Die US-Gastgeber des G20-Außenministertreffens haben das traditionelle Gruppenfoto gestrichen. Mehrere der Teilnehmer hatten Einwände gegen ein gemeinsames Bild mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow.

„Ich gehe zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass es überhaupt kein Familienfoto geben wird“, sagte der deutsche Außenminister Johann Wadephul vor Reportern in Atlanta, wo das Treffen stattfindet. „Es gibt keine Normalität mit Russland“, fügte er hinzu. „Wir dürfen auch keine falschen optischen Signale aussenden.“

Anschließend übte Lawrow scharfe Kritik an seinem deutschen Kollegen, dem er „Familienfoto-Diplomatie“ vorwarf. „Dieser Herr Wadephul, der vor einem Monat um ein Treffen mit mir in New York gebeten hatte, hat gestern oder heute Vormittag eine Art Erklärung abgegeben, dass er Lawrow alles sagen werde, was den aggressiven Krieg betrifft, und sich niemals fotografieren lassen werde“, behauptete der russische Außenminister. „Das nenne ich Familienfoto-Diplomatie. Wenn es für sie vor allem darauf ankommt, wie sie auf einem Familienfoto aussehen und wer neben ihnen steht, dann sagt das schon alles.“

Außenminister Johann Wadephul auf dem Gipfel in Atlanta

Die Außenminister der G20-Runde der großen Industrie- und Schwellenländer hatten bei ihrem Treffen in den USA ein deutliches Signal an Moskau gesetzt. Das sonst oft übliche „Familienfoto“ der Teilnehmer fiel bei den Beratungen in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia aus. Wadephul hatte schon kurz vor Beginn gesagt: „Es wird in jedem Fall kein Familienfoto geben, auf dem unsere europäischen Partner gemeinsam mit Herrn Lawrow sind.“

Einen Tag zuvor sprach Deutschlands Außenminister noch anders – und hatte signalisiert, einem möglichen „Familienfoto“ zusammen mit dem russischen Kollegen beim Treffen der G20-Außenminister nicht fernzubleiben. Bei Kongressen wie der Zusammenkunft der großen Industrie- und Schwellenländer „ist es automatisch so, dass es gemeinsame Fotos gibt. Es ist eben eine zentrale Aufgabe von Außenministern, miteinander zu sprechen“, sagte der CDU-Politiker bei einem Auftritt mit dem Außenminister von Panama, Javier Martínez-Acha Vásquez, in der Hauptstadt Panama-Stadt.

Eine Journalistin hatte Wadephul gefragt, welche Symbolik von einem solchen Foto mit Lawrow im fünften Jahr des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ausgehe.

Lawrow und Wadephul Ende September am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung in New York

Er habe Lawrow am Rande der UN-Generalversammlung im September in New York bilateral getroffen und auch da habe es gemeinsame Fotos gegeben, erinnerte Wadephul. Das Entscheidende sei aber nicht das Foto, sondern das, was man miteinander bespreche. „Es gibt keine Normalität zwischen Deutschland und Russland, weil Russland weiterhin die Ukraine angreift, weil Russland weiterhin die Sicherheit Europas gefährdet.“ Dies werde er auch in Atlanta zum Ausdruck bringen.

Ihm komme es darauf an, jede Möglichkeit zu nutzen, Russland deutlich zu machen, „dass es von diesem völlig sinnlosen Krieg ablassen muss“, sagte Wadephul. Er werde das G20-Treffen mit anderen Ländern auch nochmals für einen Versuch nutzen, Russland kurzfristig von einer Regelung für das Schwarze Meer zu überzeugen, damit dort Getreide aus der Ukraine und auch aus Russland in den globalen Süden transportiert werden könne. Dort hungerten Menschen, weil Russland den Transport nicht zulasse.

Lawrow: Keine Entspannung zwischen Moskau und Washington

In den Beziehungen zwischen Russland und den USA gibt es nach den Worten des russischen Außenministers Sergej Lawrow bisher keine Entspannung. „In der Praxis sind bislang keine wirklichen Fortschritte in den Beziehungen zu den USA zu erkennen. Man sollte sich keine Illusionen hinsichtlich des Diesel-Deals machen“, sagte Lawrow am Rande des G20-Außenministertreffens.

„Die grundlegenden Fragen werden nicht gelöst, die Sanktionen dauern an, alle Sanktionen (des ehemaligen US-Präsidenten Joe) Bidens werden von der derzeitigen Regierung fortgeführt, und es werden zusätzliche Sanktionen gegen (die Ölgiganten) Lukoil und Rosneft verhängt“, sagte er.

Mit Blick auf die bevorstehenden Dreiergespräche der Ukraine, der USA und Russlands in den kommenden Tagen sagte Lawrow, die Positionen seien klar. Nach jüngsten Andeutungen aus dem Kreml wollten sich die Delegationen Mitte November in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, zu einer Fortsetzung ihrer seit Monaten unterbrochenen Unterredungen über eine mögliche Friedenslösung treffen.

Lawrow kritisierte dabei die Haltung der Europäer. „Sie versuchen, sich in den Friedensverhandlungsprozess in der Ukraine einzumischen“, sagte er.

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