Auf der Autorückbank sitzen die Experten: Die Disco-Rutsche ist viel schneller als die Licht-aus-Rutsche. Die grüne Rutsche ist länger, aber die rote hat die besseren Kurven. Die gelbe, die letztes Jahr noch zu wild erschien, könnte nun ausprobiert werden, „wenn Mama mitkommt“. Zuerst müssten wir aber zu den Strudeln, und zwar ins Außenbecken. „Das ist richtig krass.“

Wir sind unterwegs zum Erlebnisbad. Es regnet, kalter Wind peitscht über die Sonnenblumenfelder, nicht der beste Tag für einen solchen Ausflug, aber versprochen ist versprochen, die Kinder freuen sich seit Monaten drauf. Und die Erwachsenen haben sich gerüstet.

Ein Tag im Spaßbad für die Familie ist eine mentale Härteprüfung. Man will den Kleinen ja den Spaß nicht verderben, aber die inneren Hürden, die es hier zu überwinden gilt, sind hoch. Wer an seinen Vorstellungen von Ästhetik, Intimität und gepflegter wassernaher Entspannung festhalten will, ist verloren. Menschenmassen in der Eingangshalle, vielleibriges Gewusel vor den Umkleiden.

Tages-Challenge im Badeanzug

Also lässt man jeden Anspruch auf Diskretion fahren, legt Kleidung, Handy und Portemonnaie so schnell es geht ab und sperrt seine zivile Existenz in einen Spind. Und beginnt mutig diese Tages-Challenge im Badeanzug und in Gummilatschen. Verzagtheit ist hier nicht am Platz, dafür ist die Aufgabe zu komplex.

Schließlich muss man höchste Aufmerksamkeit (Wo sind die Kinder? Wie komme ich zur Lagune? Wo sind die Toiletten? Haben wir noch ein trockenes Handtuch?) verbinden mit absoluter Unempfindlichkeit.

Nichts darf einen schrecken: nicht das Schlangestehen an den Rutschen, am Pommesstand, vor den WCs. Nicht die schonungslose Einsicht in fremde Körperwelten und schon gar nicht das Gewimmel im Wasser.

Im Strömungskanal, zumal in dem „krassen“, wird man gegen Bäuche gedrückt, hat plötzlich eine tätowierte Schulter unterm Kinn oder einen Fuß im Rücken. Alles egal, Hauptsache, man verliert die Kinder nicht aus dem Blick.

Wasserparks boomen

Eine mehr als sportliche Herausforderung. Doch Adventurebäder boomen. Egal ob „Tropical Islands“ bei Berlin, das Deutschlands größten Indoor-Regenwald beherbergt, oder die bayerische Therme Erding mit ihrer „Galaxy Rutschwelt“ oder „Rulantica“ im Europapark Rust – jeder dieser Mega-Wasserparks zählt mehr als eine Million Besucher im Jahr. Und ist Vorbild für die rund 500 kleineren Spaßbäder, die in den vergangenen Jahren in Deutschland entstanden sind.

Angesichts globaler Krisen und der Einschränkung mancher Reisemöglichkeiten eine logische Entwicklung, heißt es in der Studie „Erlebnisbad 2030“ von der Hochschule Bremen: Das Spaßbad biete einen „entschleunigten Rückzugsraum mit escapistischen und inspirierenden Momenten“.

In jedem Fall sorgt es für wasserfeste und absolut begeisterte Kinder. Immer wieder tauchen sie, übers ganze Gesicht strahlend, aus den Wogen auf. Und das ist dann das Bild, das sich über alle Zumutungen legt und in Erinnerung bleibt. Nächstes Jahr fahren wir wieder hin.

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