„Wer die DDR-Hymne singen will, soll es tun“ – Wagenknecht kritisiert Skandalisierung
BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hält die Debatte um das Singen der DDR-Hymne auf einer AfD-Veranstaltung für völlig überzogen. „Wer die DDR-Hymne singen möchte, soll sie singen. Hier wird wieder ein Skandal herbeigeredet, wo keiner ist“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. „Die Ostdeutschen sollten sich die Erinnerung an ihre Hymne nicht nehmen lassen.“
Die DDR-Hymne war am Dienstag auf einer Wahlveranstaltung der AfD in Sachsen-Anhalt erklungen – angestimmt vom Kabarettisten Uwe Steimle. Auch AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla und der sachsen-anhaltische Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sangen auf der Veranstaltung in Dessau-Roßlau zumindest Teile der Hymne mit. Im Anschluss daran wurde auch noch die Hymne der Bundesrepublik gesungen.
Kritiker sprechen von Verharmlosung der DDR
Der Vorfall sorgte für Kritik. Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke kritisierte eine „Verharmlosung der DDR“. Für die Menschen, die zu Opfern des Systems wurden, sei eine solche Geschichtsvergessenheit unerträglich. Sachsen-Anhalts Aufarbeitungsbeauftragter Johannes Beleites sprach von einer Geringschätzung der Menschen, die für Freiheit und Demokratie ihr Leben riskiert oder lange Haftstrafen in Kauf genommen haben.
„Dass immer mehr Menschen angesichts des heutigen Medien- und Meinungsklimas an DDR-Zustände zurückdenken müssen, ist der eigentliche Skandal – nicht, dass Menschen eine Hymne singen“, sagte dagegen Wagenknecht. Die Zerstrittenheit der AfD in dieser Frage zeige, dass ihr Ostprofil kaum glaubwürdig sei. „Mit der Simson auf Schlangenlinie“, fügte sie mit Blick auf die Instrumentalisierung des DDR-Mopeds durch die AfD hinzu.
Am Wochenende kommt Parteichefin Alice Weidel zum AfD-Wahlkampfauftakt nach Magdeburg. Gleichzeitig gibt es Aktionen, die sich gegen die AfD wenden – der Verein Campact etwa hat vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern mehr als 2,5 Millionen Euro gesammelt, um mit einem sogenannten „NoAfD-Fonds“ lokale Initiativen und Vereine sowie Kampagnen gegen die AfD zu unterstützen.
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