Die frühere Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) ist bei einem Auftritt an der Universität Uppsala in Schweden von propalästinensischen Aktivisten verbal attackiert worden. Eigentlich sollte sie am Montag an der Hochschule über internationale Zusammenarbeit und multilaterale Führung sprechen.

Doch aus dem Publikum kamen lautstarke Zwischenrufe zum Gaza-Krieg. „Wie können Sie es wagen?“, rief ein Teilnehmer. Ein anderer fragte: „Wessen Demokratie verteidigen Sie? Für wessen Freiheit stehen Sie eigentlich ein – nur für die der Israelis?“

Ein Student warf Baerbock vor, die Bombardierung von Krankenhäusern und Schulen gerechtfertigt zu haben. Die frühere Außenministerin verwies zunächst darauf, dass die Kritik in einer anschließenden Fragerunde aufgegriffen werden könne. Als die Unterbrechungen anhielten, reagierte sie laut einem Bericht der marxistischen Zeitung „Junge Welt“ mit den Worten: „Jetzt rede ich!“ Zu der angekündigten Diskussion kam es dem Bericht zufolge später dann nicht mehr. Aufnahmen der Auseinandersetzung verbreiteten sich anschließend in sozialen Netzwerken.

Hintergrund der Proteste ist Baerbocks Haltung zum Nahost-Konflikt während ihrer Amtszeit als Außenministerin. Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hatte sie betont, die Sicherheit Israels sei deutsche Staatsräson. Deutschland werde Israel im Rahmen des internationalen Rechts unterstützen. Dazu gehörten auch Waffenlieferungen, die Baerbock im Oktober 2024 im Bundestag gegen Kritik verteidigte. Zugleich betonte sie die Geltung des humanitären Völkerrechts und die Notwendigkeit, Hilfe in den Gaza-Streifen zu bringen.

Der Protest fiel mit einer Auszeichnung für Baerbock zusammen: In Uppsala wurde ihr die Dag-Hammarskjöld-Medaille verliehen. Sie wird laut der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen an Persönlichkeiten vergeben, die sich in verschiedenen Bereichen um die Lösung globaler Probleme durch das System der Vereinten Nationen verdient gemacht haben.

Ein Sprecher der „Antiimperialistischen Aktion“ warf Baerbock gegenüber der „Jungen Welt“ vor, den „Völkermord“ in Palästina zu unterstützen.

Baerbock war nach ihrer Zeit als Außenministerin Präsidentin der UN‑Generalversammlung. Seit Herbst 2026 ist sie als Professorin für Global Leadership an der Columbia-Universität in New York tätig.

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