Je weniger Parteien nach der Wahl am 6. September im Landtag von Magdeburg vertreten sein werden, desto wahrscheinlicher ist eine AfD-Alleinregierung. Sollten SPD oder Grüne an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, könnte schon ein Wahlergebnis von 42 Prozent für Ulrich Siegmund reichen, um erster AfD-Ministerpräsident zu werden.

Um das zu verhindern, hat der Berliner Verein Campact eine Kampagne zur Wahl der SPD und Grünen in Sachsen-Anhalt gestartet – verbunden mit dem Aufruf, strategisch zu wählen. Insgesamt investiert der Verein 620.000 Euro in Plakate, Flyer und Werbeanzeigen, die zur Verhinderung der AfD-Regierung aufrufen. Die laufenden Wahlkampagnen von SPD und Grünen bleiben davon unberührt.

SPD und Grüne meldeten am Freitag bei der Bundestagsverwaltung eine Parteispende durch Campact e.V. in Höhe von 310.000 Euro. Dabei handelt es sich laut Campact aber nicht um eine Geldspende, sondern um den Gegenwert der Sachleistungen, sagte eine Sprecherin auf WELT-Anfrage.

Davon sollen in Sachsen-Anhalt 13.000 Plakate aufgehängt und 700.000 Flyer an die dortigen Haushalte verteilt werden. Die Spendengelder stammen laut des Vereins aus dem im vergangenen Jahr aufgelegten „NoAfD-Fonds“ von Campact. Dafür spendeten mehr als 75.000 Menschen drei Millionen Euro.

„Wer in Sachsen-Anhalt wohnt und nicht von Rechtsextremen regiert werden will, sollte strategisch SPD oder Grüne wählen“, sagte Campact-Vorstand Felix Kolb. Eine Alleinregierung der AfD würde laut Kolb „unzählige Menschen gefährden, insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund, queere Menschen, Menschen mit Behinderung“.

AfD in Umfrage bei 43 Prozent – Grüne und SPD im Landtag

Zur Kampagne gab der Verein auch eine eigene Wahlumfrage beim Institut pollytix in Auftrag. Sie bestätigt den Trend vergangener Umfragen: Die AfD kommt in der am Mittwoch veröffentlichten Befragung auf 43 Prozent, die CDU auf 23 Prozent, die Linke auf 13 Prozent. Die SPD (7 Prozent) und die Grünen (5 Prozent) sehen die Meinungsforscher im Landtag, das BSW (4 Prozent) und die FDP (2 Prozent) nicht.

13 Prozent der Menschen mit Wahlabsicht sind laut Umfrage noch unentschlossen. Dem BSW räumt Compact nur geringe Chancen auf einen Wahleinzug ein und ruft nicht zu dessen Wahl auf. BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hatte angekündigt, dass sich ihre Partei bei einem Einzug ins Parlament in einem dritten Wahlgang der Ministerpräsidentenwahl enthalten werde. Damit könnte das BSW dem Spitzenkandidaten der AfD, Ulrich Siegmund, zum Erfolg verhelfen.

Für die Umfrage befragte das Institut pollytix vom 3. bis zum 8. August 2504 Menschen in Sachsen-Anhalt telefonisch und online.

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