Nach der Kritik an seinen Auftritten bei der CDU-Wahlkampftour in Sachsen-Anhalt hat Komiker Dieter Hallervorden die AfD kritisiert und sich erneut von der Bundes-CDU abgegrenzt. Sein berufliches und privates Engagement sei nie von „Häme, Hass oder Hetze“ geprägt gewesen, sagte Hallervorden im Podcast „Sachsen-Anhalt aktuell“ der „Mitteldeutschen Zeitung“ und der „Volksstimme“.

Er habe in seiner Heimat Dessau ein „tolles Füreinander-Dasein, Solidarität, dieses Bewusstsein, dass man Schwächeren helfen muss“ mitgenommen. „Das ist auch der Grund, warum ich die AfD-Kräfte ein bisschen verachte. Weil sie unsere Gesellschaft spalten, Menschen gegeneinander aufhetzen und das Vertrauen in unsere Demokratie einfach untergraben.“

Das Erstarken der AfD in den Umfragen sei auch der Grund gewesen, sich für den CDU-Spitzenkandidaten und amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze zu engagieren. Die Aussicht, die AfD könne mehr als 40 Prozent erreichen, habe ihn zusammen mit anderen Prominenten dazu gebracht, eine „Wahlempfehlung“ für CDU, SPD, Grüne, FDP und andere Parteien herauszugeben. Dadurch solle eine absolute Mehrheit für die AfD verhindert werden.

Der einzige, der eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt verhindern könne, sei Schulze: „Es ist doch klar, dass ich für die CDU bundesweit nicht Reklame machen würde“, sagte Hallervorden. Er mache Werbung für Schulze „als Menschen“. Er glaube, er sei als „sehr, sehr fleißiger Ministerpräsident“ jemand, der „das Ohr am Puls der Zeit“ habe: „Meine Wahl gilt dem Mann und nicht der Partei“, sagte Hallervorden.

Sein umstrittener Wahlkampf-Auftritt in Magdeburg zusammen mit Schulze, bei dem Hallervorden die Rüstungspolitik der Bundesregierung sowie Bundeskanzler Friedrich Merz kritisiert hatte, habe auf großes Interesse beim Publikum gestoßen: „Ich mache meinen Schnabel auf, so wie er mir gewachsen ist, und spreche einfach Klartext.“ Er habe seine Meinung auch in „heiklen politischen Fragen“ schon immer frei vertreten: „Die Situation brennt. Es besteht die Möglichkeit, dass eine nicht-demokratische Partei, in Teilen rechtsextrem, die Regierungsverwaltung übernimmt.“

Hallervorden hatte in Magdeburg ein kritisches Lied gesungen. „Als Kind sah ich das Leid, das werd‘ ich nie vergessen, nun find‘ ich’s angemessen, an Sie, Herr Merz, zu appellieren: Was immer Sie tun können, beenden Sie das Rüsten, denn was Sie wissen müssen: Ein Schuss ist schon zu viel“, heißt es im Song. „Herr Pistorius, Herr Merz, wenn ihr glaubt, dass Krieg sich lohnt, kämpft doch da, wo keiner wohnt: Kämpft gefälligst auf dem Mond!“

Außerdem hatte Hallervorden die CDU-Bühne für politische Aussagen zum Gaza-Konflikt genutzt: „Und nenne ich euch Täter, gelt’ ich schnell als Verräter. Und früher oder später gehört man dann zum Feind.“ Während er dies sang, wurde unter anderem ein Video von einer pro-palästinensischen Demonstration eingeblendet, auf der der Schriftzug „Stoppt den Völkermord in Gaza“ zu lesen war. Für diese Äußerungen und seinen Auftritt erntete er parteiübergreifend Kritik.

Im Podcast betonte Hallervorden, er mache sich für die künstlerische Freiheit und freie Meinungsäußerung stark. Die AfD fordere von der Kunst „ideologische Eindeutigkeit und politische Pflichtbekenntnisse“. Kunst und Kultur müssten aber ein „unbequemer Mahner“ sein, meinte er. Dies könnten sie unter AfD-Bedingungen nicht mehr leisten: „Kunst ist dazu da, zu provozieren und zu irritieren.“

Hallervorden erklärte weiter: „Wer nicht für Freiheit eintritt, der wird irgendwie zum Duckmäuser einer liberalen Demokratie, weil er durch sein Schweigen ja hilft, diese Demokratie auszuhöhlen.“ Die AfD sei eine Partei, welche „behinderte Kinder, die mit dem Rollstuhl zur Schule kommen, in Sonderklassen verfrachten und aus allen Schulgemeinschaften herausfiltern“ wolle.

Hallervorden sprach sich klar für Migration aus: „Wir können froh sein, dass wir viele Immigranten haben, die hier im Land schon seit Jahren gute Dienste leisten, gerade auch in Krankenhäusern als Ärzte und Pflegekräfte.“ Bei einem Wahlsieg der AfD würde man all das „verlieren, und wir würden später ärmlicher dastehen als jetzt“, argumentierte er.

Er selbst werde auch im Fall eines Wahlsiegs der AfD sein Bundesland nicht verlassen: „Ich werde da bleiben und werde aktiv weiterkämpfen für Freiheit.“

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