Merz‘ Beliebtheitswerte rutschen auf Macron-Niveau
Friedrich Merz, Emmanuel Macron und Keir Starmer: Die Regierungschefs der sogenannten E3-Länder – Deutschland, Frankreich und Großbritannien – haben sich in den vergangenen Monaten immer wieder eng abgestimmt. Im Fokus standen der Umgang mit US-Präsident Donald Trump und der Iran-Krieg. Schließlich vertreten die drei Männer die wichtigsten Nato-Mitglieder in Europa und zugleich die drei größten Volkswirtschaften des Kontinents.
Außenpolitisch agieren Merz, Macron und Starmer auf Augenhöhe. Doch auch in Umfragen muss sich der Bundeskanzler inzwischen mit seinen Amtskollegen vergleichen lassen. Und der Vergleich fällt wenig schmeichelhaft für den Kanzler aus. Nach nur einem Jahr Kanzlerschaft sind seine Werte auf einem Niveau angekommen, auf dem auch Macron und Starmer liegen. Das zeigt eine international angelegte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, die WELT vorliegt.
Der YouGov-Umfrage zufolge haben nur 22 Prozent der Deutschen eine positive Meinung von Merz – vor einem Jahr zur Amtseinführung des CDU-Politikers war es immerhin noch jeder Dritte (33 Prozent). Gleichzeitig stieg die Zahl derjenigen, die eine negative Meinung über Merz haben, von 60 auf 74 Prozent. Ähnlich gering fällt die Zustimmung auch unter den Franzosen für Macron (23 Prozent positiv) und unter den Briten für Starmer (24 Prozent positiv) aus.
Auffällig ist, dass Macron und Starmer ihre Beliebtheitswerte zuletzt sogar leicht verbessern konnten. Anders als Merz hatten beide von Beginn an den US-Militäreinsatz gegen den Iran missbilligt. Starmer erlaubte die Nutzung britischer Militärstützpunkte sogar erst nach einigem Zögern. Merz hingegen bekannte bei einem Besuch in Washington Anfang März, dass Deutschland die Kriegsziele der USA und Israels teile. Erst später schwenkte er auf eine ablehnendere Haltung um.
Grundsätzlich befinden sich Merz, Macron und Starmer mit ihren Ländern und Regierungen innenpolitisch in ähnlich vertrackten Situationen. Der Internationale Währungsfonds erwartet für Deutschland, Frankreich und Großbritannien nur ein Mini-Wirtschaftswachstum. Die seit Jahrzehnten gewachsenen Wohlfahrtsstaaten erweisen sich als reformunfähig. Was steigt, sind die Staatsverschuldung und die Lebenshaltungskosten. In ihrer Enttäuschung und Hoffnung auf eine andere Politik wenden sich Wähler Parteien am Rand zu – auf dem Land und in alten Industrieregionen eher rechts, in den Metropolen links außen.
Schwarz-Rot so unbeliebt wie die Ampel im November 2025
Ein Ausweis für diese Frustration ist auch die niedrige Zufriedenheit mit der schwarz-roten Bundesregierung insgesamt. In der YouGov-Erhebung hat sie einen Tiefstwert seit Amtsantritt erreicht. Im Juni 2025 hatten die Meinungsforscher mit 32 Prozent Zufriedenheit und 54 Prozent Unzufriedenheit noch einen deutlichen Vertrauensvorschuss für das Bündnis aus CDU, CSU und SPD gemessen. Nun sind nur noch 14 Prozent der Bürger mit der Leistung der Regierung zufrieden, 78 Prozent sind unzufrieden. Andere Institute, etwa Forsa und Infratest dimap, hatten zuletzt ähnlich verheerende Zufriedenheitswerte für Schwarz-Rot ermittelt.
Inzwischen ist das Bündnis sogar ähnlich unbeliebt wie die Ampel zum Zeitpunkt des Koalitionsbruchs. Die Zufriedenheitswerte der Regierung von Olaf Scholz (SPD) sanken von Januar 2022 – der ersten Erhebung zu dieser Frage – von 33 auf 15 Prozent im November 2025. Zugleich waren zu diesem Zeitpunkt 77 Prozent der Deutschen mit der Koalition aus SPD, Grünen und FDP unzufrieden.
Angesichts der wirtschaftlichen und strukturellen Parallelen ist es wenig überraschend, dass Schwarz-Rot auch im internationalen Vergleich ähnlich schlecht abschneidet wie die Regierung in Frankreich. Auch dort sind etwa drei Viertel der Bürger (74 Prozent) mit der Regierung unzufrieden. In Großbritannien fällt das Resultat mit 65 Prozent Unzufriedenheit nur leicht besser aus. Auffällig ist, dass die Italiener, Spanier und Dänen ihre Regierungen besser bewerten. Die Zufriedenheit liegt bei immerhin 26 bis 37 Prozent.
Auch in der persönlichen Bewertung schneiden die Regierungschefs Giorgia Meloni (35 Prozent positiv, 57 negativ), Pedro Sánchez (38 positiv, 59 negativ) und Mette Frederiksen (47 positiv, 49 negativ) besser ab. Melonis Zustimmung ist nach einer gescheiterten Justizreform zuletzt allerdings leicht gesunken. Sánchez wiederum stützt sich auf eine mehrheitliche Zustimmung der Spanier zu seinem antiamerikanischen und antiisraelischen Kurs, obgleich gegen seine Frau Korruptionsermittlungen laufen. Und die pragmatische Frederiksen wird trotz Verlusten ihrer sozialdemokratischen Partei bei der Parlamentswahl voraussichtlich Regierungschefin bleiben.
Mehrheit der Europäer lehnt Iran-Krieg ab
YouGov ermittelte in der internationalen Politikbefragung auch die Haltung der Bürger in den sechs beteiligten Ländern zum Iran-Krieg. In allen Ländern lehnt eine deutliche Mehrheit von 55 Prozent (Frankreich) bis 72 Prozent (Dänemark) den Militäreinsatz der USA ab. In Deutschland beträgt die Ablehnung 71 Prozent, nur 15 Prozent begrüßen die Intervention.
Danach gefragt, wie die Bürger die Reaktion ihres Regierungschefs bewerten, zeigt sich, dass der Widerspruch gegen Trump in der Bevölkerung ankommt. Jeder zweite Spanier findet die Haltung von Premier Sanchez, der den USA die Nutzung von Militärbasen verweigerte, richtig. Auch Keir Starmer kann mit seinem deutlichen Nein zum Iran-Krieg 44 Prozent der Briten überzeugen.
Merz’ Haltung gegenüber den USA im Iran-Krieg wird nur von jedem dritten Bürger hierzulande für gut befunden, 52 Prozent finden, der Kanzler reagiere schlecht auf den Konflikt. Die Umfrage wurde allerdings noch im April durchgeführt – bevor der Kanzler vor einer Schulklasse im Sauerland davon sprach, die iranische Führung sei dabei, die USA zu demütigen. Anschließend kündigte Trump an, 5000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen, auch der Verzicht auf die Stationierung von Marschflugkörpern und weiter reichenden Raketen steht im Raum. Damit stieß auch Merz’ bisherige Strategie, den US-Präsidenten zu umgarnen statt zu reizen, an ein vorläufiges Ende.
In der Bewertung des Krieges selbst zeigen die befragten Europäer Ernüchterung. Dass der Iran durch die Intervention von der Entwicklung einer Atomwaffe abgehalten wird, glauben nur 19 Prozent der Briten. In Frankreich fällt das Urteil mit 38 Prozent am optimistischsten aus. In Deutschland erwartet etwa jeder Vierte, dass die USA dieses Kriegsziel erreichen werden.
Nur eine Minderheit glaubt, dass es durch die Militäroperation zu einem Regimewechsel kommen könnte. Ein Drittel geht davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit dafür gleichgeblieben ist, ein weiteres Drittel hält die Chancen nun für geringer als vor dem Krieg. Viele Befragte trauen sich aber auch keine Einschätzung zu dieser Frage zu.
Für die Umfrage befragte YouGov online vom 7. bis zum 23. April 2352 Personen über 18 Jahren in Deutschland, 2151 in Großbritannien, 1008 in Frankreich, 1030 in Dänemark, 1050 in Spanien und 1043 in Italien. Die Stichprobe ist jeweils repräsentativ für die Wohnbevölkerung ab 18 Jahren.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke