Zum ersten Mal wählt ein Papst – Leo XIV. hat per Briefwahl abgestimmt
Papst Leo XIV. hat als erstes katholisches Kirchenoberhaupt in der Geschichte bei einer US-Wahl abgestimmt. Der Vatikan bestätigte am Freitag, dass das Kirchenoberhaupt vor den am Dienstag anstehenden Kongresswahlen in den USA per Briefwahl für den Bundesstaat Illinois abgestimmt habe. Leo, der mit bürgerlichem Namen Robert Prevost heißt, ist in Chicago geboren.
Der Papst betrachte es als bürgerliche Pflicht, „sich an demokratischen Prozessen zu beteiligen“, teilte sein Büro im Vatikan mit. Er habe schon immer Gebrauch von seinem Wahlrecht gemacht, „wann immer er das konnte“, hieß es. Leo ist Staatsoberhaupt des Vatikans und hat neben der US-Staatsbürgerschaft auch die peruanische. Er wohnte mehr als 20 Jahre in Peru.
Bei den Kongresswahlen wird über die künftige Kontrolle über den Senat und das Repräsentantenhaus der USA entschieden. Im Heimatbundesstaat des Papsts, Illinois, wird diesmal über eine weitere Amtszeit des Gouverneurs JB Pritzker abgestimmt. Zudem geht es um die Nachfolge des demokratischen US-Senators Dick Durbin. Um den Sitz im Repräsentantenhaus kämpfen der Demokrat Jonathan Jackson und der Republikaner Christian Maxwell.
Seit 2000 hat der heutige Papst bei fünf Vorwahlen in den USA abgestimmt, und dabei sowohl Stimmzettel für Wahlen der Republikaner als auch der Demokraten beantragt, wie aus Daten der Wahlbehörde von Illinois hervorgeht. Daraus geht nicht hervor, welche Kandidatinnen oder Kandidaten er unterstützte. In Illinois müssen Wählerinnen und Wähler für die Teilnahme an Vorwahlen angeben, welcher Partei sie sich zuordnen. Für die Stimmabgabe bei Kongress- oder Präsidentschaftswahlen ist dies nicht nötig.
Der ehemalige Kardinal Prevost war einst im Bezirk Cook County in Illinois registriert, wo die Wählerschaft deutlich zur Demokratischen Partei tendiert. Dort beantragte er 2008 und 2010 einen Stimmzettel, um an der Vorwahl der Demokraten teilzunehmen. Nach dem Umzug in den konservativeren Bezirk Will County beantragte er 2012, 2014 und 2016 einen Stimmzettel für die Teilnahme an einer republikanischen Vorwahl. Den Daten zu entnehmen ist, dass er seit 2000 bei jeder US-Kongress- und Präsidentschaftswahl bis auf diejenigen in den Jahren 2020 und 2022 seine Stimme abgegeben hat.
Seit seinem Amtsantritt als Papst hat Leo Kritik des republikanischen US-Präsidenten Donald Trump auf sich gezogen, weil er wiederholt den Krieg gegen den Iran anprangerte und einen würdevolleren Umgang mit Einwandern forderte. Trump nannte das katholische Kirchenoberhaupt schwach. Leo sagte zu Reportern im April, er habe „keine Angst vor der Trump-Regierung“.
Der Papst hat deutlich gemacht, dass er sich über die US-Politik ständig informiere. Vor kurzem bekräftigte er, dass nach der offiziellen Kirchenlehre die Todesstrafe unzulässig sei. Zu dem Zeitpunkt plante die US-Regierung, eine Hinrichtung per Livestream zu übertragen. 2025 äußerte sich Leo „sehr enttäuscht“ darüber, dass sein Bundesstaat Illinois ein Gesetz verabschiedet hatte, das die Sterbehilfe erlaubt.
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