Hormus-Blockade droht – Ölmarkt unter Druck
Der erneute Angriff der USA und Israels auf den Iran könnte zu einer tagelangen Schließung der für die Schifffahrt überaus wichtigen Straße von Hormus vor der iranischen Küste führen. Sie ist eine der bedeutendsten Routen für den weltweiten Ölexport. Eine Beeinträchtigung der Schifffahrt durch die Meerenge dürfte sich daher auch auf den Ölpreis auswirken. Der Iran hat in der Vergangenheit wiederholt als Vergeltung mit einer Sperrung der Straße von Hormus gedroht. Unlängst wurde sie teilweise und für kurze Zeit für Manöver der iranischen Revolutionsgarden geschlossen.
Die Meerenge liegt zwischen dem Oman und dem Iran. Sie verbindet den Persischen Golf im Norden mit dem Golf von Oman im Süden und dem Arabischen Meer. An ihrer engsten Stelle ist sie 33 Kilometer breit. Die schiffbaren Passagen in beide Richtungen sind nur drei Kilometer breit. Die zentrale Fahrrinne gilt als internationale Schifffahrtsstraße.
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Etwa ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs wird durch die Meerenge transportiert. Im vergangenen Jahr passierten den Daten der Analysefirma Vortexa zufolge täglich durchschnittlich mehr als 20 Millionen Barrel Rohöl, Kondensat und Kraftstoffe die Meerenge. Die Opec-Mitglieder Saudi-Arabien, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Kuwait und der Irak exportieren den größten Teil ihres Rohöls über die Straße von Hormus. Hauptabnehmer ist Asien. Katar, einer der weltgrößten Exporteure von Flüssigerdgas (LNG), verschifft fast sein gesamtes LNG auf diesem Weg. Die führenden Opec-Produzenten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben im Rahmen von Notfallplänen ihre Ölexporte in den vergangenen Tagen erhöht. Beide Länder haben zudem versucht, alternative Routen zu finden, um die Meerenge zu umgehen.
Nach Angaben der US-Energieinformationsbehörde (EIA) vom Juni des vergangenen Jahres könnten ungenutzte Kapazitäten bestehender Pipelines der beiden Länder in Höhe von etwa 2,6 Millionen Barrel pro Tag zur Verfügung stehen. Die in Bahrain stationierte Fünfte Flotte der US-Marine hat den Auftrag, die kommerzielle Schifffahrt in der Region zu schützen.
Im Jahr 1973 verhängten arabische Ölförderländer unter der Führung Saudi-Arabiens ein Ölembargo gegen westliche Unterstützer Israels im Krieg gegen Ägypten. Waren damals westliche Länder die Hauptabnehmer von Rohöl aus dem Nahen Osten, so ist es heute vor allem Asien. Die USA sind mittlerweile selbst ein bedeutender Produzent und Exporteur.
Während des Iran-Irak-Kriegs von 1980 bis 1988 versuchten beide Seiten, die Exporte des jeweils anderen Landes zu stören. Dies wurde als „Tankerkrieg“ bekannt.
Im Januar 2012 drohte der Iran als Vergeltung für Sanktionen der USA und Europas mit einer Blockade der Meerenge. Im Mai 2019 wurden vier Schiffe, darunter zwei saudi-arabische Öltanker, vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate außerhalb der Straße von Hormus angegriffen. Drei Schiffe, zwei im Jahr 2023 und eines im Jahr 2024, wurden vom Iran in oder in der Nähe der Meerenge beschlagnahmt. Einigen dieser Aktionen waren Beschlagnahmungen von mit dem Iran in Verbindung stehenden Tankern durch die USA vorausgegangen.
Im vergangenen Jahr erwog der Iran eine Schließung der Meerenge nach Angriffen der USA und Israels auf seine Atomanlagen.
Stärkere Ausweitung der Ölförderung erwogen
Das Ölkartell Opec+ erwägt Insidern zufolge wegen der US-israelischen Angriffe eine stärkere Ausweitung ihrer Ölförderung als bislang geplant. Dies sagten zwei mit den Beratungen vertraute Personen am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hätten demnach bereits in Erwartung möglicher Lieferausfälle durch den am Samstag begonnenen Militärschlag ihre Exporte erhöht.
Eine Entscheidung über eine höhere Fördermenge könnte bei einem für diesen Sonntag geplanten Treffen fallen. Wie stark die Produktion zusätzlich erhöht werden könnte, sei jedoch noch nicht besprochen worden, sagte einer der Insider. Bei dem Treffen von acht Mitgliedstaaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und ihrer Verbündeten sollte es ursprünglich nur um eine moderate Anhebung gehen. Delegierten zufolge galt bislang eine Erhöhung der Fördermenge um 137.000 Barrel pro Tag für April wahrscheinlich. Damit sollte die steigende Nachfrage im Sommer bedient werden, die vor allem durch die Hauptreisezeit in den USA angetrieben wird.
Die Ölpreise waren aus Furcht vor einem Konflikt bereits vor Kriegsausbruch gestiegen. Am Freitag erreichte der Preis für die Sorte Brent mit 73 Dollar je Barrel den höchsten Stand seit Juli 2025. Der Iran ist der drittgrößte Produzent in der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Sein Anteil am weltweiten Ölangebot beträgt etwa 4,5 Prozent.
Eine Anhebung im April würde eine dreimonatige Pause bei den Produktionssteigerungen beenden. Es gibt zudem Anzeichen, dass die größten Förderländer im Nahen Osten ihre Exporte bereits hochgefahren haben. So dürfte der VAE-Ölproduzent Abu Dhabi im April mehr von seiner wichtigen Sorte Murban exportieren, wie zwei Händler am Freitag sagten. Auch Saudi-Arabien hat Insidern zufolge seine Ölproduktion und -exporte im Rahmen eines Notfallplans erhöht. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte ebenfalls unter Berufung auf einen Delegierten über eine mögliche stärkere Anhebung berichtet.
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