• Der Generationswechsel in der Justiz läuft.
  • Sachsen verzeichnete 2025 die höchste Anzahl von Neueinstellungen seit den 90er-Jahren.
  • Über Bewerbermangel beschweren sich die Justizministerien in Mitteldeutschland gerade nicht.

Mittwochvormittag: Hörsaal 9 an der Uni Leipzig füllt sich langsam. In einer Viertelstunde beginnt die Vorlesung. Zwei Jura-Studentinnen, sechstes Fachsemester, schlendern Richtung Hörsaaltür. Zwei zukünftige Richterinnen? Beide können sich das irgendwie vorstellen – sind aber noch unentschieden. Eine der beiden macht sich Gedanken über die politische Zukunft in Sachsen. "Ich möchte als Richterin nicht weisungsgebunden sein, sollte die AfD hier irgendwann regieren." Eine andere Studentin erklärt, dass Richterin ein vergleichsweise familienfreundlicher Job sei. Für sie ist das Amt daher "auf jeden Fall eine Option".   

Nachwuchs an den Gerichten braucht Ostdeutschland gerade dringend. Der Generationswechsel in der Justiz läuft. Das belegen Zahlen aus Thüringen: Laut Justizministerium in Erfurt werden in den kommenden zehn Jahren rund 45 Prozent der jetzigen Richter und Staatsanwälte die Gerichte verlassen. Denn: Das Personal, das in den 90er-Jahren aus dem Westen nach Mitteldeutschland gekommen ist, verabschiedet sich jetzt in den Ruhestand. Auch beim Deutschen Richter- und Staatsanwaltstag mit rund 1.000 Teilnehmenden vom 15. bis 17. April in Weimar wird die Nachwuchsfrage thematisiert. Die Justiz in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist im Einstellungsmodus.

Höchste Anzahl von Neueinstellungen seit den 90er-Jahren

Das Ziel: so wenig Lücken wie möglich. Sachsens Justizministerin Constanze Geiert verweist auf einen Rekord im Vorjahr: "Uns ist es im letzten Jahr gelungen, die höchste Anzahl von Neueinstellungen seit den 90er-Jahren vorzunehmen. Somit konnten wir insbesondere die Verwaltungsgerichte und auch die Staatsanwaltschaften besser ausstatten als vorher." Ideal sei es nirgendwo, Sachsen bewege sich aber auf eine gute Ausstattung an den Gerichten zu.

Auch in Sachsen-Anhalt kann von "ausgeprägten Nachwuchssorgen" nicht gesprochen werden. 2020 ist eine sogenannte Einstellungsoffensive gestartet. Zum Teil beginnt laut Justizministerium der Nachwuchs an den Gerichten, bevor die alten Kolleginnen und Kollegen ausscheiden. Wissen soll nicht verloren gehen. Sachsen fährt diese Strategie nicht. "Eine Überausstattung wäre utopisch", erklärt die Justizministerin, weil der Generationswechsel bereits derart vorangeschritten sei. "Wir fahren im Augenblick ganz gut damit, gleich einzustellen, wenn jemand in Pension geht."

Über ein Drittel der Befragten wünscht sich einen Job beim Staat

Grundsätzlich ist der Bedarf an Volljuristen laut Wendelin Neubert in den vergangenen Jahren gestiegen. Er ist selbst Jurist, hat die digitale Lernplattform Jura-Fuchs mitaufgebaut und ist Dozent für Jura-Studierende. "Zum einen haben wir immer komplexere Verfahren. Das hat mit Regulierung zu tun und mit neu aufkommenden Rechtsproblemen. Dazu haben sich auch neue Berufsfelder entwickelt, zum Beispiel im Bereich Datenschutz."

Die Plattform Jurafuchs hat im vergangenen Jahr knapp 800 Studierende nach ihren Zukunftswünschen gefragt. Der Staat als Arbeitgeber kommt dabei ganz gut weg, erklärt Wendelin Neubert. "Über ein Drittel der Befragten wünscht sich einen Job beim Staat – als Richter, Staatsanwalt oder in der Verwaltung oder einem Ministerium.

Und das, obwohl Jurastudierenden ein hohes Gehalt extrem wichtig ist und Unternehmen beziehungsweise große Kanzleien noch mehr zahlen als der Staat. Gute Verdienstchancen motiviert junge Menschen sogar stärker Jura zu studieren als ihr Sinn für Gerechtigkeit. Auch das ergab die Jura-Fuchs-Umfrage.  

Genug Bewerbungen dank schwächelnder Wirtschaft

Die Länder haben in den vergangenen Jahren aber auch einiges unternommen, um den Nachwuchs anzulocken. Sachsen-Anhalt schickt seine Richter auf Probe nicht mehr quer durchs Land. Sachsen etwa zahlt seinen Referendaren inzwischen mehr. Im Freistaat hat man je nach Bewerberlage auch mehr oder weniger Nachsehen bei den Noten in den Staatsexamen, erklärt Justizministerin Constanze Geiert. "Mittlerweile ist es aber wieder zwingend, sieben Punkte im zweiten Staatsexamen zu erreichen."

Man habe gerade genug Bewerbungen, was an der Lage auf dem freien Markt liege. Dem Staat kommt – in diesem Fall – die schwächelnde Wirtschaft entgegen: Ausreichend Nachwuchs für die Justiz, zumindest bis der Arbeitsmarkt wieder anzieht.

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