Die USA und der Iran wollen in Pakistan über einen Frieden reden. Doch im Vorfeld gibt es Verstimmungen – es ist sogar unklar, ob die Gespräche überhaupt stattfinden.

Fünf Wochen dauert der Krieg zwischen den USA und dem Iran bereits an. In Pakistan wollen Kriegsparteien über eine dauerhafte Friedenslösung beraten. Vertreter aus Washington und Teheran werden in der Hauptstadt Islamabad erwartet.

Doch die ausgehandelte zweiwöchige Waffenruhe ist fragil, beide Seiten beschweren sich darüber, dass vermeintlich vereinbarte Bedingungen nicht eingehalten werden. So ist sogar unklar, ob es tatsächlich zu dem Treffen kommt. Die wichtigsten Fragen und Antworten vor den Verhandlungen.

Kommen die Gespräche zwischen den USA und dem Iran überhaupt zustande?

Der Iran hat eine Abreise oder Ankunft seiner Verhandlungsdelegation bislang nicht bestätigt. Die iranische Nachrichtenagentur Mehr dementierte Berichte, nach denen bereits eine Delegation in Islamabad eingetroffen sei. Vielmehr seien die Verhandlungen gestoppt, solange Israel seine Angriffe auf den Libanon fortsetze. Der iranische Präsident Massud Peseschkian hatte die Verhandlungen vor diesem Hintergrund als „sinnlos“ bezeichnet.

Wie soll der Ablauf aussehen?

Aus Sicherheitskreisen in Pakistan hieß es, zunächst seien heute Vorgespräche auf Expertenebene vorgesehen. Am Samstag sei dann ein Treffen der Verhandlungsführer angedacht. Die Gespräche könnten bei Bedarf demnach auch bis Sonntag andauern. 

Wie ist die Stimmung vor den Gesprächen?

Vor den Gesprächen herrscht Misstrauen, das auch die Verhandlungen prägen dürfte. Sowohl die israelischen Angriffe im vergangenen Jahr als auch der Krieg Ende Februar erfolgten inmitten laufender Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA. Die schleppende Öffnung der Straße von Hormus und die anhaltenden israelischen Angriffe im Libanon sorgen jeweils für Unmut. Auch deswegen blieb zunächst noch unklar, ob Teheran überhaupt Unterhändler zu den Friedensgesprächen schicken würde. 

Wer vertritt die beiden Seiten?

Die US-Delegation soll von Vizepräsident J. D. Vance sowie den Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner geleitet werden. Bisher hatte Trump lediglich Witkoff und Kushner zu solchen Gesprächen geschickt. Den Iran würden Außenminister Abbas Araghchi sowie Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf vertreten. Beide waren bereits an den Verhandlungen zur Waffenruhe beteiligt. Auch hochrangige Angehörige der Revolutionsgarden würden an den Treffen teilnehmen. 

Auf diesem Niveau haben die beiden Länder das letzte Mal 2015 verhandelt, als der damalige US-Außenminister John Kerry das von Trump später verworfene Abkommen zur Begrenzung des iranischen Atomprogramms mit Teheran aushandelte.

Was sind die Knackpunkte?

Sollten die Gespräche zwischen den USA und Iran in Pakistan stattfinden, bleibt die Straße von Hormus ein zentraler Streitpunkt. Nach Ansicht von US-Präsident Donald Trump hält sich der Iran bei der Öffnung der für die globale Energieversorgung bedeutenden Meerenge nicht an das Abkommen über eine zweiwöchige Waffenruhe. Außerdem soll Teheran Gebühren von Tankern für die Durchfahrt verlangen.

Die iranische Seite wiederum kritisiert die anhaltenden israelischen Angriffe im Libanon und besteht darauf, dass die Waffenruhe auch dort gelten muss. Unmittelbar nach Verkündung der Waffenruhe hatte die israelische Armee ihre Angriffe im Libanon verstärkt. Dabei wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mehr als 300 Menschen getötet und mindestens 1150 weitere verletzt.

Wie stehen die Chancen auf einen dauerhaften Frieden?

Zunächst einmal dürfte es darum gehen, sich auf Bedingungen für eine stabile Waffenruhe zu einigen. Schon das Abkommen hierüber wird sehr unterschiedlich ausgelegt. Während die USA und Israel betonen, der Libanon sei von der Waffenruhe ausgenommen, bezeichnen der Iran und das Vermittlerland Pakistan das Land als untrennbaren Bestandteil der Vereinbarung. Für eine langfristige Beilegung des Konflikts müssten sich die Kriegsparteien in vielen strittigen Punkten einig werden, darunter auch Irans Atomprogramm und Teherans Entwicklung ballistischer Raketen. 

Zudem sitzt Israel nicht mit am Tisch. Israel und der Libanon wollen nach Angaben eines US-Regierungsvertreters in der kommenden Woche in Washington Gespräche zur Beilegung der Kämpfe führen. Regierungschef Netanjahu hatte erklärt, bei solchen direkten Gesprächen könne es um „die Entwaffnung der Hisbollah und die Schaffung von Friedensbeziehungen zwischen Israel und dem Libanon gehen“. 

Welche Rolle spielt Pakistan?

Pakistans Botschaft in Washington vertritt seit Jahrzehnten iranische Interessen in den USA. Trump hält zudem große Stücke auf den pakistanischen Armeechef Asim Munir. Pakistan und der Iran teilen zahlreiche religiöse und kulturelle Gemeinsamkeiten sowie sicherheitspolitische Herausforderungen. Außerdem bestehen enge bilaterale Wirtschaftsbeziehungen.

Pakistan würde von einem Ende des Krieges profitieren, weil dann die Preise wieder fallen dürften. Die Regierung möchte außerdem verhindern, dass Millionen iranische Flüchtlinge kommen. Letztlich möchte das Land auch nicht unmittelbar in einen militärischen Konflikt hineingezogen werden.

 

DPA · AFP · Reuters epp
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