Hohe Preise, leere Strände – wie die Profitgier den Tourismus an den kroatischen Küsten bedroht
Wer nicht das erste Mal in Kroatien unterwegs ist, etwa in der Küstenregion zwischen Zadar und Split oder auf einer der vorgelagerten Inseln, der kann sich in diesem Sommer nur wundern. Die Strände merkwürdig leer, kaum Staus auf der Küstenstraße (nur an Samstagen auf der Autobahn). Selbst im August, in der absoluten Trubelhochsaison, kann man abends durch die Gassen der Altstädte von Šibenik oder Zadar bummeln, ohne – wie sonst üblich zu dieser Zeit – von orientierungslosen Mittouristen fast erdrückt zu werden.
Wie kommt das? Am Urlaubsklima kann es nicht liegen, das war und ist im Sommer 2026 perfekt: Das Wasser der Adria ist kristallklar und hatte auch Anfang August genau die richtige Temperatur (warm, aber noch erfrischend), das Wetter war super (sonnig, aber nicht zu heiß). Die Rahmenbedingungen sind – wie immer – „odlično“ (großartig), solange man nichts verzehrt, nichts am Strand unternehmen will und nicht auf die Rechnung für Unterkunft und Restaurantbesuche schaut.
In der Altstadt von Zadar, bei Touristen äußerst beliebt, muss man schon in abgelegene Nebenstraßen gehen, um noch einen Laden zu finden, der die Kugel Eis für zwei Euro anbietet. In der Hauptfußgängerzone, der Široka Ulica, kostet die Kugel mindestens drei Euro. Der Aperol Spritz wird je nach Lage der Bar für neun bis elf Euro angeboten. Eines der beliebtesten Gerichte an den Küsten Dalmatiens, gegrillter Tintenfisch, kostet 2026 auch in einfachen Lokalen, den Konobas, eher 25 statt 20 Euro wie noch im Vorjahr. Und in der Strandbude neben dem Campingplatz bei Šibenik nahmen sie für die Palatschinken, die sich die Kinder gern holen, vor der Einführung des Euro 2023 noch sieben Kuna, umgerechnet einen Euro. Nach der Währungsumstellung waren es zwei und in diesem Jahr fünf Euro! Die Kinder haben, geschockt, verzichtet.
Nach Zahlen des kroatischen Statistikamts waren die Preise im Tourismus bereits zwischen 2015 und 2024 um 70 Prozent gestiegen. Aktuell liegt die Teuerungsrate im Land bei 4,4 Prozent, an der Küste deutlich höher. Entgegen der vielen Berichte über leere Strände und Hotels verkündete das Tourismusministerium, auch im Juli seien die offiziellen Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Wer diese Aussage mit eigenen Eindrücken abgleicht, denkt an Potemkinsche Dörfer.
Erklärtes Ziel des kroatischen Tourismusministeriums ist es, mehr nachhaltigen und höherklassigen Tourismus zu etablieren. Vorbild scheint Mallorca zu sein. Preislich ist Kroatien bereits auf „gutem“ Weg. Was die Qualität von Infrastruktur, Hotels, Ferienwohnungen, Speisen und Service angeht, ist der Weg aber noch deutlich weiter, als es den Kroaten selbst bewusst ist. Knapp 50 Jahre sozialistisches Jugoslawien lassen sich halt nicht so schnell abstreifen.
Eine Anwohnerin in einem Strandort bei Šibenik, die wie so viele an der Küste Apartments in ihrem Haus an Touristen vermietet, bringt die Misere auf den Punkt: „Viele hier haben seit der Euro-Einführung gesehen, dass sie das Geld, das sie bisher in vier Monaten Sommersaison verdienten, auch in zwei machen können. Und sich dann gedacht: warum nicht in einem?“
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