Die Region Basilikata

Am „Knöchel“ des italienischen Stiefels liegt mit der Basilikata eine der am dünnsten besiedelten Gegenden des Landes. Sie grenzt an zwei Meere: an das Ionische im Osten und das Tyrrhenische im Südwesten. Besonders an der ionischen Küste finden sich kilometerlange Sandstrände mit Pinienwäldern, die an die toskanische Maremma erinnern.

Urlaub machen in der Basilikata vor allem Italiener, internationale Besucher sind rar. Von der historischen Bezeichnung der Region, Lucania, hat einer der bekanntesten Kräuterliköre Italiens seinen Namen: „Amaro Lucano“, er ist hier in jeder gut sortierten Bar zu finden.

Der heutige Name Basilikata verweist mit seinem griechischen Ursprung „basilikós“ auf die byzantinische Herrschaft zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert. Für einen Abstecher lohnt sich unbedingt die Hauptstadt Potenza im bergigen Hinterland. Bekannt ist sie für ihre mittelalterliche Altstadt und ein verzweigtes System von Rolltreppen, das dazu dient, die Höhenunterschiede in der Stadt zu überwinden. Daher trägt Potenza auch den Beinamen „vertikale Stadt“.

Der Nordosten der Basilikata ist vom Weinbau geprägt. Am Monte Vulture liegen einige der höchstgelegenen Weingärten Süditaliens, wo seit der Antike Wein angebaut wird. Von hier stammt die Rebsorte Aglianico, aus der ein tiefdunkler Rotwein mit mineralisch-vulkanischer Note gekeltert wird.

Bewohnbares Labyrinth

Wer sie zum ersten Mal sieht, traut seinen Augen nicht: Matera ist eine großteils in den Fels gehauene Stadt, deren Wohnhäuser zum Teil direkt in Höhlen übergehen. Kopfsteinpflaster, schmale Gassen und unzählige Stufen prägen das Bild. Sassi heißen die skurrilen Wohnviertel, die mit einer Besiedlungsgeschichte von rund 9000 Jahren zu den ältesten durchgehend bewohnten Orten der Welt zählen.

Heute kaum vorstellbar: Die Stadt war nach dem Zweiten Weltkrieg ein sozialer Problemfall. Armut, mangelnde Hygiene und fehlende Infrastruktur prägten das Bild, Matera war als „nationale Schande“ verrufen. Viele Bewohner wurden umgesiedelt, die Sassi sollten plattgemacht werden. Doch dazu kam es nicht. Förderprogramme, Sanierungen, der Unesco-Welterbestatus 1993 und die Ernennung zur Europäischen Kulturhauptstadt 2019 markierten den Wandel. Viele der einst verlassenen Höhlen sind inzwischen modernisiert und werden wieder genutzt – teils als Hotels, Wohnungen oder Restaurants.

Scharfes Souvenir

Sie sind das kulinarische Markenzeichen der Basilikata und ein leichtes Mitbringsel: die getrockneten, anschließend gebackenen Schoten der Sorte Peperone di Senise – Peperoni Cruschi. Sie werden als Snack oder Beilage serviert. Ihre Tradition reicht bis in die Antike zurück. Wer durch die Region reist, begegnet den roten Schoten vielerorts, zu Zöpfen geflochten und zum Trocknen aufgehängt.

Bekannte Kinokulissen

Filmfans dürften die Basilikata wiedererkennen: In „Keine Zeit zu sterben“ rast Daniel Craig als James Bond durch die Gassen von Matera, wo die Eröffnungssequenz für den 007-Thriller gedreht wurde (Foto). Als Filmkulisse diente auch die Geisterstadt Craco, deren Altstadt nach Erdrutschen seit den 1960er-Jahren nahezu unbewohnt ist.

Für „Die Passion Christi“ (2004) nutzte Mel Gibson den Ort als Double für den Kalvarienberg in Jerusalem. Eine persönliche Verbindung zur Region pflegt auch Starregisseur Francis Ford Coppola, dessen Familie aus der Kleinstadt Bernalda stammt und der dort das Luxushotel „Palazzo Margherita“ betreibt. Seine Tochter Sofia heiratete 2011 in der Anlage im italienischen Landhausstil. Auch der Filmemacher selbst ist gelegentlich in dem 11.000-Einwohner-Ort anzutreffen.

Gigantischer Jesus mit Meerblick

21 Meter hoch ist die Christusstatue von Maratea in der Provinz Potenza. Die weiße Marmorskulptur des Bildhauers Bruno Innocenti wurde 1965 fertiggestellt und steht auf dem Gipfel des Monte San Biagio. Von hier aus hat man einen weiten Blick auf Maratea und das Tyrrhenische Meer.

Sie zählt zu den größten Christusfiguren Europas und erinnert an den Cristo Redentor in Rio de Janeiro, der mit 30 Metern noch ein Stück größer ist. Der Aussichtspunkt rund um das Monument ist frei zugänglich und wird von Pilgern aus aller Welt besucht – hierzu muss man sich aber auf über 600 Höhenmeter wagen. 

Das Zitat

„Hier finde ich das Maß der Dinge wieder“

So beschreibt Schriftsteller Carlo Levi (1902–1975) den Süden der Basilikata in seinem Roman „Christus kam nur bis Eboli“, den er dort, nach seiner Verbannung durch das faschistische Regime Mussolinis, Mitte der 1930er-Jahre verfasst hatte. Levi betonte in dem Buch die Ursprünglichkeit des abgelegenen Landstrichs, die im Kontrast zur modernen Welt stand.

Der aus Turin stammende Schriftsteller wurde damals wegen seiner offenen Ablehnung des Regimes und seiner Nähe zur antifaschistischen Bewegung „Giustizia e Libertà“ in die süditalienische Gemeinde Aliano verfrachtet, wo er mehrere Monate lebte. Seine Erfahrungen im Exil verarbeitete Levi später in seinem Werk, das die von Armut und Isolation geprägte Basilikata beschreibt und ihn weltbekannt machte.

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