Der mutmaßliche CSD-Attentäter Abdul Ballout ist tot. Bei dem Angriff am Samstag war eine 65-jährige Frau aus Polen getötet worden. 31 Menschen wurden teils schwer verletzt. Die Ermittler gehen von einem islamistischen Terroranschlag aus.

+++ Der Liveticker ist beendet +++

Der Grünen-Innenpolitiker Konstantin von Notz kritisiert Pläne von Innenminister Dobrindt (CSU) zur Verschärfung des Strafrechts. In der Vergangenheit sei bereits die Erfahrung gemacht worden, „dass schwerste Straftaten auch von Menschen, die eine Fußfessel trugen, begangen worden sind“, sagte von Notz der „Rheinischen Post“ vom Mittwoch. Es liege „leider ein Stück weit in der Natur der Sache, dass sich Gefährder, die andere Menschen umbringen wollen und anschließend oftmals den Freitod wählen, nicht durch die Verpflichtung des Tragens einer Fußfessel davon abbringen lassen“, sagte der Grünen-Fraktionsvize weiter.

Mit Blick auf Dobrindts Vorschläge zur Änderung des Jugendstrafrechts forderte von Notz Klarheit darüber, ob den Gerichten und Staatsanwaltschaften in Bezug auf das Attentat auf den Christopher Street Day in Berlin „überhaupt alle relevanten Einschätzungen zur Gefährlichkeit des späteren Täters“ vorgelegen hätten.

„Ansonsten nehmen wir zur Kenntnis, dass praktisch alle hierzu bisher gefragten Expertinnen und Experten unisono darauf hinweisen, dass lange Haftstrafen, gerade bei Heranwachsenden, auch durchaus sicherheitspolitisch kontraproduktive Wirkungen haben und ohnehin bestehende Radikalisierungen auch weiter beschleunigen können“, fügte von Notz hinzu. Dobrindt will unter anderem das Jugendstrafrecht verschärfen und das Tragen von elektronischen Fußfesseln bei Gefährdern vorschreiben.

Konstantin von Notz (Grüne)

Die Polizei sucht im Berliner Tiergarten nach einer mutmaßlichen Tatwaffe und Hinweisen auf einen möglichen zweiten Täter. Dafür sind die Beamten mit rund 20 Mannschaftswagen angerückt. Die Polizisten gehen nach Angaben eines WELT-Reporters in kleinen Gruppen durch den Tiergarten. Einige von ihnen haben Suchstöcke dabei, um Äste oder Laub besser zur Seite schieben zu können.

Polizeigruppen laufen durch den Tiergarten Berlin und suchen nach der Tatwaffe

Familienministerin Karin Prien stellt den Ländern mehr Geld für Angebote gegen Radikalisierung in Aussicht. Konkret geht es um fünf Millionen Euro aus dem Förderprogramm „Demokratie leben!“, die bisher nicht dafür vorgesehen waren. „Ich könnte mir sehr gut vorstellen, diesen Betrag einzusetzen“, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.

Prien betonte mit Blick auf den CSD-Anschlag: „Für mich ist dieser erschütternde Anschlag Anlass, um die Ausrichtung von „Demokratie leben!“ bei der Extremismusprävention nachzuschärfen und dabei das Thema Deradikalisierung in den Fokus zu nehmen.“ Dabei will sie sich mit den Ländern und mit Verbänden beraten, auch mit den muslimischen Gemeinschaften.

Deradikalisierungsprogramme zielen darauf, junge Leute mit intensiver Beratung von ihren radikalen Ansichten abzubringen. Die wissenschaftliche Begleitung zeige, dass solche Programme erfolgreich sein könnten, sagte Prien. Voraussetzung sei allerdings, dass die Betreffenden offen dafür seien. „Wenn junge Leute so stark radikalisiert sind wie dieser Täter, dann ist ein Deradikalisierungsprogramm mutmaßlich nicht die Methode der Wahl. Da geht es dann eher um Strafjustiz, Überwachung und Schutzmaßnahmen.“

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, fordert eine Verschärfung des Strafrechts. „Seit Langem setze ich mich dafür ein, dass etwa Sympathiebekundungen für Terrororganisationen wieder strafbar sind, so wie es bereits bis 2002 der Fall war“, sagte Klein dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

„Dieser Anschlag war ein Angriff auf unsere demokratische Grundordnung und unsere vielfältige, freiheitliche und offene Gesellschaft“, sagte Klein. „Wir dürfen nicht zulassen, dass von islamistischen Gefährdern eine tödliche Bedrohung für Minderheiten in unserem Land ausgeht. Zu diesen Minderheiten gehören auch Jüdinnen und Juden.“

Nach Informationen der dpa soll es am Mittwoch um 10 Uhr eine Sondersitzung des Innenausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus geben. Dazu liegen Anträge aller im Abgeordnetenhaus vertretenen Fraktionen vor. Im Mittelpunkt werde dabei die Frage stehen, ob die Berliner Sicherheitsbehörden den mutmaßlichen Attentäter Abdul Ballout unterschätzt haben, sagte Vasilli Franco (Grüne) der Berliner Morgenpost. Nach Angaben der Zeitung sollen sich ein Mitarbeiter des Landeskriminalamts, die Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel, die Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und ein Vertreter von Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) den Fragen der Abgeordneten stellen.

An einem provisorischen Gedenkort nahe dem Tatort des Anschlags auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) hat die Polizei eine Sachbeschädigung festgestellt. Ein Zeuge habe am Dienstag im Berliner Tiergarten am Ahornsteig eine zerstörte Vase und ein mutmaßlich angezündetes Herz aus Pappe gemeldet, teilte die Polizei mit. Ein WELT-Reporter vor Ort konnte das beschädigte Herz ausfindig machen. Der polizeiliche Staatsschutz ermittelt.

Das beschädigte Schild im Tiergarten

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat sich nach dem islamistisch motivierten Terroranschlag in Berlin für ein Mahnmal für die Opfer ausgesprochen. „Wir sollten überlegen, ob wir am Tatort im Tiergarten einen Gedenkort für die Opfer des Anschlags auf den CSD schaffen“, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

„Darüber möchte ich aber zunächst mit den Betroffenen und dem CSD-Verein sprechen. Denn über einen Gedenkort im Tiergarten und eine mögliche Gestaltung eines solchen Mahnmals müssen wir gemeinsam entscheiden“, sagte Wegner. „Und dafür sollten wir uns auch noch Zeit lassen. Im Vordergrund stehen jetzt die Ermittlungen und die Aufklärung der Tat, auch die Betreuung der Betroffenen.“

Der Attentäter Abdul Ballout soll zwei Cousins gehabt haben, die Kämpfer der Terrorgruppe Islamischer Staat waren. Das berichtet die „Zeit“ unter Berufung auf Unterlagen der libanesischen Sicherheitsbehörden. Demnach soll Ballout bei seinem Versuch, vom Libanon nach Syrien zu reisen, gegenüber IS-Vertretern behauptet haben, von seinen Cousins empfohlen worden zu sein. Das gehe aus einem Bericht hervor, den die libanesischen Ermittler mit dem BND geteilt haben sollen. Dabei handle es sich um „den in Reihen des IS gestorbenen Libanesen Abu Bilal und den zurzeit im Irak in Haft sitzenden Muhammad“, wie die Zeitung aus dem Bericht zitiert.

Die libanesischen Ermittlungen bestätigten die Verbindung. Die beiden seien demnach Söhne einer Schwester von Abdul Ballouts Vater. Diese sei mit Omar Bakri Fustuq verheiratet, einem international bekannten Dschihadisten. Ob Abdul Ballout seine Cousins persönlich kannte, ist unklar.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) kritisiert die Reaktion von Islamverbänden auf den Anschlag am Rande des Berliner CSD scharf. „Es muss schon klar sein, dass es sich um einen schwulenfeindlichen, queerfeindlichen Anschlag handelt“, sagte er in Stuttgart und bezog sich dabei nach eigenen Worten auf eine Stellungnahme der muslimischen Dachverbände. „Wenn man das Wort vermeidet, hat man ein Problem offensichtlich.“ Wenn man die Erklärung der islamischen Dachverbände lese, werde einem das Motiv des Täters nicht klar. Die Dachverbände erwähnten außerdem nicht, dass sich der Täter auf seine Religion bezogen habe, kritisierte Özdemir. Auch das gehe nicht. „Das Thema des Islamismus muss einfach erwähnt werden“, sagte der Regierungschef. „So kann man sich nicht äußern dazu.“ Man mache es sich zu einfach, wenn man sage, man habe damit nichts zu tun. Özdemir forderte die muslimischen Dachverbände energisch auf, sich mit dem Thema Homophobie auseinanderzusetzen.

Cem Özdemir

Alexander Dobrindt wird auf einer Pressekonferenz gefragt, ob in der Gartenlaube, in der sich der Attentäter versteckte, eine zweite Person aufgehalten habe. Das könne er nicht bestätigen.

Die Polizei hatte einen iranischen Verdächtigen zunächst festgenommen, dann aber wieder freigelassen, weil sich ein Verdacht gegen ihn offenbar nicht erhärtete. Laut einem Medienbericht ist der Iraner seit zwei Jahren ausreisepflichtig. Dazu sagt Dobrindt: „Aktuell werden keine Abschiebungen in den Iran durchgeführt. Das war in der Vergangenheit aber nicht immer so.“ Es sei nun Teil der Aufarbeitung, zu schauen, warum die Person noch in Deutschland ist.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat nach dem Anschlag eine obligatorische elektronische Fußfessel für islamistische Gefährder gefordert. „Es muss darauf reagiert werden, dass ein Gefährder auf Bewährung rauskommt“, sagte Dobrindt. Die Fußfessel müsse ein „obligatorisches Mittel“ werden und auch präventiv angeordnet werden können. Derzeit seien die rechtlichen Möglichkeiten in den Bundesländern sehr unterschiedlich. Sein Ziel seien bundesweit einheitliche Regelungen. Absolute Sicherheit gebe es zwar nicht, das Risiko weiterer Taten könne damit aber verringert werden.

Zugleich bestätigte Dobrindt, dass Ermittler auf dem im Tatfahrzeug gefundenen Handy ein mögliches Bekennervideo entdeckt haben. Darauf sei eine vermummte Person zu sehen, man gehe davon aus, dass es der mutmaßliche Attentäter Abdul Ballout sei. Die Auswertung sei noch nicht abgeschlossen. Auch auf Datenträgern aus Ballouts Wohnung seien Bezüge zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ gefunden worden.

Ermittler haben auf dem Handy des mutmaßlichen CSD-Attentäters Abdul Ballout ein Bekennervideo gefunden. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Bild“. Das Video beinhalte unter anderem einen Treueschwur auf die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Nach Informationen des „Spiegel“ ist der Mann auf dem Video verhüllt, es soll sich aber mutmaßlich um Abdul Ballout handeln.

Die „Bild“ hatte unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, das Handy sei in dem Tatfahrzeug gefunden worden. Das Video sei am Tag des Anschlags aufgenommen worden. Warum Ballout das Handy in dem gemieteten Transporter zurückließ, ist unklar. In dem Wagen sollen die Beamten laut „Bild“ außerdem die Scheide einer Machete gefunden haben. Die dazugehörige Klinge wurde bislang nicht entdeckt.

Wegner dankt den Einsatzkräften für ihre Arbeit. Der Tatverdächtige sei sehr schnell gefasst worden, das sei eine gute Nachricht. Die weiteren Ermittlungen sollen nun ergeben, ob es Unterstützer oder Mitwisser gab.

Die Gedanken seien bei den Opfern, sagt Wegner. Bei dem Todesopfer und den nun 31 Verletzten.

Berlin sei eine sichere Stadt, betont Wegner. „Wir sollten uns nicht spalten lassen.“ Es gebe deutlich mehr Menschen, die für die freiheitlich-demokratische Lebensweise einträten. „Es ist eine Minderheit, die diese Lebensweise ablehnt.“

Die große Frage sei: Warum gab es für Abdul Ballout nur eine Bewährungsstrafe? Wenn alle Fragen geklärt seien, müsse man die richtigen Schlüsse ziehen, damit so etwas nicht noch einmal passiere, sagt Wegner. „Wir müssen darüber sprechen, wie wir künftig mit Gefährdern bundesweit umgehen.“ Es werde nicht möglich sein, Gefährder 24 Stunden am Tag zu überwachen. „Wir werden nicht darum herumkommen, eine Fußfessel für Gefährder mindestens zu diskutieren. Wir werden auch beim Datenschutz zu einer rechtlichen Anpassung kommen müssen.“

Der Berliner Senat habe sich zum zweiten Mal mit dem islamistischen Terroranschlag beschäftigt, sagt der Regierende Bürgermeister Wegner. Der Generalbundesanwalt habe die Ermittlungen übernommen, dieser setze auf eine restriktive Kommunikation, solange die Ermittlungen laufen. Was es nicht brauche, seien Spekulationen, die durch die Medien gingen und die nicht immer hilfreich seien. Es gebe eine große Unsicherheit.

Im Roten Rathaus hält der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) nach einer Senatssitzung eine Pressekonferenz ab.

Der CDU-Spitzenkandidat für die Berlin-Wahl, Stefan Evers, fordert nach dem Anschlag ein Verbot bestimmter Moscheevereine. „Wir müssen dafür sorgen, dass Moscheevereine, in denen Verfassungsfeindlichkeit gepredigt wird, verboten werden. Wir müssen die Mittel des Vereinsrechts ausschöpfen“, sagte Evers in der Sendung „Frühstart“ von RTL und ntv. Islamismus bedrohe wie auch jede andere Form des Extremismus „unsere Freiheit“.

Der Sprecher des Kinder- und Jugendhilfswerks Arche, Wolfgang Büscher, warnt nach dem CSD-Anschlag vor einer weitverbreiteten Radikalisierung junger Menschen. „Wir müssen einfach nur in die Jugendclubs der Städte gehen, in die Brennpunkte. Dort treffen wir auf unzählige junge Menschen, die radikalisiert sind“, sagte Büscher im Interview mit WELT TV. Jugendliche bestärkten sich gegenseitig und konsumierten täglich Inhalte radikaler Prediger auf TikTok. Die Arche müsse deshalb Schutzräume schaffen und teilweise eine nahezu individuelle Betreuung leisten. Büscher sagte, das Problem reiche über jene hinaus, die selbst Gewalttaten begingen: „Und ich kann nur warnen, es sind auch mehr als die Radikalen, die das Ganze auch in die Tat umsetzen. Aber die, die diese Radikalen unterstützen, das sind 80, 90 Prozent aller jungen Männer, die zu uns gekommen sind.“

Nach dem islamistischen Anschlag auf den CSD warnt „Arche“-Sprecher Wolfgang Büscher vor der Radikalisierung ganzer Bevölkerungsgruppen: „Sie wollen ein anderes Land, sie wollen keine Demokratie. Wir sehen einer ungewissen Zukunft entgegen.“

Der mutmaßliche CSD-Attentäter Abdul Ballout soll bereits während seiner Untersuchungshaft versucht haben, Mitgefangene religiös zu beeinflussen. Wie die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf interne Justizunterlagen berichtet, habe der damals 21-Jährige regelmäßig gebetet, andere Inhaftierte zum Gebet aufgefordert und gezielt Kontakt zu Gleichgesinnten gesucht. In einer Gefährdungsbewertung heißt es demnach, Ballout habe versucht, „die Rolle eines Vorbeters und Missionars einzunehmen“.

Die Gefängnisleitung ließ Ballout laut dem Bericht bereits im Dezember von anderen Häftlingen trennen. Ab Januar 2026 sei sein Erscheinungsbild „stark salafistisch geprägt“ gewesen. Die Untersuchungshaft habe „keine erkennbare Abkehr von der extremistischen Haltung bewirkt“. Seit Februar soll Ballout dennoch erneut Kontakt zu Mitgefangenen gehabt haben.

Auch nach seiner Entlassung soll Ballout Verbindung zu früheren Mithäftlingen gehalten und sich als „Mentor beziehungsweise religiöser Führer“ inszeniert haben. Am 19. Juni habe er vor der Jugendstrafanstalt in Berlin mit Insassen telefoniert und mit ihnen gebetet, berichtet die „Bild“. Im Mai war der deutsche 21-Jährige mit libanesischen Wurzeln von einem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Tiergarten zu 22 Monaten Jugendstrafe verurteilt – unter anderem wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Die SPD im Düsseldorfer Landtag fragt nach möglichen Verbindungen des mutmaßlichen Attentäters nach Nordrhein-Westfalen. In einer Kleinen Anfrage an die Landesregierung wollen die Sozialdemokraten unter anderem wissen, ob der Tatverdächtige Kontakt zu Islamisten in NRW hatte. SPD-Fraktionsvizechefin Lisa Kapteinat sagte: „Aktuell gibt es keine konkreten Hinweise auf eine Verbindung des Tatverdächtigen nach NRW. Die öffentlich bekannten Umstände der Radikalisierung des Berliner Attentäters weisen aber zumindest Parallelen zum Solinger Attentäter auf.“ Das sei ein ausreichender Anlass, um mögliche Kontakte, Aufenthalte oder digitale Verbindungen nach Nordrhein-Westfalen aufzuklären.

Die Vorsitzende der Justizministerkonferenz, Anna Gallina, reagiert auf Vorschläge zu Rechtsverschärfungen. „Nach diesem schrecklichen islamistischen Anschlag muss aus meiner Sicht eine intensive Aufarbeitung an erster Stelle stehen, bevor wir rechtspolitische Schlüsse daraus ziehen“, sagte Gallina, die auch Hamburgs Justizsenatorin (Grüne) ist, den Funke Medien. „Schnelle Forderungen sehen zwar markant aus, werden aber ohne intensive vorherige Analyse der Lage nicht gerecht.“

Nach dem tödlichen Terroranschlag wächst die Sorge vor weiteren Angriffen auf Veranstaltungen in Deutschland. Laut Informationen von „Bild“ prüfen Sicherheitsbehörden zusätzliche Maßnahmen – eine Absage des Hamburger CSD steht jedoch nicht zur Debatte. Der CSD in Hamburg soll am kommenden Samstag wie geplant stattfinden. Für die erwarteten rund 250.000 Teilnehmer werden die Sicherheitsvorkehrungen ausgeweitet, die Zahl der Einsatzkräfte wird erhöht. Ein Polizeisprecher sagte: „Ob vor, während oder nach der Demo, wir werden für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr präsent und ansprechbar sein.“

Der im Zusammenhang mit dem Terroranschlag auf den Berliner Christopher Street Day zwischenzeitlich festgenommene Taymaz S. ist laut Informationen der „Bild“ wieder auf freiem Fuß. Nach bisherigen Ermittlungen hätten sich keine ausreichenden Hinweise ergeben, dass der Iraner an der Tat beteiligt gewesen sei. Nach Angaben der „Bild“ ist Taymaz S. bereits seit dem 22. August 2024 vollziehbar ausreisepflichtig. Mehr lesen Sie hier.

Nach dem Terroranschlag haben Menschen im Nordwesten ein Zeichen gegen Hass und Gewalt gesetzt. Hunderte Teilnehmer kamen in Bremen und Hannover zu den abendlichen Mahnwachen, wie die Polizei bestätigte. „Es ist eine Gelegenheit für Menschen, ihre Trauer zu bekunden und zu verarbeiten“, sagte Robert Dadanski, Vorstandsmitglied des Bremer CSD. Auf den Bremer Marktplatz kamen etwa 550 Menschen, mehrere Reden waren geplant. Die Stadt Hannover lud zu einer Mahnwache auf den Platz der Weltausstellung ein, dort fanden sich laut Polizei rund 500 Menschen ein. Schon am Wochenende erinnerten zahlreiche Menschen im Nordwesten an die Opfer des Anschlags, etwa in Hannover, Braunschweig, Göttingen und Oldenburg.

Eine Stunde vor dem Anschlag wurde der mutmaßliche Attentäter Abdul Ballout offenbar von einer Kamera des LKA Berlin gefilmt. Darüber berichten die „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR in einer gemeinsamen Recherche. Sicherheitsbehörden hatten die Kamera demnach heimlich vor seinem Hauseingang installiert. Diese filmte, als der 21-Jährige um 20:58 Uhr das Haus verließ.

Den Recherchen zufolge wurde Ballout wenige Wochen vor dem Attentat auf den Berliner CSD von einem BKA-Analysetool als „Hochrisikoperson“ eingestuft. Mehrfach sei im Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ), wo Behörden aus Bund und Ländern zusammenkommen, über seinen Fall gesprochen worden. Noch in der ersten Maihälfte habe es dem Bericht zufolge eine kurzfristig einberufene GTAZ-Sitzung gegeben.

Dort sollen die Fachleute der Sicherheitsbehörden zu dem Schluss gekommen sein, dass ein erhebliches Risiko bestehe, dass Abdul Ballout erneut ausreisen oder einen Anschlag begehen könnte. Trotzdem kam er auf freien Fuß. Das LKA begann danach, den mutmaßlichen Islamisten engmaschig zu überwachen. So seien sein Handy und seine Social-Media-Aktivitäten überwacht worden und Observationsteams folgten dem Extremisten regelmäßig, schildert es der Bericht. Die Aufnahmen der Kamera vor seinem Haus wurden demnach jeweils nach 24 Stunden ausgewertet.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat als ​Reaktion auf den islamistischen Anschlag in Berlin ⁠ein Drei-Punkte-Sicherheitspaket für den Umgang mit Gefährdern angekündigt. „Bewegungseinschränkung durch die Fußfessel muss zum Standard gegenüber Gefährdern werden“, sagte Dobrindt ⁠der „Bild“-Zeitung. ​Zudem ‌will der Innenminister bundesweit einheitliche Regeln zur Präventivhaft. „Es braucht in ganz Deutschland anwendbare Präventivhaftregeln, um Gefährder aus dem Verkehr zu ziehen“, erklärte er. Als dritten ‌Punkt nannte Dobrindt ⁠eine Reform ​des Jugendstrafrechts. „Die Anwendung von Jugendstrafrecht bei ⁠erwachsenen Gefährdern ist inakzeptabel.“

Bereits zuvor hatten Kanzler Friedrich Merz und Unionspolitiker Gesetzesänderungen ‌erwogen, ⁠die in ‌eine ​ähnliche Richtung ⁠gehen.

In der Debatte über mögliche Folgen nach dem Anschlag in Berlin warnt der rheinland-pfälzische Justizminister Helmut Martin vor übereilten Forderungen. „Für rechtspolitische Schlussfolgerungen ist der Zeitpunkt noch verfrüht“, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. „Erst wenn alle relevanten Umstände bekannt sind, kann entschieden werden, ob und wo gegebenenfalls strafrechtlicher Anpassungsbedarf besteht.“ Die Einstufung als „Gefährder“ sei nicht dem Strafrecht, sondern dem Gefahrenabwehrrecht zuzuordnen. „Sie erfolgt aufgrund einer polizeilichen Prognoseentscheidung“, erläuterte der Jurist. „Eine Verschärfung des (Jugend-)Strafrechts kann sich allenfalls auf die Verwirklichung bestehender Straftatbestände oder etwaige Vorverurteilungen beziehen, nicht auf die polizeiliche Einstufung einer Person als ‚Gefährder‘.“

„Wir sprechen der Familie und den Angehörigen unser aufrichtiges Beileid aus“, schreibt der Sprecher des Außenministeriums auf X. Der polnische Konsul in Berlin stehe in Kontakt mit den deutschen Behörden und werde der Familie die notwendige konsularische Unterstützung zukommen lassen.

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