Experte erklärt, warum Trump keinen Angriff auf den Iran mehr wagen wird
Mit einem martialischen Post hat US-Präsident Donald Trump auf seinem sozialen Netzwerk „Truth Social“ dem iranischen Regime mit einem erneuten Militärschlag gedroht. Das KI-generierte Bild zeigt ihn mit Sturmgewehr und schwarzem Anzug unter der Überschrift „No more Mr. Nice Guy“ (etwa: „Jetzt ist Schluss mit lustig“). Trump schrieb dazu: „Der Iran bekommt es einfach nicht auf die Reihe. Sie wissen nicht, wie sie einen Nicht-Nuklear-Deal unterzeichnen. Besser, sie kapieren es schnell.“
Der Sicherheitsexperte Christian Mölling sieht darin Anzeichen für eine wachsende Schwäche des US-Präsidenten. „Mit jedem Bild, das er postet, dem nichts folgt, sinkt im Grunde genommen die Abschreckungs- oder Erzwingungsfähigkeit“, sagte der Senior Advisor beim Brüsseler Thinktank „European Policy Centre“ in der aktuellen Folge des stern-Podcasts „Die Lage – International“. Der Iran beobachte genau, dass auf Trumps wiederholte Drohungen bislang keine neuen militärischen Konsequenzen gefolgt seien.
Iran: Was wahrscheinlicher ist als ein großer Schlag
Eine größere Eskalation hält Mölling deshalb für zunehmend unwahrscheinlich. „Ich glaube, dass er keine große Militäraktion mehr machen wird“, sagte er über die Strategie des US-Präsidenten. Kleinere Angriffe seien zwar denkbar, doch ein neuer umfassender Schlag sei für die USA politisch und militärisch zu riskant. Zumal die USA ihre Ressourcen für andere Konflikte vorhalten müssten – etwa mit dem Blick auf Taiwan, auf das China immer wieder Anspruch erhebt, aber auch angesichts der wachsenden Spannungen mit den europäischen Partnern in der Nato und der Frage, ob die USA aus dem Militärbündnis austreten.
„Die Amerikaner müssen sich irgendwann entscheiden, wo sie ihre militärischen Ressourcen einsetzen“, sagte Mölling. Der Iran spiele inzwischen „das lange Spiel“ und setze darauf, dass Washington die Geduld und die strategischen Möglichkeiten ausgehen.
Das erratische Verhalten von Donald Trump hat aber auch Vorteile. So glaubt Experte Mölling nicht, dass der jüngste Schmähpost des Präsidenten gegen Bundeskanzler Friedrich Merz langfristige Konsequenzen hat. Auslöser war ein Gespräch des Kanzlers mit Schülerinnen und Schülern im Sauerland am Montag, bei dem Merz den USA vorwarf, „ganz offensichtlich ohne jede Strategie in diesen Krieg gegangen“ zu sein. Trump reagierte auf seiner Plattform Truth Social ungewöhnlich scharf. Für Mölling ist diese verbale Eskalation allerdings weniger Ausdruck einer neuen Krise als vielmehr ein bekanntes Muster im Umgang des US-Präsidenten mit Kritik.
Trump gegen Merz: „Morgen ist der Nächste dran“
„Der Kanzler hat das gesagt, was offensichtlich ist“, sagte Mölling. Die USA hätten sich im Konflikt „völlig verzettelt“. Gleichzeitig zeige die Reaktion aus Washington, wie dünnhäutig der Präsident derzeit sei. Mit einer schweren Schädigung der transatlantischen Beziehungen wegen des Vorfalls rechnet Mölling nicht.
„Ich glaube, der amerikanische Präsident hat zurzeit so viel zu tun, Leute um sich herum anzufeinden, dass Merz jetzt keine Sonderstellung einnimmt“, sagt Mölling. Trumps öffentliche Angriffe auf Verbündete wirkten oft spontan und austauschbar. „Morgen ist der Nächste dran.“
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