„Vorsätzliche Fahrlässigkeit“ – Trump droht Kanada wegen Waldbrandrauch mit Zöllen
US-Präsident Donald Trump hat Kanada für die durch Waldbrände verursachte Luftverschmutzung verantwortlich gemacht und mit Konsequenzen gedroht. Die den USA entstehenden Kosten müssten „zwangsläufig“ den bestehenden Zöllen auf kanadische Importe hinzugerechnet werden, teilte er auf seiner Plattform Truth Social mit. Er werde Premierminister Mark Carney anrufen, um zu erfahren, was dieser gegen die Luftverschmutzung tue.
Rauch von Bränden im Nachbarland Kanada werde inzwischen „zu einem jährlichen Ereignis“, beklagte der US-Präsident. Das Land würde seine Wälder und das darin befindliche Buschwerk nicht ordnungsgemäß pflegen, so der Vorwurf. „Die Kosten sind unermesslich!“, kritisiert Trump. „Kanada weigert sich, grundlegende Maßnahmen zur Waldbewirtschaftung und Abfallbeseitigung durchzuführen, wohl wissend, dass diese Weigerung genau zu diesem Ergebnis führen wird. Dies ist vorsätzliche Fahrlässigkeit, die sich jährlich wiederholt und die Vereinigten Staaten Milliarden von Dollar kostet.“
Auch der Himmel in Chicago wird vom Rauch bedecktDie Rauchschwaden stammen vor allem von Dutzenden Waldbränden in der kanadischen Provinz Ontario und dem nördlichen US-Bundesstaat Minnesota. Der gesundheitsgefährdende Rauch hatte in den vergangenen Tagen US-Millionenstädte wie Chicago und Detroit erreicht.
Am Freitag gaben die Behörden auch in Washington eine Warnung wegen sehr hoher Feinstaubbelastung aus. „Die Luft ist extrem dick, man kann die Skyline kaum erkennen“, sagte die Kalifornierin Carissa Sadlier, die die US-Hauptstadt besuchte. „Ich wünschte, ich hätte eine Maske“, fügte die 57-jährige Lehrerin hinzu.
Auch in New York hatte zuvor Smog die Sicht vernebelt. Die Sicht etwa auf die Skyline war erheblich beeinträchtigt, zudem lag ein Brandgeruch in der Luft. Die Stadtverwaltung warnte, es könne sich um die schlimmste Rauchbelastung seit 2023 handeln, als der Himmel über New York sich wegen Waldbränden in Kanada orange gefärbt hatte und der Index für Luftqualität auf das gefährliche Niveau von 465 gestiegen war.
Rauch aus Kanada auch in WashingtonTrump warf Kanada vor, seine Wälder und darin befindliches Gestrüpp nicht richtig zu pflegen, wodurch die Brände erst möglich würden. Ihm zufolge werden die USA „unnötigerweise mit dreckiger, verschmutzter und ungesunder Luft belastet, deren Qualität gefährlich und völlig inakzeptabel ist!“ Wissenschaftliche Erkenntnisse führen Waldbrände in Nordamerika jedoch primär auf den Klimawandel zurück.
Der Premierminister von Ontario, Doug Ford, hatte zuvor mitgeteilt, statt herumzuquasseln und sich zu beschweren, sollten Politiker lieber Hilfe schicken. „Denn genau das haben wir auch für unsere amerikanischen Freunde getan.“
Die Trump-Regierung hat Einfuhrzölle gegen kanadische Waren eingeführt. Der Oberste Gerichtshof der USA hat aber viele dieser Zölle als verfassungswidrig eingestuft.
WM-Finale: Organisatoren beobachten Waldbrand-Rauch genau
Trump erwähnte nicht das Fußball-WM-Finale am kommenden Sonntag im US-Bundesstaat New Jersey. Der Norden New Jerseys, wo Argentinien und Spanien gegeneinander antreten, hat die Auswirkungen der Waldbrände in Kanada zu spüren bekommen. Es ist unklar, wie stark sich der Rauch auf das Fußballspiel auswirken wird. Die WM-Organisatoren beobachteten die Lage genau, sagte der WM-Verantwortliche im Weißen Haus, Andrew Giuliani.
Giuliani sagte, er werde mit Fifa-Präsident Gianni Infantino diskutieren, wie mit dem Finalspiel umzugehen sei. Trump wurde am Freitag ebenfalls in New York erwartet, wo er im Trump-Tower an einem Fifa-Empfang teilnahm. Trump will sich das Finale zwischen Spanien und Argentinien am Sonntag im MetLife-Stadion in New Jersey persönlich anschauen. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez wird ebenfalls erwartet.
Der Meteorologe Peter Mullinax vom US-Wetterdienst NWS warnte, dass sich der Rauch bis Samstagmorgen verdichten könnte. „Was wir voraussichtlich sehen werden, ist eine Rückkehr nordwestlicher Winde über die Großen Seen, und die werden einen Teil dieses Rauchs aufnehmen und über den Nordosten hinwegtreiben“, sagte Mullinax.
In East Rutherford westlich von Manhattan gaben die Behörden die Luftqualität am Freitag mit „ungesund“ an – das war eine Verbesserung gegenüber dem „sehr ungesund“ vom Donnerstag. Einige New Yorker Meteorologen gehen davon aus, dass der Rauch bis Sonntag abgezogen sein könnte. Anpfiff ist um 15 Uhr Ortszeit (21 Uhr MESZ).
In den vergangenen Tagen hatte sich die Waldbrandsituation in der kanadischen Provinz Ontario verschärft, die Metropole Toronto meldete die schlechteste Luftqualität weltweit. Zuletzt waren nach Angaben des Katastrophenschutzes noch mehr als 200 Brände außer Kontrolle.
Bislang gingen fast 2,8 Millionen Hektar in Flammen auf. Die Brände fielen mit einer Hitzewelle zusammen, die sich vom Westen der USA bis an die Ostküste und nach Kanada ausdehnte.
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