„Rassistischer Terroranschlag“ stellt laut Macron „Wendepunkt“ für Frankreich dar
Ein Mann in einem Auto hat in zwei Gemeinden bei Paris mehrere Schüsse abgefeuert. Dabei kam ein Mensch ums Leben, fünf weitere wurden teils sehr schwer verletzt, darunter ein zwölfjähriges Mädchen. Der Verdächtige wurde kurze Zeit später festgenommen.
Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez bezeichnete den Vorfall als „terroristische Tat“. „Die Ermittlungen laufen noch, aber es handelt sich eindeutig um ein terroristisches Verbrechen“, sagte Nuñez in Trappes.
Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft in Paris hatte zuvor den Fall übernommen. Die Tat sei „aufgrund der tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit zu einer angeblichen Rasse, Ethnie, Nation oder bestimmten Religion begangen“ worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.
Der Mann hatte am Freitagvormittag gegen 10:30 Uhr in Trappes und der benachbarten Gemeinde La Verrière im Département Yvelines aus einem Auto heraus das Feuer eröffnet, wie die Polizei mitteilte. Nuñez gab an, dass der Verdächtige mit einer automatischen Waffe geschossen habe. Anschließend wurde der Täter im nahe gelegenen Coignières festgenommen. Die örtlichen Behörden schlossen nicht aus, dass sich die Zahl der Opfer noch ändern könnte.
Fahrzeug und Wohnung des Verdächtigen durchsucht
Bei dem Verdächtigten handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um einen 1987 geborenen Mann, laut Medien ist er 39 Jahre alt. Sein Strafregister weist der Mitteilung der Behörde zufolge vier Verurteilungen auf. Seine Wohnung wurde noch am Freitagabend durchsucht. Weil er dabei anwesend sein musste, konnte er zunächst nicht vernommen werden, hieß es.
Bei der Durchsuchung sei in der Wohnung eine Sprengfalle gefunden worden, so die Staatsanwaltschaft. Diese habe aus drei Gasflaschen und elektrischen Drähten bestanden, die mit einer Zeitschaltuhr verbunden waren. Außerdem wurden im Fahrzeug des Verdächtigen eine Maschinenpistole sowie eine Tränengasgranate entdeckt. Zudem wurde am Nachmittag eine weitere Person aus seinem engsten Familienkreis festgenommen.
Nach Angaben des Bürgermeisters von Trappes, Ali Rabeh, schoss der Täter offenbar wahllos aus seinem Fahrzeug. Dem Sender BFMTV sagte Rabeh, der Mann habe offensichtlich ein „Blutbad“ anrichten wollen. Das Todesopfer sei „afrikanischer Herkunft“, ein Verletzter in Lebensgefahr sei zudem „maghrebinischer Herkunft“. Einen islamfeindlichen Hintergrund hält Rabeh für möglich. „Was wir heute miterlebt haben, ist objektiv gesehen ein Anschlag mit rassistischem, wahrscheinlich islamophobem Hintergrund“, sagte er. Der muslimische Dachverband in Frankreich (CFCM) rief die Musliminnen und Muslime im Land in einer Mitteilung zu äußerster Wachsamkeit auf.
Die Stadt kündigte an, eine Stelle für psychologische Betreuung einzurichten. Unter den Verletzten befindet sich auch ein zwölfjähriges Mädchen.
Vorfälle seien „sehr ernst“, sagt Frankreichs Premier
Präsident Emmanuel Macron zeigte sich auf der Plattform X tief erschüttert wegen der Attacke. Die französische Nation befindet sich Macron zufolge „in Trauer“. Macron verurteilte den Vorfall bei einem Besuch in der betroffenen Gemeinde Trappes als „rassistischen Terroranschlag“, der einen „Wendepunkt“ für das Land darstelle.
Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu bezeichnete die Vorfälle im Onlinedienst X als „sehr ernst“. Die Sicherheits- und Justizbehörden seien mit allen verfügbaren Mitteln im Einsatz.
Die Tat ereignete sich in einer angespannten Lage in Frankreich. Am Wochenende zuvor war es bei Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem zu schweren Ausschreitungen gekommen. Dabei wurden Geschäfte geplündert, Rathäuser und Polizeistationen angegriffen und Gebäude in Brand gesetzt. In mehreren Großstädten verhängten die Behörden daraufhin nächtliche Ausgangssperren.
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