Robert Browdi ist Kommandeur der ukrainischen Drohnenteilstreitkräfte, seine Einheiten haben in den vergangenen Wochen Ölraffinerien und Warenlager tief im russischen Kerngebiet attackiert. Nun kündigt der ukrainische Major an, alle Lager des russischen Online-Händlers „Wildberries“ angreifen zu wollen. Bisher hätten seine Einheiten mithilfe von Langstreckendrohnen 24 Lager des „russischen Amazons“ getroffen. „Wir werden auch die restlichen Lager zerstören. Wildberries wird künftig nicht mehr in Russland arbeiten können“, sagte Browdi dem Berliner „Tagesspiegel“ im Interview.

„Wildberries“ betreibt in Russland dutzende Warenlager, neben Zentral- und Südrussland auch am Ural und in Sibirien. Medienberichten zufolge gehen bei dem Anbieter täglich bis zu 20 Millionen Bestellungen ein, über die Plattformen vertreiben auch kleine Händler ihre Waren.

Angriff auf ein „Wildberries“-Lager in Kotowsk

Browdi begründete die Angriffe auf den Online-Händler damit, dass dieser militärische Ausrüstung für russische Soldaten verkaufe. „Als Armeeversorger sind sie ein legitimes Ziel“, sagte Browdi. Die Angriffe seiner Einheiten im russischen Hinterland würden aber auch dazu führen, dass der russischen Bevölkerung „das Sicherheitsgefühl abhanden“ käme.

„Unsere Angriffe schränken den Komfort ein, genauso wie das Benzin an russischen Tankstellen. Menschen können nicht mehr ohne Konsum oder ohne ihr Auto“, sagte er. Dass die Menschen in Russland den Krieg stärker spüren als noch im Vorjahr, führe dazu, dass viele den Krieg hinterfragen würden.

Ukraine verhandelt mit Starlink über Ausweitung der Unterstützung für Angriffe

Zugleich intensivierte auch Russland zuletzt seine Luftangriffe auf ukrainische Infrastruktur und zivile Ziele. Dabei nutzt Moskau aus, dass der Ukraine momentan US-amerikanische Abwehrraketen vom Typ Patriot fehlen, um ballistische Raketen abzufangen. Browdi sagte zu dem Thema, die Abschussrampen für ballistische Raketen in Russland anzugreifen, sei technisch komplex. Dafür benötige die ukrainische Armee eine Internetverbindung bis nach Russland hinein.

„Wir versuchen, das US-amerikanische Unternehmen Starlink – ausschließlich zum Schutz unserer Zivilbevölkerung – davon zu überzeugen, uns in einem begrenzten Gebiet Russlands nahe der ukrainischen Grenze einen Internetzugang einzurichten. Doch bisher ohne Erfolg“, erklärte Browdi.

Im Gespräch mit dem „Tagesspiegel“ warnte Browdi Bundestag und Bundeswehr zudem davor, die anstehende Transformation in der Militärtechnik zu verschlafen. „Die Drohne wird zur Plage unseres Jahrtausends“, sagte Browdi der Berliner Tageszeitung.

Nicht nur Armeen, sondern auch Terroristen oder andere böswillige Akteure könnten Drohnen zur hybriden Kriegsführung oder für Anschläge einsetzen. Die Technik werde der Menschheit künftig „sehr viel Ärger“ bereiten, sagte der Major der ukrainischen Streitkräfte voraus.

Bundeswehr müsse Drohnentechnologie als Schlüsseltechnik akzeptieren

Deshalb plädierte er für eine bessere Integration von Drohnen sowie Abwehrmaßnahmen gegen die unbemannten Waffen in die Bundeswehr. „Im Bundestag muss das Bewusstsein einkehren, dass die Transformation der Bundeswehr durch Drohnen unvermeidbar ist“, sagte er.

Mehr noch: Drohnen könnten nicht an eine Armee „angeschlossen“ werden, sondern die gesamte Armee müsse sich auf die Drohnentechnologie einstellen. Der Militär argumentiert dabei aus eigener Erfahrung: Als er sich vor viereinhalb Jahren der ukrainischen Armee anschloss, habe er mit einer „einfachen Kalaschnikow“ gekämpft. „Die Drohne war vor viereinhalb Jahren irrelevant, jetzt ist sie die Hauptwaffe im Krieg und dominiert ihn.“

Browdi glaubt, die ukrainische Armee hätte 2022 den Einmarsch Russlands aufhalten können, hätte sie bereits über Langstreckendrohnen von heute verfügt.

Sie hätte „die Russen bereits in einer Entfernung von 150 Kilometern aufgespürt und ihre Zufahrtswege mit Drohnen vermint“. Browdi sagte, genauso könne ein etwaiger russischer Angriff auf das Baltikum mit Langstreckendrohnen besser abgewehrt werden.

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