Die Bundesschatzmeisterin der Jungen Union (JU), Clara von Nathusius (CDU), hat in einem Video ihren Vorstoß zu Gesprächen mit der AfD präzisiert. „Wenn wir nach solchen Gesprächen Nein sagen, dann haben wir endlich wieder Argumente, wofür wir als CDU stehen“, argumentierte sie in einem Video auf Instagram und X. Entzündet hatte sich die Debatte nach einem Auftritt im „Bericht aus Berlin“ in der ARD am Sonntag.

Auf Landesebene seien die Themen andere als im Bund. „Über den Euro und die Nato redet man in Magdeburg nicht“, sagte die Politikerin am Montagabend als Verweis auf die in diesen Themenbereichen mit der CDU unvereinbaren Haltungen der AfD.

Sie plädierte für rote Linien in anderen Bereichen, die man in Gesprächen ziehen könne: „Wir schaffen die Schulpflicht nicht ab (...), wir stecken Flüchtlingskinder auch nicht in Sonderklassen und wollen auch keine Sonderklassen für behinderte Kinder. Wir kündigen auch keine Rundfunkverträge für Sender, die uns nicht so gelitten sind, sondern wir überlegen uns, wie man diese reformieren kann. Und wir schreiben auch keine Geschichtslehrpläne um, weil uns vermeintlich der Fokus auf die Historie so aktuell nicht passt.“

JU-Politikerin Nathusius kritisierte vor allem fehlende Kohärenz in der CDU. Als Beleg führte sie an, dass ihre Partei in Thüringen mit dem russlandfreundlichen BSW regiere, in Sachsen Haushalte durch eine Duldung der Linkspartei beschließe und auf Kreisebene mit der AfD abstimme. „Unvereinbarkeitsbeschlüsse, die keine Richtungsweisung sind, an die wir uns wirklich halten, gehören ehrlicherweise einfach weg“, schloss sie daraus.

Zugleich richtete sie Kritik an Kanzler Friedrich Merz (CDU), der kürzlich im Bundestag dadurch aufgefallen war, weil er das AfD-Konzept der „Remigration“ mit Plänen zu „ethnischer Säuberung“ gleichsetzte: „Wenn der Kanzler die Remigration im Bundestag eine ethnische Säuberung durch die AfD nennt und am nächsten Tag trotzdem ein Prüfverfahren gegen die AfD ablehnt, dann geht das beides nicht zusammen.“ Entweder man meine diesen Satz ernst und dann folge daraus ein Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht. „Oder man will die AfD halt politisch schlagen und dann darf man solche Sätze aber eben auch nicht sagen.“

Nathusius warb für Differenziertheit, die in der Debatte um die sogenannte Brandmauer gefehlt habe: „In der AfD gibt es Leute, die konservativ sind, und dann gibt es da Leute, die komplett geschichtsrevisionistisch sind. Doch genau diesen Unterschied hat die Brandmauer nicht gemacht.“ Wer erwachsene Menschen elf Jahre lang wie Unmündige behandelt, der bekomme eben keinen Denkzettel mehr, sondern den kompletten Bruch.

„Die CDU, die muss vor allem eine Sache neu lernen, und das ist ein einziges Wort, nämlich Verantwortung“, sagte sie. In den „Brandmauerjahren“, wie sie es formulierte, sei man beliebige Koalitionen eingegangen. Im Ergebnis sei ihr im Umfeld gespiegelt worden, dass der Eindruck entstanden sei, dass sich politisch nichts ändern würde.

„Aber Verantwortung heißt doch, dass wir das, was wir versprochen haben, auch liefern wollen. Und wenn wir das in einer Koalition, die potenziell möglich wäre, nicht erreichen können, dann gehen wir eben auch nicht in sie hinein.“ Das gelte sowohl für Koalitionen mit der AfD, als auch der Linkspartei und der SPD.

Nathusius leitete bis zum Februar 2026 die Kommunikationsabteilung von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Mittlerweile ist sie neben ihrem politischen Amt in der Jungen Union auch als politische Influencerin erfolgreich. Alleine auf Instagram folgen ihr knapp 100.000 Menschen.

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