Was der Karriere von Nordkoreas „geliebtem Kind“ im Wege stehen könnte
Kim Ju-Ae ist die Tochter von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und dürfte nun etwa im Teenageralter sein. Ganz genau weiß das niemand, auch nicht, ob der Name wirklich stimmt. Immerhin hat ihr Vater sie mindestens so stark abgeschirmt, wie das Land, das er regiert. Zumindest bisher. Mittlerweile begleitet Kim Ju-Ae ihren Vater häufiger bei öffentlichen Terminen. Das sorgt für Spekulationen. Am drängendsten ist die Frage: Wird das Mädchen eines Tages das Amt ihres Vaters übernehmen?
Eine Frau an der Spitze Nordkoreas?!
Gerade zum Parteitag der nordkoreanischen Arbeiterpartei, der alle fünf Jahre stattfindet, wurde wieder über diese Frage diskutiert – mit zunehmend kritischen Stimmen. Beobachter vermuten jedoch, dass eine politische Karriere an der Spitze Nordkoreas an der Geschlechterpolitik des Landes scheitern könnte.
„Die unmittelbarste und unüberwindbarste Barriere für Kim Ju-ae ist die tief verwurzelte patriarchalische Natur Nordkoreas“, heißt es etwa in einem Bericht des internationalen Onlinemagazins „The Diplomat“. Es sei unwahrscheinlich, dass die alternden Generäle in dieser „neokonfuzianischen Monarchie“ eine Anführerin akzeptieren würden. „Für diese Männer, von denen viele in ihren 60ern und 70ern sind, ist das Konzept, einer jungen Frau absolute und lebenslange Treue zu schwören, mehr als nur ein kultureller Wandel. Es ist eine strukturelle Anomalie, die die innere Logik des Regimes bedroht“, analysiert das Onlinemagazin.
Auch der Zeitpunkt, zu dem Kim Jong-un seine Tochter der Öffentlichkeit präsentierte, passt nicht ins Muster. Traditionell wird der politische Erbe des Landes erst dann prominent, wenn beim amtierenden Anführer Anzeichen ernsthafter Krankheiten einen Führungswechsel nötig machen. Bei Kim Jong-un ist das nicht der Fall. Der 42-Jährige soll zwar unter Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes leiden. Zudem gab es Spekulationen über ein Geschwulst im Gesicht des Diktators. Doch eine ernsthafte medizinische Notlage gab es bisher offenbar nicht.
Denkbar wäre dagegen, dass Kim Ju-Ae als Ablenkungsmanöver dient, um den eigentlichen Thronfolger in Pjöngjang auf die Regentschaft vorzubereiten. Seit Jahren wird darüber spekuliert, ob Kim Jong-un einen Sohn hat. Laut dem südkoreanischen Geheimdienst soll dem so sein. Der „versteckte Prinz“, wie ihn manche Medien nennen, soll demnach 2010 geboren sein. Andere Geheimdienste bestätigten diese Information bisher nicht.
Wie die Tante, so die Nichte
Sollte Nordkoreas Machthaber bisher keinen männlichen Erben haben, dürfte ihm als Anführer eines patriarchalen Staates sehr daran gelegen sein, noch einen zu zeugen. Für Kim Ju-Ae bedeutet das allerdings nicht das Aus der politischen Karriere. „Für Kim Jong-un ist eine Tochter ein wertvolles Instrument für Propaganda und die Stabilität der Familie, aber ein Sohn ist der einzige legitime Garant für das Überleben des Staates“, heißt es im Onlinemagazin „The Diplomat“.
Das Teenagermädchen könnte also eines Tages in die Fußstapfen ihrer Tante Kim Yo-Jong treten. Sie zählt zu den engsten Vertrauten ihres Bruders Kim Jong-un und ist damit eine der einflussreichsten Frauen in Pjöngjang. Sie war bisher als stellvertretende Abteilungsleiteirn tätig, wurde auf dem kürzlich stattgefundenen Parteitag vom Zentralkomitee der Partei zu einer vollwertigen Abteilungsleiterin befördert. Pjöngjang nutzt häufig Kim Yo-Jongs Namen, um Erklärungen zu veröffentlichen, in denen die Positionen der Regierung dargelegt oder Südkorea und die USA kritisiert werden.
Möglich, dass sie eines Tages von ihrer Nichte Kim Ju-Ae beerbt wird, die dann an der Seite des noch „versteckten Prinzen“ die administrativen Geschicke Nordkoreas lenken wird.
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