CDU und AfD verlieren an Zustimmung – mehrere Merz-Minister fallen auf Tiefstwerte
Dem neuen ZDF-Politbarometer zufolge verzeichnen sowohl die Union als auch die AfD Verluste. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die CDU/CSU nur noch auf 24 Prozent (minus 1), ihr schlechtester Wert seit vier Jahren. Auch die AfD würde einen Punkt verlieren, aber mit 26 Prozent (minus 1) nach wie vor vorn liegen.
Die SPD verharrt in ihrem Rekordtief von 12 Prozent; die Grünen können sich mit 15 Prozent (plus 2) verbessern und bleiben auf Platz drei. Die Linke könnte mit 12 Prozent (plus 1) rechnen und die FDP mit 3 Prozent (unverändert).
Alle anderen Parteien bekämen zusammen 8 Prozent (minus 1), darunter keine Partei, die mindestens drei Prozent erreichen würde. Mit diesem Ergebnis hätte Schwarz-Rot keine Mehrheit.
Die Umfragewerte im Überblick:
- AfD: 26 Prozent (-1)
- Union: 24 Prozent (-1)
- Grüne: 15 Prozent (+2)
- SPD: 12 Prozent (=)
- Linke: 12 Prozent (+1)
- FDP: 3 Prozent (=)
- Sonstige: 8 Prozent (-1)
Beim Ranking der beliebtesten Politiker erreicht die Hälfte der Abgefragten Tiefstwerte. Gefragt wurde nach Sympathie und Leistung („Was halten Sie von?“).
Verteidigungsminister Boris Pistorius liegt nach wie vor auf dem ersten Platz – allerdings mit dem für ihn bislang schlechtesten Wert. Er wird auf der Skala von +5 bis -5 mit einem Durchschnittswert von 1,3 (Vergleichswert von Anfang Mai: 1,8) beurteilt, auf Platz zwei folgt Cem Özdemir mit 1,0 (zuvor 1,0). Es folgen Johann Wadephul mit seinem bisher schlechtesten Wert von 0,1 (zuvor 0,4) und Heidi Reichinnek, die sich mit minus 0,2 (zuvor minus 0,8) deutlich verbessert und drei Plätze nach vorn rückt.
Danach kommen Lars Klingbeil, mit einem persönlichen Tiefstwert von minus 0,7 (zuvor minus 0,2), Bärbel Bas mit minus 0,7 (zuvor minus 0,7) und Markus Söder mit minus 1,0 (zuvor minus 0,6). Friedrich Merz fällt auf seine bisher schlechteste Bewertung von minus 1,7 (zuvor minus 1,3), genauso wie Katherina Reiche, ebenfalls mit minus 1,7 (zuvor minus 1,5). Schlusslicht bleibt Alice Weidel mit minus 2,6 (zuvor minus 2,2).
Die Top 10 im Überblick:
- Boris Pistorius: 1,3 (zuvor 1,8)
- Cem Özdemir: 1,0 (zuvor 1,0)
- Johann Wadephul: 0,1 (zuvor 0,4)
- Heidi Reichinnek: -0,2 (zuvor -0,8)
- Lars Klingbeil: -0,7 (zuvor -0,2)
- Bärbel Bas: -0,7 (zuvor -0,7)
- Markus Söder: -1,0 (zuvor -0,6)
- Friedrich Merz: -1,7 (zuvor -1,3)
- Katherina Reiche: -1,7 (zuvor -1,5)
- Alice Weidel: -2,6 (zuvor -2,2)
Deutliche Mehrheit hält Reformen für notwendig
Angesichts großer Probleme in vielen Bereichen wie bei Rente, Arbeitsmarkt oder Gesundheit halten mit 89 Prozent die weitaus meisten Befragten grundlegende Reformen in Deutschland für wichtig, auch wenn diese zu finanziellen Belastungen und Einschnitten führen (nicht wichtig: 9 Prozent, Rest: „weiß nicht“).
Gleichzeitig gibt es aber erhebliche Zweifel an der Reformbereitschaft in Deutschland: Nur 23 Prozent gehen davon aus, dass die Bereitschaft für solche Reformen groß ist. Drei Viertel (75 Prozent) glauben nicht, dass hierfür alles in allem eine hohe Bereitschaft vorhanden ist. Persönlich würden drei Prozent der Befragten für grundlegende Reformen sehr große und 29 Prozent große Belastungen in Kauf nehmen. Weitere 43 Prozent wären zu nicht so großen und 23 Prozent zu keinen Belastungen bereit.
Die Bundesregierung hat angekündigt, bis zum Sommer Reformen bei Steuern, Arbeitsmarkt und Rente vorzulegen. Dass dies so kommen wird, meinen jedoch nur 24 Prozent der Befragten, 75 Prozent und Mehrheiten in allen Parteianhängergruppen glauben das nicht.
Zudem bleibt die Unzufriedenheit mit der Regierung und dem Kanzler auf Rekordniveau: Für 71 Prozent der Befragten leistet die schwarz-rote Koalition eher schlechte, nur für 25 Prozent eher gute Arbeit, darunter mehrheitlich lediglich die Anhänger der CDU/CSU. Mit der Arbeit von Friedrich Merz sind 26 Prozent der Deutschen eher zufrieden, für 71 Prozent macht er einen eher schlechten Job.
Im Herbst stehen erneut Landtagswahlen an. Wenn die AfD in einem der ostdeutschen Bundesländer dann den Ministerpräsidenten stellen würde, fänden das rund zwei Drittel (67 Prozent) der Befragten und Mehrheiten in allen Parteianhängergruppen, außer der der AfD, schlecht. 20 Prozent, darunter 88 Prozent der AfD-Anhänger, fänden einen Ministerpräsidenten der AfD gut und 11 Prozent aller Befragten wäre das egal.
Würde die AfD in einem ostdeutschen Bundesland die Regierung stellen, wären die Auswirkungen für Deutschland insgesamt nach Meinung von 65 Prozent eher negativ, für 16 Prozent wäre das eher positiv und nach Ansicht von 15 Prozent hätte das deutschlandweit keine großen Folgen. 72 Prozent der Deutschen sehen in der AfD eine Gefahr für die Demokratie, darunter 74 Prozent der Befragten im Westen und 61 Prozent der Befragten im Osten. Insgesamt gut ein Viertel (26 Prozent) sieht das nicht so.
China wird in der Wahrnehmung immer wichtiger
Bei der Frage, wer zukünftig die bestimmende Macht in der Welt sein wird, zeigt sich im Vergleich zu vor drei Jahren ein klarer Bedeutungszuwachs für China und ein ebensolcher Verlust für die USA. So lag im Februar 2023 für knapp die Hälfte der Befragten (47 Prozent) hier China vorne und für ein Drittel (33 Prozent) die USA; lediglich 8 Prozent nannten Europa und nur 1 Prozent Russland. Jetzt sehen 62 Prozent in China die künftig führende Weltmacht, nur noch 22 Prozent nennen hier die USA. Europa (7 Prozent) und Russland (2 Prozent) spielen nach Meinung der Deutschen hier weiter keine wesentliche Rolle.
Die Umfrage zum Politbarometer wurde von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 19. bis zum 21. Mai 2026 bei 1340 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch und online erhoben. Die Befragung ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich beträgt bei einem Anteilswert von 40 Prozent rund +/- drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von 10 Prozent rund +/-zwei Prozentpunkte.
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