Nach der heftigen Kritik an Kontakten ins Berliner Clan-Milieu lässt der Berliner Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak seine Parlamentsfunktionen vorerst ruhen. „Ferat Koçak hat uns mitgeteilt, dass er sich bis auf Weiteres, bis volle Transparenz hergestellt ist, zurückziehen wird“, sagte Linken-Co-Fraktionschef Sören Pellmann in Berlin. „Das warten wir ab.“ Koçak werde bis auf Weiteres nicht an Sitzungen des Bundestags-Innenausschusses teilnehmen, „bis wir vollumfängliche Transparenz haben“.

Koçak hatte sich zuvor zu seinen Kontakten zum Berliner Remmo-Clan geäußert. So tauschte er sich mit dem Sohn von Clan-Chef Issa Remmo, Firas, in Chats aus. Firas Remmo hatte einen Screenshot des Chats auf Instagram veröffentlicht. Demnach schrieb Koçak an Remmo: „Grüße mit Respekt zurück an deinen Vater. Ab wann bist du im Büro? Ich kann vormittag vorbeikommen. Ich hab whats app. Muss nur einstellen dass du nicht automatische antwort immer bekommst [sic].“ Von wann diese Nachricht stammen soll, geht aus dem Screenshot nicht hervor.

Auf der Plattform X rechtfertigte Kocak den Kontakt damit, dass er mit „vielen Leuten“ im Austausch stehe. Er habe Issa Remmo „mit Höflichkeit zurückgegrüßt“, er habe jedoch zunächst „keine Kenntnis“ davon gehabt, um wen es sich handelt.

Am 17. Februar dieses Jahres hatte Koçak dem Remmo-Sohn erneut geschrieben: „Bruder hilf mir mal das hier zu verbreitern. Sagt allen euren Leuten, die sollen das teilen bitte [sic].“ Dazu teilte Koçak ein Video, in dem er in einer Bundestagsrede vor einer „historischen Dauerdebatte“ beim Thema Clankriminalität warnt. Firat Remmo antwortete auf seine Nachricht: „Gerne Bruder.“

Den Screenshot hatte Firas Remmo mit einem Kommentar versehen: „Wir sind Teil von etwas Großem. Wir stehen zusammen, wir halten zusammen und wir kämpfen für unsere Ziele. Wir sind Sieger. Wir sind Macher. Wir sind ein Team.“

Ferat Koçak erklärte am Dienstag nun, „Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden“, seien „durch nichts zu rechtfertigen“. Er wolle für „volle Transparenz“ sorgen. Sören Pellmann ergänzte, dass über weitere mögliche Konsequenzen „im Nachgang miteinander solidarisch“ gesprochen werde.

Zuvor hatte bereits die langjährige Linken-Bundestagsabgeordnete Petra Pau Koçak scharf kritisiert. Die frühere Bundestagsvizepräsidentin teilte einen Erklärungs-Post von Koçak auf X und kommentierte: „Mir reicht es langsam. Als MdB hast Du eine Verantwortung, ich kann nicht mehr an Naivität glauben. Da ich es aber befürchtete, habe ich auf Deine Mail im Sommer nicht geantwortet.“ Welche Mail Pau genau meint, schrieb sie nicht.

Am Sonntag hatte bereits der Besuch von Firas Remmos Vater, Issa, auf einer Wahlparty der Linken in Neukölln für Aufsehen gesorgt. Gegenüber der „Berliner Morgenpost“ äußerte er sich über den Wahlsieg der Partei: „Ich freue mich über die Linken“, sagte er. Er fühle sich erstmals in Deutschland von einer Partei unterstützt.

Die Linke distanzierte sich daraufhin vom Besuch Remmos. Die Veranstaltung sei frei zugänglich und Remmo nicht eingeladen gewesen, hieß es. Die Parteivorsitzende Ines Schwerdtner erklärte, dass Remmo direkt ausgeladen worden sei, als er vor Ort erkannt worden sei. „Wir als Partei nehmen das sehr ernst“, betonte Schwerdtner. „Wir werden in der Partei ganz klar dafür sorgen, dass so etwas nicht vorkommt.“

Die Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge legte der Linken-Fraktionsvorsitzenden Heidi Reichinnek inzwischen zudem nahe, Koçak auch aus der Fraktion auszuschließen. Koçak habe wiederholt an Veranstaltungen teilgenommen, bei denen Menschen aufgetreten seien, bei denen von vornherein klar gewesen sei, „dass sie Terror verherrlichen, wo von vornherein klar war, dass sie das Existenzrecht Israels infrage stellen, von vornherein klar war, wie antisemitisch sie sind“, sagte Dröge. „Und deswegen würde ich Heidi Reichinnek empfehlen, dass Herr Koçak nicht Teil der Fraktion der Linken ist.“

Zugleich äußerte Dröge Zweifel an Koçaks Erklärungen zu seinen Kontakten zur organisierten Kriminalität in Berlin. Der Abgeordnete versuche, sich bei dieser Frage „aus den Fängen zu ziehen“. „Ich halte das für höchst unglaubwürdig, was Herr Koçak dort vorträgt“, sagte Dröge.

Die arabischstämmige Remmo-Großfamilie kam in den 80er Jahren aus dem Libanon nach Berlin. Zu der Familie mit inzwischen mehreren Generationen sollen einige Hundert Menschen gehören. Einen Teil von ihnen ordnet die Polizei dem kriminellen Clan-Milieu zu.

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