• Deutschland lagert bereits Lebensmittelreserven an geheimen Orten für Krisenfälle.
  • Künftig sollen zusätzlich Konserven und Fertiggerichte eingelagert werden.
  • Fachleute sehen darin eine längst überfällige Anpassung an moderne Krisen und Lieferketten.

An mehr als 150 geheimen Orten in ganz Deutschland werden tonnenweise Lebensmittel gelagert. Der Zweck? Sicherstellen, dass bei Engpässen die Bevölkerung zumindest eine warme Mahlzeit täglich bekommt. Zur Notfallreserve gehören neben Getreide auch Reis, Hülsenfrüchte und Kondensmilch.

Neue Lagerhallen für Lebensmittelreserven gesucht

Aktuell sucht das Bundeslandwirtschaftsministerium neue Lagerhallen: In Sachsen-Anhalt und Sachsen etwa sind Kapazitäten von bis zu 30.000 Tonnen Weizen ausgeschrieben.

Nun schlägt Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer ein zusätzliches Sicherheitsnetz vor: Neben den klassischen Reserven sollen künftig auch "sofort verfügbare Lebensmittel" einbezogen werden – also Konserven, die im Ernstfall sofort genutzt werden können, erläutert Ministeriumssprecherin Susanne Galle. Linseneintopf oder Dosenravioli zum Beispiel: "Das könnte Versorgungsengpässe, ausgelöst durch militärische Krisen, aber auch andere Schadensereignisse wie Natur- oder Umweltkatastrophen besser überbrücken. Schließlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Strom- und Energieversorgung fehlerfrei funktioniert und die Produkte dann quasi nicht zubereitet werden können."

Dafür, sagt Galle, sollen Lagerkapazitäten dort genutzt werden, wo die Lebensmittel ohnehin gebraucht werden: Im Einzelhandel etwa, eingelagert in Hallen an den Supermärkten.

Experten sehen Schwächen im bisherigen System

Risikoforscher Marcus Wiens von der TU Bergakademie Freiberg fordert schon länger eine solche Notfallreserve in Form von Konserven: "Die größte Schwachstelle des bisherigen Systems besteht eigentlich darin, dass es keine direkt verzehrbaren Güter sind. Die gesamten Weiterverarbeitungsprozesse, die ja unter Krisenbedingungen funktionieren müssen, sind hier nicht mitgedacht."

Das liege unter anderem daran, dass das System nach dem zweiten Weltkrieg aufgebaut worden sei: "Die Ernährungsnotfallvorsorge, wie sie heute besteht, ist nicht an die Komplexität heutiger Krisen und Lieferketten angepasst."

Jährliche Kosten von bis zu 80 Millionen Euro erwartet

Für das angedachte zusätzliche Sicherheitsnetz rechnet das Bundeslandwirtschaftsministerium mit Kosten von jährlich 70 bis 80 Millionen Euro. Das Geld soll aus dem Bundeshaushalt kommen.

Die Gefahr von Missbrauch oder Bereicherung sieht Risikoforscher Wiens nicht: "Der einzige missbrauchsanfällige Aspekt bei der Sache wäre, dass der Staat sich darauf verlassen können muss, dass diese nur für die Notfallversorgung gelagerten Güter auch wirklich garantiert verfügbar sind. Das kann man relativ einfach lösen, indem man dem Staat Einsicht gewährt. Über Monitoring, auf genau diesen Anteil des Lagers, der eben nur die Notfallreserve beinhaltet, aber es dem Staat eben auch ermöglicht, jederzeit Kontrollen durchzuführen.

Umsetzung der Pläne noch offen

Bereits jetzt werden die Reserven – Getreide, Reis, Hülsenfrüchte und Kondensmilch – regelmäßig durch das Bundeslandwirtschaftsministerium überprüft. Derzeit schauen sich Kontrolleure etwa alle vier bis sechs Wochen die eingelagerten Vorräte an.

Konserven müssten dann vor Ablauf der Haltbarkeit in den Verkauf gegeben und durch neue ersetzt werden. Offen ist derzeit, ob und wann die Pläne aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium für die neue Konservenlagerung umgesetzt werden.

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