Sea-Watch nimmt Migranten im Mittelmeer auf – Frontex-Video sorgt für Aufsehen
Ein Video der EU-Grenzschutzbehörde Frontex zu einer Rettungsaktion der Gruppe Sea-Watch im Mittelmeer sorgt für Aufsehen und wirft die Frage auf, wie es um Verbindungen zwischen Mitarbeitern von Hilfsorganisationen und Schleusern von Migranten steht.
WELT liegt das Video der Grenzschutzbehörde Frontex vor, das eine Rettungsaktion am 11. Mai zeigt. Zuerst hatte die französische Tageszeitung „Le Figaro“ darüber berichtet. „Stehen humanitäre Helfer in Verbindung mit Schleusern, die Migranten über das Mittelmeer bringen?“, fragte die Zeitung.
Es ist zu sehen, wie Schlauchboote von Sea-Watch zu einem Boot fahren und Menschen mit Schwimmwesten geordnet das Schnellboot verlassen. Laut „Le Figaro“ wurden etwa 90 Migranten, größtenteils aus Bangladesch, von fünf Schleusern an die Sea-Watch-Besatzung übergeben. Die Schleuser sollen bewaffnet gewesen sein. Auf dem Video ist zu erkennen, dass sie zudem Sturmhauben trugen. Laut „Bild“ wartete die Sea-Watch 55 Seemeilen nördlich von Tripolis (Libyen) auf das Schleuserboot.
Menschen mit Schwimmwesten wechseln das BootIn dem Video ist auch zu sehen, wie die Schleuser nach der Übergabe der Migranten winken und den Daumen nach oben halten. Ein Sprecher der europäischen Grenzschutzbehörde Frontex sagte laut „Bild“: „Ich kann bestätigen, dass ein Flugzeug von Frontex am 11. Mai in dem Gebiet im Einsatz war, was mit dem übereinstimmt, was wir bereits zuvor öffentlich erklärt haben.“
Vier Tage später, am 15. Mai, lief das Seenotrettungsschiff Sea-Watch 5 mit 166 Migranten an Bord den Hafen von Brindisi in Süditalien an. WELT berichtete damals, dass die italienische Justiz gegen den Kapitän ermittle. Ihm werde „Beihilfe zur unerlaubten Einreise“ vorgeworfen, erklärte die Hilfsorganisation im Mai.
Eine Sprecherin des Vereins Sea-Watch wies gegenüber der „Bild“-Zeitung Vorwürfe einer Zusammenarbeit mit Schleusern zurück: „Die veröffentlichten Aufnahmen zeigen lediglich einen selektiven Ausschnitt.“ Das Rettungsteam habe ein doppelstöckiges Boot mit 90 Personen an Bord vorgefunden. Zwei Personen seien bewusstlos, mehrere stark geschwächt gewesen. „Es besteht weder ein Verhältnis noch irgendeine Form der Kommunikation oder Verabredung. Unser Rettungsteam war außerdem mit vermummten Männern konfrontiert.“
AfD-Chefin Alice Weidel kommentierte das Video im Online-Portal X mit den Worten: Ein Frontex-Video bestätige offenkundig den Verdacht, dass Seenotretter „Hand in Hand“ mit kriminellen Banden Migranten nach Europa schleusten. „Eine AfD-Regierung wird den NGO-Schleusern das Handwerk legen!“
Der Verein konterte: „Ein Video ‚bestätigt offenkundig‘ = die stärkste Beweisform seit dem Bauchgefühl. Seenotrettung ist völkerrechtliche Pflicht. Aber wer hat Zeit für Völkerrecht, wenn die eigene Partei kurz vor dem Verbotsverfahren steht?“
Sea-Watch wirft der Bundesregierung und der EU vor, mithilfe von Frontex seit Jahren libysche Akteure politisch, finanziell und operativ zu unterstützen, „obwohl deren Gewalt gegen Schutzsuchende dokumentiert ist“. Die Sea-Watch 5 wurde demnach am 26. September 2025 und am 11. Mai dieses Jahres mehrfach bedroht, bedrängt und beschossen. Im Mai hätten libysche Milizen zudem gedroht, das Schiff zu entern und die Besatzung sowie das Schiff nach Libyen zu entführen, so Sea-Watch.
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