Der österreichische Militärexperte Markus Reisner wertet den russischen Drohnenangriff auf einen Personenzug nahe der polnischen Grenze als gezielte Botschaft an die westlichen Unterstützer der Ukraine. „Russland nimmt hier auf der Eskalationsleiter die nächste Sprosse, um zu zeigen: Wir geben nicht nach. Nicht einen Millimeter“, sagte Reisner im Gespräch mit ntv. Der Angriff zeige, dass Moskau in der Lage sei, Ziele bis unmittelbar an die Nato-Grenze heran zu treffen. „Der Kreml sendet hier ein Signal an die westlichen Verbündeten der Ukraine: Im Fall des Falles wäre Russland in der Lage und willens, auch offizielle Delegationen auf ukrainischem Boden anzugreifen. Die russische Angriffsfähigkeit reicht bis zur Grenze nach Polen.“

Der Angriff ereignete sich am Sonntagmorgen, kurz nachdem ein weiterer Zug mit europäischen Politikern den Bahnhof verlassen hatte. Medienberichten zufolge hielten sich dort unter anderem der frühere schwedische Ministerpräsident Carl Bildt, der ehemalige britische Premierminister Boris Johnson sowie der ehemalige CIA-Chef David Petraeus auf.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow habe parallel zu diesem Angriff nochmals darauf hingewiesen, dass für den Kreml die Präsenz europäischer Soldaten in der Ukraine ein Kriegsgrund ist, betonte der Oberst des Generalstabs im Österreichischen Bundesheer Reisner. „Beide Ereignisse hängen aus meiner Sicht zusammen.“ Die Botschaft des Kreml laute: „Wir können euch jederzeit treffen.“

Die russische Armee könne ihre Drohnen dank Relaisstationen im Grenzgebiet zwischen Belarus und Polen so nah an die polnische Grenze steuern. Die dafür eingesetzten Drohnen könnten aktuell nur wenig Sprengstoff tragen. „Sobald Russland in großen Mengen jetgetriebene Drohnen einsetzen wird, die derzeit vor allem nach der Produktion ins Lager kommen, wird sich spätestens im Winter die Bedrohungslage nochmal verschärfen“, erwartet Reisner.

Rutte: Angriff zeigt, „wie verzweifelt Putin inzwischen ist“

Auch politisch löste der Vorfall vom Wochenende scharfe Reaktionen aus. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte, Russland wolle „ganz offensichtlich westlichen Ländern Angst davor machen, die Ukraine zu unterstützen“. Nato-Generalsekretär Mark Rutte erklärte, Moskau werde nicht erreichen, „dass die Unterstützung der Nato-Länder für die Ukraine aufhört“. Der Angriff zeige vielmehr, „wie verzweifelt Putin inzwischen ist“.

Bundeskanzler Friedrich Merz rief die Unterstützerstaaten der Ukraine zu Standhaftigkeit auf. „Höchstwahrscheinlich liegen die entscheidenden Momente, vielleicht Wochen oder Monate vor uns“, sagte er. Ein russischer Erfolg hätte „unvorhersehbare und beispiellose Folgen“ für Europa.

Moskau verteidigte die Angriffe auf Bahnstrecken im Westen der Ukraine und erklärte, diese würden für Waffenlieferungen aus Europa genutzt. Kremlsprecher Dmitri Peskow betonte zudem, Ziele nahe der polnischen Grenze lägen weiterhin auf ukrainischem Staatsgebiet.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke