Breite Mehrheit unterstützt Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige – aber zweifelt an Wirksamkeit
Eine breite Mehrheit in mehreren europäischen Staaten unterstützt ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov in sechs Ländern hervor, die WELT exklusiv vorliegt.
In der Spitze befürworten 79 Prozent der Franzosen ab 18 Jahren ein entsprechendes Verbot, unter den Deutschen sind es 74 Prozent. Damit liegt Deutschland in der YouGov-Erhebung im Mittelfeld, hinter Großbritannien (76 Prozent) und vor Italien (70 Prozent), Spanien (68 Prozent) und Polen (53 Prozent).
In Frankreich ist ein Vorhaben für Social-Media-Verbot innerhalb der EU mit am weitesten fortgeschritten – allerdings mit einem Mindestalter von 15 Jahren. Den Plänen von Präsident Emmanuel Macron stimmte am Dienstag der Senat nach der Nationalversammlung grundsätzlich zu. Allerdings gibt es noch Fragen zur Ausgestaltung des Gesetzes und zur Vereinbarkeit mit Europarecht.
In Deutschland haben SPD und CDU jeweils Vorschläge für ein Social-Media-Verbot ab 14 beziehungsweise 16 Jahren unterbreitet. Ablehnung äußerte hingegen CSU-Chef Markus Söder, selbst ein intensiver Nutzer auf Instagram, wo ihm 800.000 Nutzer folgen. AfD und Linkspartei halten ein Verbot für eine Einschränkung der Meinungsfreiheit.
Aufgeschlüsselt nach politischer Präferenz ermittelte YouGov bei den Anhängern von CDU/CSU und SPD mit jeweils 79 Prozent die höchste Zustimmung. Mit etwas Abstand folgen die Grünen (73 Prozent). Am geringsten ist die Unterstützung mit 56 Prozent unter den AfD-Wählern. Werte für die Linkspartei und die FDP weist YouGov aus statistischen Gründen nicht aus.
Dass Oppositionsparteien ein Social-Media-Verbot eher kritisch sehen, ist ein Muster, das sich auch in anderen Ländern zeigt: In Frankreich begrüßten 83 Prozent der Macron-Wähler die Regulierung, aber nur 77 Prozent der Wähler von Marine Le Pen. In Polen sprechen sich nur 47 Prozent der PiS-Anhänger für ein Social-Media-Verbot aus, deutlich weniger als im Lager der regierenden Bürgerkoalition (59 Prozent). In Italien stehen 76 Prozent der Wähler der Fratelli d’Italia von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hinter einem Verbot. Bei den oppositionellen Sozialdemokraten sind es nur 69 Prozent.
Drei von vier Eltern in Deutschland für Social-Media-Verbot
Eltern von Kindern unter 18 Jahren gehören in allen untersuchten Ländern zu den entschiedensten Befürwortern. In Großbritannien, Italien und Spanien unterstützen jeweils 79 Prozent dieser Eltern ein solches Verbot, in Deutschland sind es 76 Prozent. Auch befürworten Frauen in den meisten Ländern ein Verbot häufiger als Männer. Am größten ist der Unterschied in Italien: Dort unterstützen 75 Prozent der Frauen die Maßnahme, gegenüber 65 Prozent der Männer.
Die verschiedenen Altersgruppen ergeben dagegen ein weniger klares Muster. In Frankreich und Deutschland ist die Zustimmung über alle Altersgruppen hinweg relativ gleichmäßig verteilt. In Großbritannien und Italien sind jüngere Menschen deutlich skeptischer, während in Spanien und besonders in Italien die älteste Generation die geringste Unterstützung zeigt.
Auch Befürworter sind skeptisch, ob ein Social-Media-Verbot wirkt
Allerdings gibt es bei aller Zustimmung erhebliche Zweifel daran, wie wirksam ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige wirklich wäre. Die Meinungen gehen dabei zwischen den untersuchten Ländern auseinander. In Italien (61 Prozent) und Spanien (53 Prozent) ist eine Mehrheit überzeugt, dass ein Verbot sehr wirksam oder ziemlich wirksam wäre.
In Deutschland und Frankreich sind die Bürger in dieser Frage geteilter Meinung: 45 Prozent der Deutschen halten ein Verbot für wirksam, 46 Prozent dagegen nicht. In Großbritannien überwiegen die Skeptiker. 54 Prozent sind der Ansicht, ein Verbot wäre nicht sehr wirksam oder überhaupt nicht wirksam.
Unterstützer eines Verbots glauben tendenziell eher an die Wirksamkeit. Allerdings gibt es auch in dieser Gruppe ausgeprägte Zweifel: In Deutschland etwa denken nur 56 Prozent der Befürworter, dass ein Verbot Kinder auch davon abhält, Social-Media-Konten anzulegen und zu nutzen. Wie bei allem, was verboten ist, wird es wohl auch bei Instagram, TikTok und Co. einen Anreiz geben, mögliche Sperren und Altersverifikationen zu umgehen. Eine breite Mehrheit gibt es für eine strengere Regulierung dennoch.
Für die Panel-Umfrage befragte YouGov online vom 6. bis zum 24. März 1.108 Personen in Deutschland, 1.017 in Frankreich, 1.033 in Italien, 1.084 in Spanien und 1.028 in Polen sowie vom 23. bis 24. März 2133 Personen in Großbritannien. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die jeweiligen Wohnbevölkerungen ab 18 Jahren.
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