Am Dienstag ist in Kuba ein weiteres Boot des Hilfskonvois „Nuestra América“  angekommen. Die humanitäre Lage auf der Insel verschärft sich täglich. Wie helfen die Boote?

„Nieder mit dem Imperialismus. Es lebe die Solidarität zwischen den Völkern“, rufen etwa 500 Aktivisten, die Gouverneurin von Havanna und Mitglieder des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei von Kuba. Sie stehen am Hafen und jubeln der Hilfsflotte zu. Eingetunkt in gelbe Sonnenaufgangsstrahlen nähert sich das mexikanische Militärschiff, auf das sie seit Freitag gewartet haben. Es ist klein, wirkt von Wetterspuren mitgenommen. An Bord befinden sich 30 Aktivisten, die mit tonnenweise Lebensmitteln, Medikamenten und Solarzellen anlegen. 

Auf dem Deck hissen drei der Besatzungsmitglieder eine kubanische, eine mexikanische und eine palästinensische Flagge. Die spanische Tageszeitung „El País“ berichtet von diesem Moment, in dem die Kubaner das insgesamt dritte Hilfsschiff der aktivistischen Organisation „Nuestro América“ erreicht. 

Warum benötigt Kuba humanitäre Hilfe? 

Das öffentliche Leben in Kuba ist nahezu zusammengebrochen. Allein in der vergangenen Woche fiel der Strom dreimal komplett aus, zuletzt diesen Mittwoch. Derzeit blockiert die Trump-Administration vorwiegend venezolanische Öllieferungen für das Land. Nach der Festnahme von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat US-Präsident Donald Trump die Lage mittels Dekret verschärft. Dieses sieht hohe Zölle für Staaten vor, die Öl oder andere Treibstoffe nach Kuba exportieren. Weil Venezuela Kubas Öl-Hauptlieferant ist, kommt dementsprechend kaum noch Treibstoff ins Land. 

Der Mangel setzt die kritische Infrastruktur Kubas extrem unter Druck. Bereits vor dem Embargo fielen die veralteten Kraftwerke immer wieder aus. Nun leiden die knapp zehn Millionen Einwohner seit Wochen unter Blackouts von 20 bis 24 Stunden pro Tag. Krankenhäuser können nur eingeschränkt arbeiten. Der Fernsehsender Euronews berichtet, dass nur noch 500 der medizinischen Versorgungszentren in Kuba in Betrieb sind. Ohne Strom funktioniert in großen Teilen des Landes die Wasserversorgung nicht. Kinder können nicht in die Schule gehen. Auf den Straßen der Hauptstadt Havanna türmt sich der Müll, weil die Müllabfuhr kein Benzin tanken kann, wie die „Tagesschau“ schreibt.

Nach Meldungen der Nachrichtenagentur AFP drohte Trump auch damit, Kuba einzunehmen. Politikwissenschaftler Bert Hoffman bezeichnet das Vorgehen gegenüber der „Tagesschau“ als „Erdrosselungspolitik der USA“. Die blickt auf eine längere Geschichte zurück: Seit den 1960er Jahren erheben die USA immer wieder Exportverbote und hohe Zölle gegen Kuba. 

Wer steckt hinter der Hilfsflotte? 

„Nuestro América“ ist ein internationaler Hilfskonvoi mit 650 Aktivisten aus 33 Ländern. Bis Dienstag schickte die Organisation drei Boote mit hunderten Aktivisten aus Mexiko nach Kuba, ein weiteres ist geplant. Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel empfing die Aktivisten und lud sie auf politische Veranstaltungen, in Krankenhäuser und in Schulen ein. Zu den Unterstützern der Initiative zählen auch prominentere Persönlichkeiten wie der britische Oppositionsführer Jeremy Corbyn und die kolumbianische Senatorin Clara López. Das Boot, das am Dienstag anlegte, trägt den Namen „Granma 2.0“. Der Name spielt auf das Schiff an, mit dem 1959 die Guerillakämpfe und damit die kubanische Revolution begonnen hatten. Die Aktion ist von Greta Thunbergs Hilfskonvoi inspiriert, der 2025 in den Gazastreifen einfuhr.

Die Hilfsflotte von „Nuestro América“ ist momentan neben Spaniens Zugeständnissen der einzige Hoffnungsschimmer für Kuba. Am 12. Februar legte ein spanisches Schiff in Havannas Hafen an, das etwa 5000 Menschen half, gab das spanische Außenministerium bekannt. 

Die kubanische Opposition wirft den Aktivisten „Ideologie-Tourismus“ vor, wie die spanische Tageszeitung „El País“ berichtet.

Womit helfen die Aktivisten den Kubanern im Blackout? 

Der mexikanische Hilfskonvoi erreichte Havanna mit fast 2.00 Tonnen Lebensmitteln, Medikamenten, Fahrrädern und Solarzellen, wie CNN Lateinamerika berichtet. Öl darf Mexiko nicht liefern, wie bei anderen Staaten droht die US-Regierung mit drastischen Zöllen. Spanien hatte die gleichen Güter an Bord, hauptsächlich Grundnahrungsmittel wie Bohnen und Milchpulver.

Wie gehen die Verhandlungen zwischen Kuba und den USA weiter?

CNN schreibt in einer Analyse, dass Trump die Anzeichen für fruchtbare Verhandlungen so gut wie zunichtegemacht habe. Die Anspannungen zwischen den beiden Ländern sind weiterhin hoch. Während einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche zeigte sich Donald Trump seines Druckmittels sicher: „Sie haben keine Energie. Sie haben kein Geld. Sie stecken in mächtigen Schwierigkeiten.“ 

Die US-Strategie reicht weiter als die bloße Öl-Blockade: So veröffentlichte Trumps Außenminister Marco Rubio am Dienstag einen kritischen Post auf X zum kubanischen Ärzteprogramm, den Ärztebrigaden. Sie wurden in den 1960er Jahren ins Leben gerufen und schicken Ärzte in andere Länder der Region. Das Programm ist für die Insel von hoher diplomatischer Bedeutung. Das kubanische Gesundheitsministerium teilte auf seinem Facebook-Account mit, dass allein in Mexiko etwa 3000 kubanische Ärzte arbeiten. 

Rubio warf dem Programm Zwangsarbeit vor. Des Weiteren sei es eine Fassade, um Geheimdienstinformationen in den Einsatzländern abzufangen. Der kubanische Außenminister Bruno Rodríguez reagierte in einem Post mit den Worten, dass die USA „weiter Einnahmequellen“ der kubanischen Wirtschaft „einschneiden“ wolle. Vier Länder – Honduras, Guatemala, Jamaika und Guyana – haben das Programm in Reaktion auf die Posts ausgesetzt. 

Quellen: CNN, CNN Latinoamérica, El País, Euronews, Tagesschau, Zeit

Reuters · AFP
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