Darum sollen Deutschlands Arztpraxen endlich die Nadeldrucker loswerden
Nadeldrucker, die es seit 1956 gibt, stehen noch heute in vielen Arztpraxen. Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) will die veralteten Geräte nun loswerden: Eine entsprechende Verordnung soll am Mittwoch durchs Kabinett.
Markus Blumenthal-Beier, Bundesvorsitzender des Hausärzteverbands, erklärt das gegenüber „Politico“ für überfällig: „Der Nadeldrucker ist ein ganz konkretes Beispiel für analoge Sonderwege im Gesundheitswesen, die Praxen viel zu lange aufgedrängt wurden“, sagte mir Blumenthal-Beier. Die Technik sei „veraltet, zumeist laut und langsam“.
Ein Apple-Nadeldrucker aus den 1980er-JahrenBislang durften Betäubungsmittelrezepte nur mit dem Nadeldrucker ausgedruckt werden. Jetzt wird der überflüssig. Mit einem Update der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung soll das E-Rezept nun auch für diese Rezepte eingeführt werden.
Mit dem E-Rezept für Betäubungsmittel könnten Ärzte über den sogenannten Medikationsplan sehen, welche Medikamente Patienten einnehmen, sagt der Hausärzte-Chef. Das sei gerade bei Betäubungsmitteln entscheidend für die Patientensicherheit.
Das soll auch Geld sparen: Ein Nadeldrucker kostet laut Gesundheitsministerium etwa 800 Euro, hält etwa 7,5 Jahre und verursacht jährlich 85 Euro an Wartungskosten und über 600 Euro an IT-Kosten wegen der veralteten Software. Bei 80.000 Arztpraxen, die den Drucker loswerden, spart der Wegfall des Nadeldruckers somit etwa 66 Millionen Euro pro Jahr, errechnete das Gesundheitsministerium in der Verordnung, die „Politico“ vorliegt. Doch ob das Geld bei den Ärzten ankommt, ist zweifelhaft.
Die finanzielle Entlastung sollte nicht überschätzt werden, sagt Blumenthal-Beier. Denn Arztpraxen müssten stattdessen massiv gestiegene Kosten für die digitale Infrastruktur stemmen. Die Einsparungen seien daher „eher homöopathisch“.
Fritz Preikschaft reichte im Jahr 1952 die ersten Patente für den Nadeldrucker ein. 1956 wurde er das erste Mal von der Telefonbau und Normalzeit GmbH angeboten. Weit verbreitet wurden die Drucker in den 1980er-Jahren.
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