Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit großem Abstand gewonnen. Die Partei um Spitzenkandidat Ulrich Siegmund kommt in der ARD-Hochrechnung von 18:56 Uhr auf 44,4 Prozent. Beim ZDF kommt die Partei in der Hochrechnung von 19:01 Uhr auf 44,3 Prozent. Die AfD kann damit ihr Ergebnis von der letzten Landtagswahl verdoppeln (2021: 20,8 Prozent).

Alles zur Landtagswahl lesen Sie in unserem Liveticker.

Es ist zudem das beste Ergebnis, das die Partei je bei einer Landtagswahl erzielt hat. Die bisherige Bestmarke hatte sie 2024 in Thüringen mit 32,8 Prozent aufgestellt.

Die AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla (r.), in der Mitte Spitzenkandidat Ulrich Siegmund

Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze halbiert ihr Ergebnis von der letzten Landtagswahl und kommt auf 18,4 Prozent (ARD, ZDF: 18,5 Prozent) – 2021 hatte sie noch 37,1 Prozent geholt. Mit dem nun eingefahrenen Ergebnis unterbietet die CDU noch einmal das historisch schlechteste Wahlergebnis der Partei bei einer Landtagswahl in diesem Bundesland. 1998 kam die CDU dort auf 22,0 Prozent.

Sven Schulze zeigte sich auf der CDU-Wahlparty sichtlich betroffen

Die Linke verliert gegenüber der letzten Wahl leicht und kommt bei der ARD auf 9,3 Prozent, im ZDF auf 9,2 Prozent (2021: 11,0 Prozent). Die SPD kommt in der ARD auf 8,4 Prozent, im ZDF auf 8,7 Prozent (2021: 8,4 Prozent). Das BSW muss um den Einzug in den Landtag zittern, kommt auf 5,0 Prozent (ZDF: 4,8 Prozent).

Die Grünen kommen auf 8,7 Prozent (ARD und ZDF). Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis für ihre Partei. Die Zahlen seien ​für die Grünen „toll, aber auch besorgniserregend“.

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sagte in der ARD: „Wir haben das geschafft, was wir schaffen wollten. Wir haben in diesem Land Geschichte geschrieben. Es kann so nicht weitergehen. Wir brauchen eine politische Wende. Das Ergebnis spricht eine tolle Sprache.“

Schulze sagte auf der Wahlparty der CDU in Magdeburg sichtlich betroffen: „Ich hätte mir in jeder Hinsicht ein besseres Ergebnis gewünscht.“ Er gratulierte dem Wahlsieger AfD und fügte hinzu: „Wir werden als CDU mit dem Ergebnis umgehen müssen.“ Des Weiteren zeigte er sich abgekämpft: „So einen Wahlkampf, wie wir ihn hier erlebt haben, gab es vorher noch nicht.“

Nach der Prognose ist eine absolute Mehrheit für die AfD mit diesem Ergebnis möglich, aber nicht sicher. Für den Fall, dass sie diese verpasst, wäre sie auf einen koalitionswilligen Partner angewiesen, den es aktuell nicht gibt: Keine andere Partei will mit ihr zusammenarbeiten. Siegmund selbst hatte zuletzt bekräftigt, er stelle sich nur dann zur Wahl als Regierungschef, wenn seine Partei allein regieren könne und eine klare Mehrheit besitze.

Siegmund sagte in der ARD aber: „Was wir in der Politik brauchen, ist Vertrauen. Ich werde allen Kräften die Hand reichen, die einen Politikwechsel erreichen wollen.“ Es werde keine „Verbiegerei“ geben. Die Hand bleibe immer ausgestreckt bei den Themen, etwa Migration und innere Sicherheit.

Parteichefin Alice Weidel sprach im ZDF von einem „klaren Regierungsauftrag“. In welcher Form die AfD in Sachsen-Anhalt regieren werde – „durch eine Tolerierung oder durch eine Koalition, das wird sich einfach noch zeigen“.

Der Wunsch von CDU-Ministerpräsident Sven Schulze nach einer Mehrheit der Parteien der Mitte aus CDU, SPD und Grünen hat sich nach den Prognosen nicht erfüllt. Aber auch die bisherige Regierungskoalition aus CDU, SPD und FDP hätte keine Mehrheit mehr. Die FDP verpasst den Wiedereinzug.

Rekordbeteiligung schon am Nachmittag

Wie sehr diese Wahl das Land bewegt, zeigte sich an der Wahlbeteiligung: Laut ZDF lag sie bei 80 Prozent und damit deutlich über den 60,3 Prozent bei der letzten Landtagswahl 2021.

Um 16 Uhr hatten bereits 65,3 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben – eine Rekordbeteiligung. Zum selben Zeitpunkt vor fünf Jahren waren es gerade einmal 41,0 Prozent gewesen.

Die Wahl gilt weit über Sachsen-Anhalt hinaus als Test für die Bundesregierung. In zwei Wochen wählen die Bürger in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte sich am Vortag selbstkritisch gezeigt. „Ich gebe zu, angesichts der Umfrageergebnisse und der zu befürchtenden Wahlergebnisse hat das, was wir bisher getan haben, nicht ausgereicht“, sagte er bei einer Wahlkampfveranstaltung. Mit Blick auf die AfD sagte er: „Wir müssen die Auseinandersetzung mit dieser Partei besser führen.“

Der neue Landtag muss spätestens am 30. Tag nach der Wahl zusammentreten, also am 6. Oktober. Mit diesem Tag enden die Amtszeiten von Schulze und seinen Ministern; die Verfassung verpflichtet sie, die Geschäfte weiterzuführen, bis Nachfolger übernehmen. Eine Frist für die Wahl des Ministerpräsidenten gibt es nicht – wohl aber Fristen für weitere Wahlgänge, sollte der erste scheitern.

Alles zur Landtagswahl lesen Sie hier:

  • Alle Ergebnisse und Grafiken der Landtagswahl im Überblick
  • So falsch lagen die Umfrageinstitute bei der letzten Sachsen-Anhalt-Wahl
  • „Sachsen-Anhalt ist überall“: Kommentar von WELT-Kolumnist Harald Martenstein
  • Am Sonntag wählt Sachsen-Anhalt auch ein paar Medien ab: Don Alphonso zur Landtagswahl

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke