wahrscheinlich wurde der Cocktail um 1860 bis 1870 vom Besitzer des „Manhattan Inn“ am Broadway erfunden, einem Mann namens George Black. Dass der Drink einst für die Mutter von Winston Churchill in einem New Yorker Nachtclub erstmals gemischt wurde, gilt hingegen als Mythos.
Und der beste Manhattan in Manhattan? Für den New Yorker Gastrokritiker und Journalisten Joshua David Stein gibt es ihn im Restaurant „Hillstone“ nahe des Empire State Buildings. In einem Beitrag für die „Financial Times“ schrieb er: Am besten verbringe man eine Nacht mit einem French-Dip-Sandwich und diesem Rye Manhattan – eisgekühlt, aber „ohne Eis im Glas“.
Der Times Square in Manhattan: Hier ist New York besonders trubeligDarauf einen Manhattan!Oder man genießt den Klassiker ganz klassisch in einer der zahlreichen Rooftop-Bars der Metropole. Statt eines Flugtickets nach New York kann man das Geld aber auch in einen erstklassigen Roggenwhiskey (Rye steht für Roggen) stecken und sich einen Manhattan zu Hause mischen.
Rezept: So geht es „Mixology“ zufolge: 60 ml Rye Whiskey, 20 ml roten Wermut und 2 Spritzer Aromatic Bitters auf Eiswürfeln 30 Sekunden rühren und dann durch ein Sieb in ein vorgekühltes Glas abseihen. Garniert wird mit Orangenzeste und wer möchte, gibt noch eine eingelegte Kirsche ins Glas.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke