„Zu doof für die Demokratie“ – ZDF-Moderatorin empört über AfD-Höhenflug
In ihrer aktuellen Folge von „Bosetti will reden!“ in der ZDF-Mediathek greift Sarah Bosetti die AfD Sachsen-Anhalt scharf an – und wählt dabei ungewöhnlich direkte Worte. Aufhänger ist die Forderung der Partei, die Schulpflicht abzuschaffen. „Aktuelle Umfragen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeigen, dass menschliches Handeln zu doof ist für die Demokratie“, sagt Bosetti in der Sendung.
Dabei stellt sie klar, dass sie nicht die Menschen, sondern deren Handlung kritisiere. „Die AfD zu wählen ist vieles – zum Beispiel moralisch so mittel. Aber es ist auch einfach dumm. Denn wenn man kein reicher, weißer Nazi ist – mit Betonung auf reich – tut man sich selbst keinen Gefallen damit.“
Bosetti analysiert in der Sendung die Sprache der AfD. Die Partei nenne die Schulpflicht bewusst „Schulzwang“ und rahme sie als staatliche Einmischung in die Erziehung. „Das kommt natürlich super an bei Leuten, die den Staat ablehnen“, sagt sie. Die Wortwahl suggeriere, dass Bildung eigentlich von Eltern an Kinder weitergegeben werden sollte – und der Staat sich ungebeten einmische.
Dabei weist sie auf eine praktische Schwierigkeit hin: „Wer Bildung weitergeben will, muss Bildung haben. Also, wie soll Tino Chrupalla mit seinen Kindern Gedichte analysieren, wenn ihm kein einziges einfällt?“
Zudem sei die Forderung rechtlich kaum umsetzbar. Die Schulpflicht stehe in der Landesverfassung Sachsen-Anhalts. Um sie abzuschaffen, brauche es eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament – die die AfD nach dieser Wahl nicht haben werde. „Dieses ganze Versprechen dient also nur dazu, dass die AfD gegen den bösen Staat wettern kann, den sie selbst vertritt“, sagt Bosetti.
Homeschooling und soziale Ungleichheit
Bosetti räumt ein, dass Homeschooling nicht grundsätzlich abzulehnen sei. „Es kann ja funktionieren. Es kann sogar sehr gute Ergebnisse bringen.“ Dennoch sehe sie erhebliche Risiken – vor allem für die soziale Gleichheit.
Studien zeigten, dass Kinder, die zu Hause unterrichtet werden, in Selbstwertgefühl und sozialen Kompetenzen durchaus gut abschneiden könnten. Allerdings fehle ihnen die frühe Erfahrung, Teil einer nicht selbstgewählten Gruppe zu sein – mit verschiedenen Meinungen, Lebensentwürfen und Kulturen. „Ich glaube, es gibt momentan kaum etwas, das wir dringender stärken sollten als unsere Gesellschaftsfähigkeit“, sagt Bosetti.
Hinzu komme, dass Homeschooling voraussetze, dass ein Elternteil zu Hause bleibe. „Wie willst du das sonst schaffen?“, fragt Bosetti – und sieht darin einen „verkappten Versuch, Frauen auf ihren rechtmäßigen Platz in Haus und Hof zu verdammen“.
Schulpflicht in Deutschland und international
In Deutschland ist die Schulpflicht gesetzlich geregelt und in einigen Bundesländern auch in der Landesverfassung verankert. Sie gilt in der Regel für neun bis zehn Schuljahre. Anders als in Deutschland ist Homeschooling in Ländern wie den USA, Großbritannien, Österreich oder der Schweiz unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt – teils mit staatlicher Kontrolle und Leistungsnachweisen, teils mit deutlich weniger Auflagen.
Bosetti verweist in der Sendung darauf, dass andere Länder trotz Homeschooling-Erlaubnis teils größere soziale Ungleichheiten aufwiesen. Der Unterschied liege nicht allein an der Schulpflicht, sondern auch an der Vermögensungleichheit: „Deutschland hat gar keine so große Einkommensungleichheit, sondern vor allem eine absurd große Vermögensungleichheit.“ Andere Länder hätten höhere Erbschaftssteuern oder weniger Steuerlücken. „Wenn es in Deutschland keine Schulpflicht mehr gäbe, würde sich die soziale Ungleichheit verschärfen“, sagt Bosetti.
AfD als Opfer – ein kalkulierter Schachzug
Bosetti wirft der AfD vor, die Situation bewusst zu konstruieren, um sich als Opfer inszenieren zu können. „Es ist naiv zu glauben, dass die AfD einfach sich bietende Gelegenheiten nutzen würde, um sich als Opfer zu inszenieren. Sie erschafft bewusst und mit voller Absicht Situationen, die diese Gelegenheiten hervorbringen.“ Das Versprechen der Schulpflichtabschaffung sei daher ein „fetter Breiklumpen“ – der Staat als Feindbild, die AfD als Retter, der von den anderen Parteien blockiert werde.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke