Hanning in Geldnot – warum sich der Ex-BND-Chef an Olaf Scholz wandte
Der frühere BND-Präsident August Hanning steckte nach Informationen der „Bild“ seit Längerem in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten. Seine Pension von bis zu 11.000 Euro sei gepfändet worden. Ursache dafür soll die Insolvenz der lettischen PNB Banka gewesen sein, in deren Aufsichtsrat Hanning zwei Jahre lang saß.
2019 wurde die Bank insolvent. Hanning und der frühere Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, der ebenfalls dem Aufsichtsrat angehörte, sollten laut „Bild“ haften. Dabei soll es um Forderungen von bis zu vier Millionen Euro gehen.
Während Rasmussen bislang nicht habe zahlen müssen, weil Dänemark den Vollzug bis zu einem rechtskräftigen Urteil verweigere, sei gegen Hanning in Deutschland bereits vollstreckt worden, berichtet die Zeitung.
In seiner finanziellen Not wandte sich Hanning demnach am 6. Februar 2022 direkt an den damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Anlass war ein bevorstehender Besuch der baltischen Regierungschefs.
Verteidiger räumt Besitz vertraulicher Unterlagen ein
Hanning bat Scholz laut „Bild“, den damaligen lettischen Ministerpräsidenten Krišjānis Kariņš auf die Insolvenz der PNB Banka anzusprechen. Hanning warf lettischen Behörden vor, rechtswidrige Vorgänge beim Aktionärswechsel und den Abfluss von mehr als 30 Millionen Euro gekannt oder gebilligt sowie eine Aufklärung verhindert zu haben.
Kariņš solle „einer unabhängigen Untersuchung der Vorgänge zustimmen“, bat Hanning dem Bericht zufolge. Unterstützung habe es jedoch nicht gegeben, sagte Hanning später der „Bild“.
Der Verteidiger des früheren BND-Präsidenten August Hanning hat einen Teil der Vorwürfe gegen seinen Mandanten zugegeben. Demnach sei Hanning in Besitz vertraulicher Unterlagen gewesen. Aber: Er habe Deutschland damit nicht geschadet und diese auch nicht verkauft.
In einem Statement, das WELT vorliegt, heißt es wörtlich: „Mein Mandant wird zu Unrecht verfolgt. Zwar ist er im Besitz vertraulicher Unterlagen gewesen. Unzutreffend ist allerdings der Vorwurf, er habe darin enthaltene Informationen zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland – geschweige denn gegen Bezahlung – weitergegeben. Die weiteren Ermittlungen werden das zeigen.“
Hanning kommt unter anderem wegen Spionageverdachts in Untersuchungshaft. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe habe den Haftbefehl gegen den 80-Jährigen in Vollzug gesetzt, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft am Mittwoch. Die oberste Anklagebehörde in Deutschland wirft Hanning geheimdienstliche Agententätigkeit, landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und versuchten Landesverrat vor.
Hannings früherer Büroleiter beim Bundesnachrichtendienst (BND), Manfred D., war am Dienstag wegen Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung in U-Haft gekommen. Laut Bundesanwaltschaft geht man davon aus, dass Hanning und sein Ex-Büroleiter 2010 vereinbart haben, dass der Ex-Büroleiter dem fünf Jahre zuvor aus dem Amt geschiedenen Hanning gegen Bezahlung fortlaufend wertvolle BND-Erkenntnisse besorgen solle. Diese Informationen soll Hanning gewinnbringend bei seiner Beratertätigkeit verwertet haben.
Ermittlungen durch Durchsuchung im Fall Block ausgelöst
Hanning war von Dezember 1998 bis Ende November 2005 BND-Präsident. Laut Bundesanwaltschaft soll Manfred D. zwischen Dezember 2005 und November 2009 Hanning als Assistent ins Bundesinnenministerium gefolgt sein, wo dieser Staatssekretär war. Im Anschluss wechselte Hanning in die Privatwirtschaft und arbeitete als Sicherheitsberater.
Manfred D. arbeitete laut Bundesanwaltschaft zwischen März 2012 und März 2026 erneut für mehrere BND-Präsidenten als Büroleiter. In dieser Funktion habe er Zugriff auf geheimhaltungsbedürftige Informationen gehabt. Inzwischen soll Manfred D. pensioniert sein.
Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch Funde bei einer Durchsuchung im September 2025. Diese erfolgte im Zusammenhang mit dem Verfahren gegen die Hamburger Unternehmerin Christina Block und weitere Beschuldigte. Die 53-Jährige steht zurzeit in Hamburg vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, im Sorgerechtsstreit um ihre Kinder eine israelische Sicherheitsfirma mit deren Rückführung aus Dänemark beauftragt zu haben.
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