Wegen Iran-Krieg – Reiche halbiert Wachstumsprognose für Deutschland
Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr angesichts des Iran-Kriegs halbiert. Das Bruttoinlandsprodukt werde 2026 um 0,5 Prozent zulegen, heißt es in der am Mittwoch von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vorgestellten Frühjahrsprojektion. Ende Januar war Reiche noch von einem Wachstum der deutschen Wirtschaftsleistung um 1,0 Prozent ausgegangen.
„Die für dieses Jahr erwartete wirtschaftliche Erholung wird einmal mehr durch externe geopolitische Schocks ausgebremst“, sagte Reiche. „Der Krieg im Iran treibt die Preise für Energie und Rohstoffe in die Höhe. Das belastet die privaten Haushalte und erhöht die Kosten für die deutsche Wirtschaft.“
Für 2027 erwartet die Bundesregierung ein Wachstum um 0,9 Prozent. Allerdings hänge die weitere wirtschaftliche Entwicklung wesentlich von den Entwicklungen des Konfliktes im Nahen Osten ab und sei mit „erheblichen Ungewissheiten“ verbunden.
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar ist es zu Preissprüngen bei Öl und Gas gekommen. Grund ist die faktische Blockade der für die weltweite Energieversorgung wichtigen Straße von Hormus. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft. „Erneut droht die Weltwirtschaft aus der Bahn zu geraten“, hieß es in der vergangenen Woche vom IWF.
Anfang April hatten bereits führende Forschungsinstitute ihre Wachstumsprognose nach unten geschraubt auf ein Plus von nur noch 0,6 Prozent. Der „Energiepreisschock“ im Zuge des Iran-Kriegs treffe die Erholung der deutschen Wirtschaft hart, hieß es.
Versorgungsengpässe bei Treibstoffen wie Kerosin sieht Reiche derzeit nicht. Sie kündigte aber für den Fall eines Mangels bereits Gegenmaßnahmen an.
Verfolgen Sie alle Entwicklungen im Iran-Krieg in unserem Nahost-Ticker.
Deutschland war 2025 nur knapp am dritten Jahr ohne Wirtschaftswachstum vorbeigeschrammt, das BIP wuchs um 0,2 Prozent. In diesem Jahr sollte es eigentlich wieder merklich bergauf gehen, getragen vor allem durch staatliche Milliardenausgaben zur Modernisierung der Infrastruktur und für Verteidigung.
Der Konflikt im Nahen Osten habe in der deutschen Wirtschaft eine „Kostenwelle“ ausgelöst, hatte die Deutsche Industrie- und Handelskammer unter Verweis auf eine Umfrage unter Firmen mitgeteilt. 83 Prozent der Unternehmen berichten von negativen Auswirkungen auf ihre Geschäfte. Das alles verschärfe die Situation am Standort Deutschland.
Die Lage sei bereits vor dem Nahost-Konflikt schwierig gewesen. Aus Sicht internationaler Konzerne hat Deutschland als Wirtschaftsstandort weiter an Attraktivität verloren, wie aus einer Umfrage des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungskonzerns KPMG unter 400 in Deutschland tätigen Tochterunternehmen ausländischer Firmen hervorgeht. Die Gründe: Hohe Energiekosten, komplexe Bürokratie und mangelnde Digitalisierung.
Höhere Inflation erwartet
Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr mit einer Inflationsrate von 2,7 Prozent und im nächsten Jahr von 2,8 Prozent. Im März trieben die Folgen des Iran-Kriegs die Verbraucherpreise bereits auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Die Inflationsrate lag bei 2,7 Prozent nach 1,9 Prozent im Februar.
Die Frühjahrsprojektion bildet die Grundlage für die nächste Steuerschätzung Anfang Mai. Ein geringeres Wirtschaftswachstum könnte zu geringeren Steuereinnahmen führen als bisher erwartet. Das könnte den Spardruck auf die Bundesregierung im Kernhaushalt noch einmal verschärfen. Am kommenden Mittwoch will das Kabinett Eckwerte des Haushalts 2027 sowie der Finanzplanung der kommenden Jahre beschließen. Es klaffen Milliardenlücken im Etat.
Ziel der Bundesregierung ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu verbessern. Reiche mahnte tiefgreifende Strukturreformen an. „Wir müssen die im internationalen Vergleich viel zu hohe Steuer- und Abgabenlast angehen, die Energiekosten senken und Bürokratie abbauen.“ Laut Frühjahrsprojektion der Bundesregierung gibt es ohne Reformen in den kommenden Jahren nur schwache Wachstumsaussichten.
Die Bundesregierung hat grundlegende Reformen bei Gesundheit, Pflege und Rente angekündigt mit dem Ziel, dass die Beiträge nicht aus dem Ruder laufen. Das könnte innerhalb der schwarz-roten Koalition noch zu Konflikten führen – wie auch die Gegenfinanzierung von Steuerentlastungen für kleine und mittlere Einkommen.
Drohungen und Angriffe auch während Waffenruhe
Kurz vor dem Ende der Waffenruhe in Nahost hatte US-Präsident Donald Trump die Feuerpause überraschend verlängert. Er werde dies so lange tun, bis der Iran einen Vorschlag zur Beendigung des Konflikts vorlege und „die Gespräche in der einen oder anderen Form abgeschlossen werden“, erklärte Trump am Dienstag kurz vor Ablauf des zweiwöchigen Waffenruheabkommens auf seiner Onlineplattform Truth Social. Die US-Blockade iranischer Häfen bleibe allerdings bestehen.
Direkt im Anschluss drohte der US-Präsident Teheran erneut. Laut Trump will der Iran die Straße von Hormus nicht schließen, sondern offenhalten, um sein Rohöl verkaufen zu können, da er finanziell vor dem Kollaps stehe. „Der Iran bricht finanziell zusammen!“, schrieb Trump. Die Islamische Republik „hungert nach Geld“. Sollte er dies zulassen, könne es „niemals ein Abkommen mit dem Iran geben, es sei denn, wir sprengen den Rest ihres Landes in die Luft – einschließlich ihrer Führung“, schrieb Trump.
Teheran reagierte wiederum, indem seine Revolutionsgarden am Mittwoch in der Straße von Hormus drei Containerschiffe angriffen. Laut dem Trackingdienst Vesselfinder handelte es sich bei der „Epaminondas“ um ein Containerschiff unter Flagge Liberias, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten in Richtung Indien unterwegs war. Der Frachter „MSC Francesca“ lag zuletzt vor der Küste Saudi-Arabiens und fährt unter der Flagge Panamas. Außerdem wurde ein Containerschiff namens „Euphoria“ attackiert, das sich iranischen Angaben zufolge in griechischem Besitz befinden soll.
Die „MSC Francesca“ und „Epaminondas“ seien beschlagnahmt und in iranische Gewässer gebracht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf die Marine der Revolutionsgarden.
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