Weniger Arzttermine laut Kassenärzten durch Sparpaket
Die Kassenärzte warnen wegen der geplanten Einsparungen im Gesundheitswesen im kommenden Jahr vor deutlich weniger Behandlungen in den Arztpraxen. Nach Berechnungen der Kassenärztlichen Vereinigungen wären bundesweit durch die geplanten Sparmaßnahmen rund 46 Millionen Behandlungsfälle nicht finanziert. „Bild“ hatte zuerst über ein entsprechendes Papier der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) berichtet.
Hausärzte und Allgemeinmediziner im Saarland, die bisher im Schnitt 1040 Patientinnen und Patienten pro Quartal behandelten, könnten demnach nur noch 900 Fälle behandeln. Bei Kinderärzten würde die Zahl der maximal versorgten Patienten rechnerisch von 1193 auf 1133 sinken.
Paket soll Anstieg der Krankenkassenbeiträge stoppen
Das Bundeskabinett hatte Ende April ein Sparpaket für das Gesundheitswesen auf den Weg gebracht, das noch durch Bundestag und Bundesrat muss. Es soll den stetigen Anstieg der Krankenkassenbeiträge stoppen, mit dem die steigenden Kosten im System immer wieder aufgefangen wurden. Die gesetzlichen Krankenkassen sollen mit dem Paket 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlastet werden. Das ist etwas mehr als das erwartete Defizit von 15,3 Milliarden Euro.
Geplant sind Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken und der Pharmabranche – aber auch höhere Zuzahlungen für Medikamente, höhere Beiträge für Gutverdiener und Einschränkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern. Bei Ärzten und Kliniken sollen Vergütungsanstiege begrenzt werden. Bei Praxen sollen mehrere Extra-Zahlungen wegfallen.
Die umstrittene Gesundheitsreform kann einer aktuellen Umfrage zufolge aus Sicht der Mehrheit der Menschen in Deutschland die Probleme nicht lösen. 80 Prozent denken nicht, dass die geplanten Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Finanzprobleme im Gesundheitswesen leisten werden, wie das am Freitag veröffentlichte ZDF-Politbarometer ergab. 15 Prozent der Befragten äußern sich aber optimistisch.
Dass die geplanten Belastungen eher gerecht zwischen den betroffenen Akteuren verteilt sind, meint nur eine Minderheit von 14 Prozent. 80 Prozent halten die Verteilung der Lasten für eher ungerecht.
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