„Da war zu meiner Überraschung auch Issa Remmo anwesend“, sagt Koçak in neuer Erklärung
Vieles sei „erklärungsbedürftig“, räumt der Linken-Politiker Ferat Koçak einleitend ein. In einem Instagram-Video verteidigt sich der Bundestagsabgeordnete gegen die Vorwürfe, eine Nähe zu Angehörigen der organisierten Kriminalität zu pflegen. Auf der Neuköllner Wahlparty seiner Partei war er zusammen mit Ibrahim Ibrahim zu sehen, einem Aktivisten aus dem Umfeld der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“. Auch Clan-Oberhaupt Issa Remmo war zugegen. Dessen Sohn Firas wiederum veröffentlichte später Chatnachrichten, die er mit Koçak ausgetauscht hatte.
„Organisierte Kriminalität ist scheiße“, unterstreicht Koçak nun auf Instagram. „Sie zerstört den Zusammenhalt, den wir hier in Neukölln so großschreiben. Weder ich noch meine Partei haben damit irgendwas zu tun.“ Als Bundestagsabgeordneter gehöre es jedoch zu seinen Aufgaben, für die Menschen seines Wahlkreises Neukölln erreichbar zu sein und dafür zu kämpfen, „dass wir alle ein Leben in Würde und Sicherheit führen können, egal woher wir kommen, was wir glauben oder welchen Job wir haben – und Menschen nicht vorzuverurteilen“.
Koçak erhebt in dem Video seine Erreichbarkeit zur Tugend, die ihn nun „ins Verderben“ geführt habe. „Dafür wurde ich gewählt – und das macht mich verwundbar.“ Der Kontakt zu Firas Remmo sei entstanden, nachdem er in einem Aufruf nach gebrauchten Handys für Aktivisten gefragt habe. Ein Dutzend Menschen hätten sich daraufhin gemeldet, darunter der Sohn von Issa Remmo.
„Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, wer der Account Firas ist, denn ich habe jeden Tag mit Dutzenden Menschen zu tun“, sagt der Berliner und blendet dabei etliche Screenshots von Chats und Mails in dem Video ein. „Ich weiß, dass ich selbstverständlich überprüfen muss, mit wem ich kommuniziere. Dass ich das in diesem konkreten Fall nicht getan habe, das ist mein Versäumnis. Und das ist mir nun zum Verhängnis geworden.“
Remmo veröffentlichte Auszüge aus einem gemeinsamen Chat. „Grüße deinen Vater mit Respekt“, hatte es darin etwa vonseiten Koçaks geheißen. „In einer Nachricht liest es sich, als würde ich seinen Vater, Issa Remmo, grüßen. Das stimmt so nicht“, schildert er nun in seinem Instagram-Statement. „Ich habe auf eine Nachricht reagiert, in der er Grüße von seinem Vater ausgerichtet hat und höflich zurückgegrüßt. Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht, wer der Vater ist. Wenn mich jemand grüßt, dann grüße ich zurück. Das gehört sich in meiner Community auch so.“
Er habe sich mit Firas Remmo über die Übergabe der Handys ausgetauscht. „Bei der Abholung war zu meiner Überraschung auch Issa Remmo anwesend. In diesem Moment wurde mir klar, wer der Vater war, der mir vorher Grüße ausgerichtet hat. Denn natürlich weiß ich, wer Issa Remmo ist“, erklärt Koçak. „Ab diesem Moment hat sich die Situation für mich verändert. Was macht man als Politiker in so einer Situation?“
Für ihn gelten zwei Grundsätze, führt er weiter aus. Zum einen wolle er niemanden wegen seines Nachnamens vorverurteilen, zum anderen vermeide er jede Nähe zur organisierten Kriminalität. „Deshalb bin ich nach der Abholung höflich dem persönlichen Kontakt mit Firas Remmo aus dem Weg gegangen. Dass ich dies nicht eindeutiger gemacht habe, war nicht richtig“, sagt er mit Blick darauf, Remmo später ein Video einer seiner Bundestagsreden geschickt zu haben.
Clan-Experte Thomas Heise analysiert die problematischen Kontakte zwischen Linken-Politiker Ferat Koçak und Mitgliedern der Remmo-Familie: „Du beschäftigst dich mit diesem Thema im Bundestag, und weißt dann nicht, wer Issa Remmo ist? Also ich bin unter den Tisch gerutscht vor Lachen“, so Heise.„Mit dem Wissen, was ich dann hatte, hätte ich sensibler mit dem Kontakt umgehen und vor allem hätte ich meine Partei direkt darüber informieren müssen. Dass ich das nicht getan habe, war ein Fehler“, führt er weiter aus. „Mit der vollständigen Offenlegung der Kommunikation mache ich transparent, dass ich Personen, denen Verbindungen zur organisierten Kriminalität zugeschrieben werden, weder Vorteile gewährt noch von ihnen Vorteile erhalten habe.“
Dennoch sei er seinem eigenen Anspruch an einen Abgeordneten im Innenausschuss des Bundestags nicht gerecht worden, weswegen er diesen Sitz aufgebe. „Was für mich entscheidend ist, ist, euer Vertrauen wieder zurückzugewinnen. Denn euer Vertrauen ist das, was mir jeden Tag den Rücken stärkt, was mich weiterkämpfen lässt und das darf ich niemals aufs Spiel setzen.“
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