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Bei Caren Miosga nimmt sich Friedrich Merz den Koalitionspartner vor – und sagt einen erstaunlichen Satz über die CDU. So hat die deutsche Presse seinen Auftritt wahrgenommen.

Am Sonntagabend stellte sich Friedrich Merz in der ARD den Fragen von Moderatorin Caren Miosga. Unter dem Titel „Ein Jahr Kanzler - Wie schwer ist Regieren, Herr Merz?“ stellte das Gespräch eine Bestandsaufnahme nach einem Jahr Kanzlerschaft für den CDU-Vorsitzenden dar. Im Schnitt 2,78 Millionen Zuschauer waren dabei.

Merz nutzte es, um eine stärkere Handschrift der Union in der schwarz-roten Koalition anzumahnen. Es gebe in der Partei „einen größer werdenden Unmut“ über die Kompromisse mit der SPD. Spekulationen über einen Koalitionsbruch wies er zurück. So sieht die Presse den Auftritt von Merz.

Friedrich Merz bei Caren Miosga – das sagt die deutsche Presse

„Welt“: „Nun sitzt der Kanzler also bei Miosga – und produziert dort, nach nur zehn Minuten Sendezeit, gleich den nächsten Satz, der ihm mutmaßlich in den kommenden Tagen um die Ohren fliegen wird. (…) Hat er gesagt: ‚Ich habe keine Vollmacht, die CDU umzubringen‘? Ja, der Satz fiel bei der Zehn-Minuten-Marke und Miosga will nachhaken. Merz stottert kurz und blockt dann ab. (…)

Dass Merz das so aussprechen muss – und ihm als Sprachbild für den Zustand der Union schon der Totschlag durch den Kanzler einfällt – lässt tief blicken. Wie schlimm ist es um eine Koalition bestellt, wenn der stärkere Partner sich darin offenbar derart schlecht repräsentiert fühlt nach einem Jahr?“

„Süddeutsche Zeitung“: „Merz hat seinen Vorgänger Olaf Scholz mal einen ‚Klempner der Macht‘ genannt. Unabhängig davon, was er damit eigentlich genau zum Ausdruck bringen wollte, kann man von einem Klempner erwarten, dass er die einzelnen Teile seines Materials ordentlich zusammenschraubt. Bei Merz hat man inzwischen den Eindruck, dass er Schwierigkeiten hat, die Einzelteile überhaupt richtig zu sortieren. Um im Klempnerbild zu bleiben, wäre Merz damit eher ein Klempner-Azubi im ersten Ausbildungsjahr.“

„Tagesspiegel“: „Kann Merz das Blatt noch wenden? Ja – nur nicht durch weitere Grenzziehungen allein. Er braucht die Kunst des begrenzten Nachgebens, ohne den inhaltlichen Kern aufzugeben. Projekte für beide Seiten: Wachstum, Entlastung der Mitte, Ordnung in der Migration, Verlässlichkeit in Europa. Vor allem aber weniger öffentliche Ultimaten, mehr stille Mechanik. Der Kanzler hat seine Standpunkte klargemacht. Die gelten jetzt. Seine Ergebnisse müssen sich daran messen lassen. Noch ist Zeit – allerdings arbeitet sie gegenwärtig nicht für ihn.“

Zwei verblüffende Aussagen von Friedrich Merz

„Frankfurter Allgemeine Zeitung“: „Man muss schon Friedrich Merz sein, um im selben Atemzug zu behaupten, dass er mit seinen umstrittenen Rentenaussagen natürlich recht gehabt, also keinen Fehler gemacht habe, und trotzdem vorzugeben, Selbstkritik zu üben. Oder immer wieder zu betonen, dass er so gut wie gar nicht auf Social Media unterwegs sei, zugleich aber an der Überzeugung festzuhalten, dass kein Bundeskanzler vor ihm so extreme Angriffe auf Social Media hätte ertragen müssen wie er. 

So richtig passt das nicht zusammen, aber es scheint Merz nicht wirklich zu stören. Diesen Eindruck jedenfalls vermittelte der Bundeskanzler als alleiniger Gast in der Talkshow von Caren Miosga.“

„Redaktionsnetzwerk Deutschland“: „Merz verblüfft in zweierlei Hinsicht. Er spricht zum einen vom ,größer werdenden Unmut‘ in seiner Union über die SPD und warnt Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil, dass dessen Rechnung bei der geplanten Einkommensteuerreform mit einer Belastung der obersten fünf Prozent nicht funktionieren werde. Das gehe nicht mit der CDU/CSU – und ,auch mit mir nicht‘. Rote Linie also. Er erinnert die SPD daran, dass sie der kleinere Partner sei. 

Die andere verblüffende Ansage von Merz geht an sein eigenes Lager. ,Vergesst die Hoffnung, dass es da was mit Minderheitsregierung oder Duldung der AfD gibt.‘ Der Bundeskanzler bestätigt also, dass in seinen Reihen ein geradezu wahnwitziges Szenario durchgespielt wird: Koalitionsbruch, die Union regiert weiter und lässt sich von der in Teilen rechtsextremen AfD tolerieren. Das wäre wohl die Spaltung der Union.”

epp
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