Nachdem der Linke-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak seinen Instagram-Kontakt zu einem Sohn des Remmo-Clans erklärt hat, ist bei seiner Parteikollegin Petra Pau offenbar die Hutschnur geplatzt. Die langjährige ehemalige Bundestagsabgeordnete (1998 bis 2025) und frühere Bundestagsvizepräsidentin teilte den Erklärungs-Post von Koçak auf X und kommentierte:

„Mir reicht es langsam. Als MdB hast Du eine Verantwortung, ich kann nicht mehr an Naivität glauben. Da ich es aber befürchtete, habe ich auf Deine Mail im Sommer nicht geantwortet.“ Welche Mail Pau genau meint, schrieb sie nicht.

Am späten Sonntagabend hatte Firas Remmo, Sohn von Issa Remmo, einen Chat-Auszug veröffentlicht, der eine persönliche Beziehung zum Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak nahelegt. Auf dem Screenshot war zu sehen, wie der Linken-Politiker „Grüße mit Respekt an deinen Vater“ schrieb, also einen Gruß an Issa Remmo. Zudem bat er Firas Remmo offenbar am 17. Februar darum, bei der Verbreitung eines Videos von einer seiner Bundestagsreden zu helfen. „Sagt allen euren Leuten, die sollen das teilen bitte“, schrieb er. Der antwortete mit „Gerne, Bruder.“

Petra Pau (l.) und Elif Eralp nach der Wahl

Koçak entschuldigte sich am Montagabend auf Instagram und X: „Die Berichte über Chatverläufe zwischen mir und Firas Remmo haben die Öffentlichkeit verunsichert. Zu Recht: Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden, sind durch nichts zu rechtfertigen“.

Dann folgte seine Erklärung: Immer wieder rufe er Menschen dazu auf, sich an politischen Aktionen zu beteiligen. „Im Zuge dessen hat sich auch Herr Remmo gemeldet. Ich kommuniziere jede Woche über meine Kanäle in den sozialen Medien mit Hunderten von Menschen aus Neukölln, und ich habe mit ihm geschrieben, wie mit jedem anderen Neuköllner auch, und seinen Vater mit Höflichkeit zurückgegrüßt“.

Er trage eine „besondere Verantwortung.“ „Ich werde mir jetzt die Zeit nehmen, um jeden Zweifel auszuräumen und in Absprache mit meinem Team mein Kommunikationsverhalten aufzuarbeiten und volle Transparenz herzustellen“, schrieb er weiter.

Zuvor hatte am Sonntag der Besuch von Firas Remmos Vater, Issa, auf einer Wahlparty der Linken in Neukölln für Aufsehen gesorgt. Gegenüber der „Berliner Morgenpost“ äußerte er sich über den Wahlsieg der Partei: „Ich freue mich über die Linken“, sagte er. Er fühle sich erstmals in Deutschland von einer Partei unterstützt.

Außerdem stritt er ein Antisemitismusproblem der Partei ab: „Die Berliner Linke ist Juden gegenüber nicht feindlich eingestellt.“ Er fügte hinzu: „Ich würde keinen judenfeindlichen Politiker wählen.“ Issa Remmo gilt als Oberhaupt des Remmo-Clans. Die Familie steht in enger Verbindung zu schweren Straftaten.

Die Linkspartei hatte sich vom Besuch Remmos distanziert. Am Montag hatte die Parteivorsitzende Ines Schwerdtner erklärt, dass Remmo direkt ausgeladen worden sei, als er vor Ort erkannt worden sei. „Wir als Partei nehmen das sehr ernst“, betonte Schwerdtner. „Wir werden in der Partei ganz klar dafür sorgen, dass so etwas nicht vorkommt.“

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Dirk Peglow, kritisiert eden Auftritt von Issa Remmo bei der Wahlparty deutlich. „Nach allem, was bislang bekannt ist, war die Wahlparty öffentlich zugänglich und Issa Remmo nach Angaben der Linken nicht eingeladen“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Weiter sagte er: „Trotzdem ist ein solcher Auftritt problematisch. Gegenüber Personen aus Großfamilien, die selbst durch schwere oder organisierte Kriminalität in Erscheinung getreten sind oder diesem Milieu zugerechnet werden, muss es eine eindeutige Abgrenzung geben. Es darf weder der Eindruck von politischer Nähe noch von gesellschaftlicher Akzeptanz entstehen. Kriminelle Strukturen dürfen durch öffentliche Auftritte, Kontakte oder vermeintliche Nähe zu Parteien nicht aufgewertet oder normalisiert werden.“

Peglow betonte: „Parteien müssen deshalb sehr sensibel reagieren und unmissverständlich deutlich machen, wo ihre Grenzen liegen. Das gilt unabhängig davon, um welche Partei es geht.“

Peglow fügte hinzu: „Für die Berliner Polizei, die seit Jahren mit erheblichem Aufwand gegen kriminelle Strukturen in Großfamilien vorgeht, sind solche Bilder kaum vermittelbar und für viele Einsatz- und Ermittlungsbeamte ein Schlag ins Gesicht.“

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