Mit ihrem dunkelblauen Rumpf liegt sie in Piräus, elegant, modern, fast zierlich: die „Explora I“. Sie erinnert an eine noble Yacht, ohne eine zu sein. Sie ist ein typischer Vertreter jener neuen Generation von Kreuzfahrtschiffen, die viel kleiner sind als die schwimmenden Städte mit fast 8000 Gästen und die deutlich mehr Ruhe, Raum und Service bieten.

Größter Luxus an Bord ist bei diesen kleinen, feinen Schiffen vor allem eines: viel Platz für jeden Einzelnen. Zum Repertoire gehören außerdem Fünf-Sterne-Komfort und Spitzengastronomie – ähnlich wie in einem Nobelhotel an Land.Perfekt betreut kommt man sich denn auch vor auf der „Explora I“, wo die Gäste nach der Erkundung von Athen und Akropolis an Bord gehen. Ziel der Kurzreise: die Kykladen und Venedig.

Nur Suiten hat das Schiff, alle mit Terrasse, maximal 900 Gäste werden betreut von 640 „Gastgebern“, wie sich die Crewmitglieder nennen. Es gibt drei Außenpools, einen nur für Erwachsene, Jogging-Pfad, Padel-Tennis mit Meerblick, Wellness auf 1000 Quadratmetern, sechs Restaurants, zwölf Bars.

Die „Explora I“, 2023 in Dienst gestellt, gehört zur Schweizer Reederei MSC, die bisher mit 20 größeren Kreuzfahrtschiffen auf den Weltmeeren unterwegs ist, nun aber massiv ins Topsegment des Wassertourismus investiert. 2024 ging die baugleiche „Explora II“ auf Jungfernfahrt, bis 2028 soll die Flotte auf sechs Luxusschiffe anwachsen.

MSC-Gründerin Rafaela Aponte-Diamant, 81, eine der reichsten Selfmade-Milliardärinnen der Welt, ist für das Design aller „Explora“-Schiffe verantwortlich. Das sieht man den Suiten an: Dyson-Föhn, begehbarer Kleiderschrank, Kingsize-Bett, eine Kuschelecke mit Büchern und ein Sofa auf der Terrasse.

Eher 600 statt 60 Euro

Sogar einen eigenen Duft, Mandala Blue, hat Starparfümeur Alberto Morillas für die Schiffsflotte entworfen, mit frischen Noten von Bergamotte, Jasmin, Orangenblüte, kombiniert mit Seebernstein, Guajakholz, Moschus.

Man fühlt sich, siehe oben, nicht wie auf einem Kreuzfahrtdampfer, sondern wie in einem Luxushotel. Die Preise sind entsprechend: Anders als auf klassischen MSC-Kreuzfahrtschiffen, wo im Schnitt 60 Euro pro Nacht anfallen, sind es auf den „Explora“-Schiffen eher 600 Euro.

Die Nachfrage ist allerdings da, und sie steigt deutlich: Marktanalysten sehen den Luxuskreuzfahrtmarkt momentan bei gut 20 Milliarden Euro Jahresumsatz weltweit, bis 2033 dürfte er sich verdoppeln.

Diese Zahlen haben nicht nur MSC beeindruckt, sondern auch die globale Top-Hotellerie. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis man sich dort sagte: Was die können, können wir auch. Warum sollen nur die Reedereien schwimmende Luxushotels an den Start bringen und nicht die Hotelbetreiber selbst?

Inzwischen sind Nobelmarken wie Aman, Ritz-Carlton, Four Seasons oder die Accor-Tochter Orient-Express ebenfalls mit yachtähnlichen Schiffen ins Kreuzfahrtgeschäft eingestiegen oder sind kurz davor.

Manche der neuen Luxusliner erinnern an die Megayacht „Christina O“ des griechischen Jetset-Reeders Aristoteles Onassis, auf der Winston Churchill, Maria Callas und Jackie Kennedy mitfuhren. An Bord gab es gravierte Orca-Zähne zum Aufhängen von Handtaschen, Barhocker mit Walvorhautleder, einen Pool mit Minotaurus-Mosaik, der zum Tanzboden wurde, und einen Kamin aus Lapislazuli.

Diese Exzentrik von gestern gibt es auf den neuen Nobelschiffen zwar nicht mehr, aber die Betreiber sind durchaus kreativ darin, die Opulenz der 60er-Jahre in die heutige Zeit zu übersetzen, um den Gästen das Gefühl zu geben, wie ein Millionär zu cruisen.

Einige der neuen Nobelschiffe haben einen echten Paul Klee oder Andy Warhol an Bord, andere locken mit einem Zen-Garten oder direktem Wasserzugang zum Schwimmen, Schnorcheln, Kajakfahren.

Diesen Klasse-statt-Masse-Lifestyle bedient die „Explora I“ perfekt. Es ist zum Beispiel das einzige Schiff der Reederei mit einem Rolex-Shop – manche Passagiere auf der Tour von Athen nach Venedig erzählen an der Bar, die Reise nur gebucht zu haben, um mit einer Luxusuhr aus dem Shop von Bord gehen zu können.

Geht optisch direkt ins Meer über: Astern Pool im Heck der „Explora I“

Der Dresscode ist leger, aber deutlich stilvoller als auf klassischen Kreuzfahrtdampfern. Die Restaurants wie „Sakura“ (asiatisch), „Marble & Co. Grill“ (Steakhaus) oder „Emporium Marketplace“ (wo sich selbst die Kapitäne Pasta und Pizza frisch zubereiten lassen) sind nie überfüllt; hier sind die Speisen im Preis inbegriffen. Nur das Sieben-Gänge-Menü im italienischen Gourmet-Restaurant „Anthology“ kostet 165 Euro pro Kopf extra, Weinbegleitung 70 Euro.

Das Schiff gefällt einem überraschend jungen, wohlhabenden Publikum. Viele Familien sind an Bord (der Nautilus-Club ist offen für Kids zwischen sechs und 17 Jahren), es gibt Paare und Singles, Kreuzfahrt-Vielreisende und Cruise-Anfänger. Die meisten Passagiere sind aus Europa, Bordsprache ist Englisch.

Ausflüge kann man, wie in Luxushotels an Land, beim Bord-Concierge buchen, sie werden aber niemandem aufgedrängt. Wer mag, kann auch auf eigene Faust etwas unternehmen. Etwa, wenn die Tenderboote auf Paros anlegen. Von hier schippert man mit der Fähre zur kleinen Nachbarinsel Antiparos hinüber und mietet sich dort Rad, Quad oder Auto.

Lange fanden nur Hippies und Kitesurfer auf die Insel, heute kommen jene, denen Mykonos zu touristisch ist. Architekten ließen sich nieder, Hollywoodstar Tom Hanks oder Reedereierbin Athanasia Comninos, der das Öko-Luxusresort „The Rooster“ gehört. Man versteht, warum es allen hier gefällt: weiße Häuser, blaue Kirchenkuppeln und sehr viel Lässigkeit.

Zurück an Bord stellt sich schnell eine entspannte maritime Entrücktheit ein, egal ob auf der Terrasse der Suite irgendwo zwischen den Kykladen, im Whirlpool oder in der Skybar zum Sonnenuntergang. Wer braucht da schon Achterbahn, Wasserrutsche oder Show-Spektakel? Das spielt sich ohnehin beim Blick aufs Meer ab: Wellen, Weite, Yacht-Gefühl. Und plötzlich legt man schon in Venedig an – leider.

Kreuzfahrten mit Yacht-Feeling:

Japanisch inspiriert: Interieur der „Amangati“ im Stil eines traditionellen Ryokans

Aman – japanische Eleganz: Für Fans der 36 exklusiven, asiatisch geprägten Aman-Hotels kommt im Frühjahr 2027 ein schwimmendes Resort dazu: Die „Amangati“ – auf Sanskrit bedeutet der Name „friedliche Bewegung“. So sieht der ultraluxuriöse, 180 Meter lange Yacht-Liner auch aus – minimalistische Optik, dezente Farben, nur 47 Suiten mit raumhohen Fenstern, Terrasse, Butler, inspiriert vom Ryokan, dem klassischen japanischen Gasthaus.

An Bord sind maximal 94 Gäste plus doppelt so viele Crewmitglieder. Das Besondere: ein Spa mit japanischem Garten, Jazz-Club, vier Restaurants, Meerzugang am Heck, zwei Helipads. Die „Amangati“ wird zunächst im Mittelmeer kreuzen. Wenn Geld keine Rolle spielt: Man kann die Superyacht mit Hybridantrieb und 16-Meter-Pool auch komplett chartern (amanatsea.com).

Neueste Errungenschaft von Marriott auf hoher See: die „Luminara“

Ritz-Carlton – Kunst an Bord: Ein Pionier auf See ist die Luxusmarke Ritz-Carlton von Marriott, der größten Hotelkette der Welt. 2022 starteten die Amerikaner ihre Yacht-Kollektion mit der „Evrima“, 2024 folgte „Ilma“, 2025 „Luminara“. Dieses Schiff ist 242 Meter lang, hat 226 Suiten für maximal 452 Gäste, für die 375 Crewmitglieder bereitstehen. Es gibt fünf Restaurants, sechs Bars, Weinkeller, Spa, Fitnesscenter, Bibliothek und eine Marina für Wassersport.

Das Besondere: An Bord sind 731 Kunstwerke, zum Teil neu, aber auch Bilder bekannter Künstler wie Paul Klee, David Hockney oder Andy Warhol. Ab Mai wird das Schiff Alaska und Kanada anlaufen, danach vor den Küsten Japans, Südkoreas und Chinas unterwegs sein (die 17-Tage-Reise Vancouver–Tokio kostet ab 11.700 Euro, ritzcarltonyachtcollection.com).

Viel Platz: Die Funnel Suite auf der „Four Seasons I“ bietet vier vollverglaste Geschosse

Four Seasons – kanadische Exzellenz: Mit der „Four Seasons I“ ist die Luxushotelkette Four Seasons (die zum Portfolio von Bill Gates gehört) im März 2026 in See gestochen – momentan kreuzt sie im Mittelmeer. Das 207 Meter lange, weiße Schiff hat 95 Suiten, die im Schnitt 54 Quadratmeter messen; maximal 190 Gäste und 210 Crewmitglieder haben Platz an Bord.

Aushängeschild ist die Funnel Suite: Dieses Penthouse auf See reicht über vier Decks, hat eine 457 Quadratmeter große Privatterrasse und wirkt wie ein gläserner „Schornstein“, der an Ozeanriesen des frühen 20. Jahrhunderts erinnert, nur futuristischer. Rund 300.000 Euro kostet dieses Luxusdomizil, das drei Schlafzimmer bietet, pro Woche.

Günstiger, aber trotzdem hochpreisig, ist die Seaview Suite – die kostet für fünf Tage zwischen Monaco und Sardinien ab 18.900 Euro. Ab November 2026 soll die Megayacht, die elf Restaurants und Bars zählt plus einen 20-Meter-Pool, Inseln in der Karibik und auf den Bahamas anlaufen. Die „Four Seasons II“ soll 2027 folgen (fourseasonsyachts.com).

Ambiente der Goldenen Zwanziger: an Bord der größten Segelyacht der Welt

Orient-Express – glamourös segeln: Von der Schiene aufs Meer: Den Aufstieg des Hotelimperiums Accor ins Luxussegment treibt CEO Sébastien Bazin mit dem Luxusunternehmen LVMH von Milliardär Bernard Arnault voran. Nach dem Luxuszug Orient-Express „Dolce Vita“ folgt die „Orient Express Corinthian“, größte Segelyacht der Welt. Und die modernste: mit Hybridantrieb und drei Segeln. Das 220-Meter-Schiff hat 54 Suiten (die teuerste heißt „Agatha Christie“) für maximal 110 Gäste und 170 Crewmitglieder, ab Juni 2026 kreuzt sie im Mittelmeer, danach in der Karibik.

Maxime d‘Angeac, der bereits den neuen Orient-Express-Zug entworfen hat, setzt auch auf See auf die Optik der Goldenen Zwanziger mit Cabaret-Ambiente, Guerlain-Spa, Champagner-Austernbar, nostalgischem Kino, dunklen Blau-, Violett-, Grün-, Gold- und Brauntönen. Sieben Nächte im Mittelmeer kosten in der Suite Panoramique ab 31.200 Euro. 2027 folgt das zweite Schiff, die „Orient Express Olympian“ (orient-express.com/sailing-yachts).

Vielleicht ist man nicht immer allein im Pool, aber die „Explora“-Schiffe bieten viel persönlichen Raum

Explora Journeys – mit Grandezza: Die „Explora“-Schiffe gehören zur Luxustochter Explora Journeys der Reederei MSC. Preisbeispiel: Sieben Nächte im Mittelmeer von Athen über Paros, Rhodos, Korfu, Hvar, Rijeka bis Venedig kosten ab 5320 Euro auf der „Explora II“. Im Sommer folgt die „Explora III“ mit fünf Pools, sieben Restaurants, zwölf Bars sowie 463 Suiten mit Terrasse für maximal 962 Gäste; die Top-Suite „Owner’s Residence“ hat Stardesignerin Patricia Urquiola gestaltet.

Ab August fährt das neue Schiff von Barcelona über Lissabon bis Southampton, später von Hamburg nach Nord- und Westeuropa und an Nordamerikas Ostküste entlang (explorajourneys.com).

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Explora Journeys. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit

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