Lovebrands nennt man Marken, zu denen Kunden eine echte Liebesbeziehung aufgebaut haben. Die zum Teil der eigenen Identität geworden sind. Denen die Menschen daher so nah wie möglich sein oder kommen wollen, egal, wie die Geschäfte aktuell laufen. In gewisser Weise sind sie vergleichbar mit dem Lieblingsfußballverein, dem man sogar hinterher reist. 

Porsche ist so eine Lovebrand. Umfragen belegen die tagesformunabhängige Beliebtheit seit vielen Jahren. Die „Lover“ dieser Marke sind oft Individualisten mit fortgeschrittener Vermögensbildung, Statusbewusstsein, Schönheitssinn und ausgeprägtem Ego. Diese Menschen lieben (fast) alles, was aus Stuttgart-Zuffenhausen kommt oder aus Zell am See, wo das seit 2003 wieder zur Mutter gehörende Design-Studio F.A. Porsche seinen Hauptsitz hat, dessen Produkte als „Porsche Design“ bekannt sind. 

Weil Sportwagen-Ultras sich wie Fußballfans gern in Klubs organisieren, brauchen sie stets neue Ziele und Anlässe, um sich unter ihresgleichen zu „connecten“. Porsche-Ultras lieben dabei nichts mehr als unterwegs zu sein. Seit Kurzem haben sie, aber auch alle, die sich einfach nur für mechanische Uhren interessieren, ein neues Reiseziel für eine ausgedehnte Spritztour: die „Porsche Design Timepieces Manufaktur“ in Grenchen im Kanton Solothurn in der Schweiz. 

Dort befindet sich, frisch eröffnet, nicht nur das Hauptquartier der Uhrenmarke; im Erdgeschoss des Gebäudes wird auch in einem Museum das „Heritage“ der Marke, vor allem aber des Bestsellers inszeniert. Das ist der berühmte mattschwarze Chronograph 1, den „F.A.“ Porsche 1972 für verdiente Mitarbeiter der Firma entwarf. Außerdem können Kunden, die ihre Uhren aus zig Varianten am Computer konfiguriert haben wollen (wenn gewünscht in Farben und Leder ihres eigenen Wagens aus Zuffenhausen), beim Zusammenbau der Zeitmesser zuschauen. 

Tief in die Bergwelt des Jura-Gebirges

Dass das Museum in der Schweiz liegt, passt gut, schließlich ist es das Land von Panoramastrecken und hochklassigen Zeitmessern – ein ideales Ziel für einen Roadtrip durch die Alpen und zu Tempeln der Uhrenbranche (den man übrigens nicht im Porsche, sondern mit jedem anderen bergfähigen Gefährt machen kann). Von Basel kommend lohnt sich ein Stopp in der Barockperle Solothurn am Fluss Aare mit ihrer wunderschönen Kathedrale. Über das benachbarte Grenchen mit dem Porsche-Design-Museum fährt man am besten tief in die Bergwelt des Jura-Gebirges, nach La-Chaux-de-Fonds.

Hier befinden sich Manufakturen von Cartier, Tag Heuer, Zenith und Breitling, letztere Marke ebenfalls mit einem kleinen Museum. Von dort geht der Roadtrip weiter nach Le Brassus im Vallée de Joux, wo Audemars Piguet mit dem „Musée Atelier“ eine sehenswerte Produktions- und Pilgerstätte eröffnete: Spiralartig windet sich eine Glaskonstruktion um die Kernzelle der Firma, ein Bauernhaus. Entworfen hat den spektakulären Neubau Bjarke Ingels (BIG), Architektursuperstar aus Kopenhagen. Wer immer noch nicht genug hat, lässt seine Uhren-Lovebrand-Reise in Genf am See ausklingen – mit den Museen von Chopard und Patek Philippe.

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