Eigentlich ist seine Redezeit vorbei, der nächste Termin wartet. Aber gehen will er dann doch nicht. Donald Trump steht neben dem New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani, vor den beiden ein Pulk von Reportern. „Die Zeit des Präsidenten ist um, jetzt wird der Bürgermeister ein paar Fragen beantworten“, ruft eine Sprecherin. Als eine Journalistin dann trotzdem eine Frage an Trump stellt, erklärt dieser gönnerhaft, sich die Zeit selbstverständlich zu nehmen, klopft Mamdani kumpelhaft auf die Schulter und legt mit einer Erklärung los.

Montagnachmittag vor der Gracie Mansion, dem Wohnsitz des New Yorker Bürgermeisters. Weiträumig ist das Viertel im Osten Manhattans abgeriegelt, es ist der erste von mehreren Terminen des Präsidenten in seiner Heimatstadt. Während Trump noch bei Mamdani steht, wartet bereits Emmanuel Macron im Trump-Tower. Der Terminkalender des US-Präsidenten ist zum Auftakt der UN-Generalversammlung gut gefüllt.

Viel von dem, was Trump am Montag tut, bekommen die Amerikaner aber nicht mit. Der sonst medial omnipräsente US-Präsident ist wie abgetaucht. Eigentlich würde der gesamte Tag laufend von Kameras begleitet werden. Normalerweise wäre schon die Abreise des Präsidenten aus Washington medial begleitet worden. Schließlich hob sein Hubschrauber erstmals vom frisch fertiggestellten Helipad vor dem Weißen Haus ab.

Nur spärlich dringen über den Tag hinweg Videoaufnahmen oder Fotos der Ereignisse ins Netz, auch auf den einschlägigen TV-Sendern ist wenig zu sehen. Der Hintergrund: Der Präsident hat einzelnen Medien den Zugang zum Weißen Haus verboten – was zu einem Boykott der Übrigen führte.

Am Freitag postete der Präsident auf Truth Social, dass er drei Medien aus dem Weißen Haus verbannen werde. Es traf CNN, MS NOW (ehemals MSNBC) und Politico (gehört wie WELT zu Axel Springer), denen er „Fake News“ vorwarf. „Medien sollten keine Fiktionen oder Lügen schreiben, wenn sie über den Präsidenten der Vereinigten Staaten berichten“, so Trump. Die erwähnten Häuser seien „total außer Kontrolle“.

Recherchen von CNN und dem „Wall Street Journal“ zufolge soll die Präsidentenberaterin Natalie Harp Trump vergangene Woche Videoausschnitte aus den Berichten über ihn bei CNN, MS NOW und Politico gezeigt haben. Am Freitag hingegen sagte er noch, es gebe keinen besonderen Grund. Wie das „Wall Street Journal“ weiter berichtet, fiel Harps Präsentation in eine Zeit, in der Trump ohnehin schon frustriert gewesen sei.

Klagewelle gegen unliebsame Medien

Zuvor sei er darüber unterrichtet worden, dass die Lage für die Republikaner bei den Zwischenwahlen düster aussehe. Hinzu käme, dass zwei wichtige Beraterinnen, die einen moderierenden Effekt auf Trump gehabt haben sollen, nicht zugegen waren: Susie Wiles, die Stabschefin, hielt sich in Florida auf, und Karoline Leavitt, die ehemalige Pressesprecherin, die kürzlich von ihrem Posten zurückgetreten ist.

Der Medien-Ausschluss griff am Samstagmorgen. Journalisten der drei Medien wurden beim Versuch, das Weiße Haus zu betreten, ihre Zugangskarten entzogen. Da das Oval Office sehr klein ist, existiert unter den fünf großen Fernsehsendern ein Rotationssystem. Nicht alle könnten gleichzeitig mit ihren Kameras und Mikrofonen dort präsent sein, also wechseln sie sich ab und stellen den Videofeed allen anderen zur Verfügung. In diesem sogenannten TV-Pool sind Fox News, NBC, ABC, CBC – und CNN.

Am Montag wäre es die Aufgabe von CNN gewesen, den Präsidenten mit der Kamera zu begleiten und das Material allen anderen zur Verfügung zu stellen. Doch keiner der anderen Sender sprang ein, da sie sich entschieden, Trump zu boykottieren – aus Solidarität.

Der Schritt des Präsidenten ist eine erneute Eskalation in seinem Vorgehen gegen unliebsame Medien. Einen ähnlichen Vorfall hatte es zuletzt im Jahr 2009 gegeben, als Barack Obama Fox News von einer Veranstaltung ausschließen wollte. Daraufhin blieben alle TV-Sender dem Event fern, die Obama-Regierung ruderte daraufhin schnell zurück.

Trump ist bislang hart geblieben. Und die Konsequenzen überschaubar. Das Weiße Haus übertrug Trumps Abreise nach New York von seinem neuen Helikopter-Landeplatz selbst auf YouTube. Allerdings waren dessen Worte bei der Einweihungszeremonie nicht zu verstehen, da die Installation eines Mikrofons vergessen wurde. Der rechtskonservative Sender Newsmax sendete den Stream für wenige Sekunden und kommentierte Trumps Medien-Ban mit den Worten: „Das geht ein bisschen nach hinten los.“

Beim Termin mit Bürgermeister Mamdani spottete Trump dann: „Sie wollten mich boykottieren. Aber schaut, wie viele Reporter nun hier sind.“ Tatsächlich war das Medieninteresse an dem Termin groß. Doch die Bilder, die nach außen drangen, stammten von Reportern, die über das New Yorker Rathaus eingeladen wurden, und nicht über die Pressestelle des Weißen Hauses.

Der Großteil der amerikanischen Medien weigerte sich am Montag, die über den Tag lang angefertigten Aufnahmen von Trump zu publizieren. Weder Bilder vom Treffen mit Mamdani noch vom Empfang Macrons – oder der Abreise von seinem neuen Helipad – waren zu sehen. Erst um Mitternacht stellten sie die Bilder den Fotoagenturen zur Verfügung.

Trump scheint sich nun auf eine längere Auseinandersetzung mit den Medien einzustellen. Am Montagnachmittag kündigte er den Start von „Trump TV“ an, einem eigenen Sender mit Direktion aus dem Weißen Haus. Auf YouTube ging am Abend ein Stream live, der mit der Übertragung der Amtseinführungszeremonie Trumps begann und danach alte Reden des Präsidenten abspielte. Am Dienstagmorgen soll dann gezeigt werden, wie der Präsident vor den Vereinten Nationen spricht.

CNN, MS NOW und Politico haben unterdessen Klage gegen die Regierung eingereicht. „Ohne Vorankündigung oder Verfahren hat das Weiße Haus die Akkreditierungen unserer Journalisten widerrufen, weil es Einwände gegen unsere Berichterstattung hatte“, erklärten die Medienhäuser in einer gemeinsamen Stellungnahme. „Präsident Trump hat unmissverständlich erklärt, dass er es vorziehen würde, dass nur Medien und Reporter über ihn berichten, die seine Regierung loben“, heißt es in der Klageschrift, die als Eilantrag bei Gericht eingereicht wurde. Noch in dieser Woche könnte sich ein Richter damit befassen.

Zeitpunkt nicht zufällig

Bis dahin dürfte sich das Ganze zu einem Armdrücken entwickeln zwischen dem aufmerksamkeitsheischenden Trump und den Medien, die ihm diese geben wollen. Während Trumps weiterer Termine am Dienstag in New York wird es an Kameras im UN-Gebäude nicht mangeln, da diese dort eh stationiert sind. Am Mittwoch aber empfängt der US-Präsident Chinas Staatspräsidenten Xi Jinping in der Hauptstadt. Trump wird ihn sogar am Flughafen mit militärischen Ehren in Empfang nehmen: ein bildstarker, historischer Termin. Sollten es an Aufnahmen dieses Besuchs mangeln, den er nutzen will, um sein gutes Verhältnis zu Xi zu demonstrieren, dürfte ihn das schmerzen.

Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus hat Donald Trump ein juristisches Muster etabliert: hohe Schadensersatzforderungen, öffentlichkeitswirksame Vorwürfe – und Vergleiche, sobald Konzerninteressen ins Spiel kommen. Im Oktober 2024 verklagte Trump CBS zunächst auf 10 Milliarden Dollar, später erhöhte er die Forderung auf 20 Milliarden Dollar. Der Vorwurf: Ein Interview mit Kamala Harris sei so geschnitten worden, dass ihre widersprüchlichen Aussagen zum Gaza-Krieg kaschiert wurden – angeblich zugunsten der Demokraten. Im Juli 2025 lenkte Mutterkonzern Paramount ein und zahlte 16 Millionen Dollar, offiziell ohne Schuldeingeständnis.

Beobachter sehen den Zeitpunkt nicht zufällig: Paramount brauchte für die Übernahme durch Skydance Media die Zustimmung der von Trump neu besetzten Aufsichtsbehörde FCC. Ähnlich lief es bei ABC: Im Dezember 2024 zahlte der Sender 15 Millionen Dollar, nachdem Moderator George Stephanopoulos Trump fälschlich als „wegen Vergewaltigung haftbar“ bezeichnet hatte – tatsächlich hatte eine Jury ihn wegen sexuellen Missbrauchs und Verleumdung verurteilt, nicht wegen Vergewaltigung nach New Yorker Recht.

Mit der Mehrzahl seiner Feldzüge vor Gericht scheiterte der Präsident allerdings. Eine 15-Milliarden-Dollar-Klage gegen die New York Times etwa wurde von Bundesrichter Steven Merryday als überlang und „ermüdend“ abgewiesen. Mitunter ist es schwer, bei der Klagewut des Präsidenten den Überblick zu behalten. Laut „Washington Post“ hat Trump mehr als 30 Verleumdungsklagen eingereicht – jedoch nie einen Prozess gewonnen.

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