Der Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin rückt die Gefahr des islamistischen Terrorismus hierzulande erneut in den Fokus. Vor eineinhalb Wochen ermordete ein Anhänger der Terrororganisation „Islamischer Staat“ eine Frau und verletzte viele weitere Menschen. Das Thema öffentliche Sicherheit ist deshalb auch im Deutschlandtrend, den Infratest Dimap im Auftrag von ARD-„Tagesthemen“ und WELT erhebt, einer der Schwerpunkte. Demnach ist jeder dritte Bundesbürger „immer“, „häufig“ oder zumindest „manchmal“ in Sorge, Opfer eines Terroranschlags zu werden.

Vor allem befürchten die Deutschen demnach „Übergriffe“ und „Anschläge“ durch Islamisten: 31 Prozent erklären diese Gefahr für „sehr groß“, 38 Prozent für „eher groß“ – zusammen sind das mehr als zwei Drittel der Bevölkerung. Danach folgt mit 56 Prozent die Gefahr rechtsextremer Terrortaten – und bei 50 Prozent steht eine entsprechende Bedrohung durch das linksextreme Spektrum. Im Vergleich zum Ende der 2010er-Jahre wird das islamistische und linksextreme Gefährdungspotenzial deutlich größer eingeschätzt (je plus neun Prozentpunkte), das rechtsextreme hingegen deutlich geringer (minus 15 Punkte).

Nach Parteianhängern betrachtet, stellt islamistischer Terror für die Unterstützer von Union und AfD mit Abstand die größte Anschlagsgefahr dar: 77 beziehungsweise 89 Prozent äußern sich entsprechend. Anhänger von SPD, Grünen und Linkspartei hingegen befürchten vor allem Rechtsterror (68, 66 und 79 Prozent). Sehr gering ist die Sorge davor hingegen bei Unterstützern der AfD (31 Prozent), während die Anhänger der drei linken Parteien sich wenig besorgt über Linksterrorismus äußern (SPD: 34 Prozent, Grüne: 23, Linke: 21).

Welche Ängste haben die Deutschen außerdem in Sachen Sicherheit, wenn sie sich im öffentlichen Raum bewegen? 51 Prozent haben „immer“, „häufig“ oder „manchmal“ die Sorge, dass ihnen „etwas gestohlen wird“; 49 Prozent, dass sie „beleidigt oder angepöbelt werden“; und 35 Prozent, dass sie „geschlagen oder verletzt“ werden. 24 Prozent befürchten, „sexuell bedrängt“ zu werden – wobei die Werte nach Geschlecht betrachtet stark auseinandergehen: 39 Prozent der befragten Frauen äußern sich entsprechend, aber nur acht Prozent der Männer.

Mit Blick auf illegale Migration wünscht sich eine große Mehrheit von 71 Prozent, dass Deutschland seine Grenzkontrollen über den September hinaus verlängert. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte nach illegalen Grenzübertritten von Zehntausenden Marokkanern zur spanischen Exklave Ceuta, dass „die Möglichkeit der Binnengrenzkontrollen über den September hinaus“ verlängert werde. In der Migrationspolitik setzt eine Mehrheit von 59 Prozent auf eine „europäische Lösung“, während 33 Prozent „nationale Lösungen“ bevorzugen. Die Einrichtung von Abschiebezentren in Nicht-EU-Staaten findet bei 49 Prozent der Befragten Anklang – 38 Prozent halten sie für einen Schritt in die „falsche Richtung“.

Wenig Vertrauen in Kompetenz des neuen Kabinetts

Allgemein wünscht sich eine Mehrheit von 55 Prozent einen „grundlegenden Wandel“ angesichts der „aktuellen Verhältnisse“ hierzulande, während 37 Prozent „einige Kurskorrekturen“ für ausreichend erklären. Gerade mal vier Prozent hoffen darauf, dass die Verhältnisse „so bleiben“, wie sie sind. Mehrheitlich sind Unterstützer der beiden Bundestagsparteien von den politischen Rändern für tiefgreifende Veränderungen – 86 Prozent der AfD- und 71 Prozent der Linke-Anhänger äußern sich entsprechend. Bei den Unterstützern der Regierungsparteien CDU/CSU und SPD sowie den oppositionellen Grünen überwiegt klar der Wunsch nach Kursjustierungen (58, 68 und 53 Prozent).

Wenig Hoffnung bei alldem setzen die Deutschen offenbar auf die jüngst von Kanzler Friedrich Merz (CDU) umgebildete Bundesregierung. Mit Blick auf die neue Kanzleramtschefin Nina Warken sowie die neuen Kabinettsmitglieder Carsten Linnemann (Gesundheit) und Steffen Bilger (Verkehr) – alle drei gehören der CDU an – gibt eine Mehrheit von 57 Prozent an: Die Regierung werde durch den Personalumbau „genauso schlecht“ arbeiten wie zuvor.

Je zwölf Prozent rechnen damit, dass die Regierung „besser“ oder „genauso gut“ agieren werde, elf Prozent glauben, sie werde das „schlechter“ als bisher tun. Nur Unionsanhänger geben mehrheitlich an, die Regierungsarbeit werde nun „besser“ und „genauso gut“ sein; bei Unterstützern der anderen Bundestagsparteien überwiegt klar Skepsis.

Die aktuelle Regierungsarbeit wird im Vergleich zum Vormonat fast unverändert schlecht bewertet: 85 Prozent der Bürger sind damit „weniger“ oder „gar nicht“ zufrieden (minus ein Punkt), „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“ äußern sich unverändert 13 Prozent.

In der Sonntagsfrage steigt die AfD im Vergleich zu Juli um einen Punkt auf einen neuen Höchstwert im Deutschlandtrend: 28 Prozent. Die Union hingegen verliert einen Punkt und landet mit 21 Prozent bei ihrem niedrigsten Wert seit November 2021. SPD (zwölf Prozent), Grüne (15) und Linke (elf) bleiben bei ihren Vormonatswerten.

Ebenfalls fragten die Demoskopen ab, welchen Umgang der anderen Parteien mit der AfD sich die Deutschen wünschen. Dabei zeigt sich, dass sich die Meinungslage leicht verschiebt: 37 Prozent der Befragten finden, die anderen Parteien sollten eine „Zusammenarbeit ausschließen“, das sind vier Punkte weniger als noch im Juni. 32 Prozent (plus ein Punkt) finden, man sollte über eine Kooperation „von Fall zu Fall entscheiden“. Und 27 Prozent finden, die anderen Parteien sollten eine „Zusammenarbeit suchen“, ein Anstieg von drei Punkten.

Am stärksten ist die Ablehnung einer Zusammenarbeit unter Grünen- und Linke-Anhängern ausgeprägt (77 beziehungsweise 74 Prozent). Auch SPD-Unterstützer lehnen eine solche mehrheitlich ab (61 Prozent). Unter Unionsanhängern ist das Bild ein deutlich anderes: 44 Prozent lehnen eine Kooperation mit der AfD ab – was dem Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU entspricht. Doch 48 Prozent finden, man könne darüber je nach Fall entscheiden.

Zur Methodik: Für den repräsentativen Deutschlandtrend hat Infratest Dimap vom 3. bis 5. August 1297 wahlberechtigte Bürger in 773 Telefon- und 524 Online-Interviews befragt. Die Fehlertoleranz liegt zwischen zwei und drei Prozentpunkten.

Johannes Wiedemann ist Leitender Redakteur Politik Deutschland.

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