„Zeugt von russischer Rücksichtslosigkeit“ – Merz verurteilt Einschlag in Polen
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die russischen Raketenangriffe auf die Ukraine und den Einschlag eines mutmaßlich russischen Flugobjekts in Polen verurteilt. „Viele Zivilisten mussten wieder ihr Leben lassen“, schrieb Merz in einem Beitrag auf X am Donnerstag über die Todesopfer in der Ukraine. „Und der Einschlag in Polen zeugt auch von russischer Rücksichtslosigkeit und Eskalationsbereitschaft. Wir stehen unverbrüchlich an der Seite unserer Partner.“
In den polnischen Luftraum war nach Armeeangaben in der Nacht ein unbekanntes Flugobjekt eingedrungen. Es soll sich laut polnischen Angaben um einen russischen Marschflugkörper handeln.
Später wurde die Absturzstelle des Objekts in der Nähe des Dorfes Tarnawa-Kolonia in der Woiwodschaft Lublin gefunden. Russland hatte die Ukraine in der Nacht mit einem massiven Angriff überzogen – auch die ukrainische Stadt Lwiw, die nahe der Grenze zu Polen liegt, war Ziel der Attacken. Tarnawa-Kolonia liegt etwa 95 Kilometer hinter der Grenze zur Ukraine.
Ein Kampfjet vom Typ F-16 sei zur Identifizierung des Flugobjekts aufgestiegen. Das Flugobjekt sei danach wieder vom Radar verschwunden. Die Besatzung eines Hubschraubers habe später den Absturzort identifiziert. Videos auf X zeigen die Einschlagsstelle. Bewohner der benachbarten Dörfer sprachen von einer lauten Explosion. „Die Fenster wären fast zersprungen“, sagte ein Anwohner gegenüber „Lublin112“.
Auch in einer Mitteilung der Polizei von Lublin war von einer „lauten Explosion“ die Rede. Polizeipatrouillen wurden an den Ort des Geschehens entsendet. Dort hätten sie einen Krater und verstreute Trümmerteile eines unidentifizierten Objekts vorgefunden. Das Innenministerium teilte mit, dass der Krater einen Durchmesser von etwa zehn Metern habe. Die Einsatzstelle wurde gesichert.
Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz sprach von einer „außerordentlich schweren Nacht für unsere Luftverteidigung, Überwachungs- und Abwehrsysteme“. Derzeit werde an der Absturzstelle geklärt, um welche Art von Flugobjekt es sich handele.
Bei dem Flugobjekt handelt es sich dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk zufolge offenbar um eine russische Rakete. „Alles deutet darauf hin, dass es sich um einen russischen Marschflugkörper vom Typ CH-101 handelt, aber wir wollen den Ergebnissen einer genauen Untersuchung nicht vorgreifen“, sagte er in Lublin. Er betonte, die polnische Armee sei bereit gewesen, das Objekt abzuschießen. „Es handelt sich um einen schwerwiegenden Vorfall. Glücklicherweise liegen keine Berichte über Verluste oder Opfer vor.“ Auch die Führung in Kiew sah die Verantwortung für den Vorfall bei Russland.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilte den Einschlag als inakzeptable Verletzung des Luftraums der Europäischen Union. Um dem ein Ende zu setzen, helfe die EU der Ukraine auf jede erdenkliche Weise, diesen Krieg zu gewinnen, schrieb von der Leyen auf X. Zudem baue die EU eine robuste europäische Sicherheitsarchitektur an Land, auf See und in der Luft auf.
Mindestens acht Tote in der Ukraine
Die russischen Streitkräfte hatten nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau in der Nacht Ziele in der gesamten Ukraine angegriffen. Darunter seien die Städte Kiew, Lwiw und Dnipropetrowsk, teilte das Ministerium auf Telegram mit.
Städte bis im weit von der Grenze entfernten Westen des Landes seien mit Dutzenden Raketen und Marschflugkörpern sowie Hunderten Drohnen attackiert worden, berichteten ukrainische Medien am Morgen. Es gebe mindestens acht Tote und mehr als ein Dutzend Verletzte.
In der Stadt Krywyj Rih wurde nach einem Bericht des „Kyiv Independent“ das Wohnhaus einer Großfamilie von einer Rakete getroffen. Allein dort habe es sechs Tote gegeben, darunter zwei Kinder im Alter von 5 und 12 Jahren, sowie acht Verletzte. Aus der Hauptstadt Kiew und dem Gebiet Poltawa wurden zwei weitere Todesopfer gemeldet.
Ein zerstörtes Auto ist nach einem Raketeneinschlag in Kiew zu sehenRettungskräfte in LwiwIn zwei großen Wohnblöcken in Lwiw nahe der polnischen Grenze seien nach Raketentreffern Brände ausgebrochen, hieß es in den Berichten. Auch in Kiew seien mehrere Gebäude getroffen worden, allerdings wohl von herabstürzenden Trümmern. Reporter sprachen von mehreren Explosionswellen im Laufe der Nacht.
Überraschend kam die neuerliche Angriffswelle nicht: Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Mittwoch vor einem unmittelbar bevorstehenden schweren Angriff Russlands aus der Luft gewarnt. Erst vor wenigen Tagen hätten die Angreifer die Ukraine attackiert, „und die Wahrscheinlichkeit ist hoch“, dass ein solcher Schlag auch heute Nacht ausgeführt werde, schrieb Selenskyj in sozialen Netzwerken. Er berief sich dabei auf einen Lagebericht des ukrainischen Luftwaffenchefs.
Die ukrainischen Streitkräfte beklagen, dass ihnen Flugabwehrraketen fehlten, um feindliche Geschosse vom Himmel holen zu können – insbesondere ballistische Raketen, die aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit besonders schwierig abzuwehren sind. In seiner Warnung rief Selenskyj die westlichen Partner daher erneut dazu auf, der Ukraine zu helfen. Das betreffe speziell die USA und andere Länder, die über moderne Patriot-Systeme verfügten.
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