Historisches und ein Favorit: Die Spitzenkandidaten in Baden-Württemberg
Seit 2011 regiert Winfried Kretschmann (Grüne) als Ministerpräsident in Baden-Württemberg. Damit ist er der dienstälteste Ministerpräsident Deutschlands. Noch einmal tritt der 77-Jährige aber nicht an. Wir stellen seine potenziellen Nachfolger vor.
Manuel Hagel (CDU)
Alter: 37 Jahre
Familie: Verheiratet, drei Kinder
Beruf: Filialdirektor bei der Sparkasse Ehingen
So läuft der Wahlkampf:
Im Endspurt hat ein altes Video mit Aussagen über Schülerinnen Hagel unter Rechtfertigungsdruck gesetzt, das Thema dominiert /// seit Tagen die Berichterstattung. Parallel dazu haben die Grünen in den jüngsten Umfragen deutlich aufgeholt, aus einem komfortablen CDU-Vorsprung ist binnen weniger Wochen ein Kopf-an-Kopf-Rennen geworden, bei dem Cem Özdemir (Grüne) in der Direktwahlfrage Hagel klar abhängt. Momentan steht die CDU bei 28 Prozent, 21 Prozent würden Hagel direkt wählen.
Inhaltliche Schwerpunkte:
Hagel möchte die Stärkung der Autoindustrie, fordert ein Ende des „grünen Kulturkampfs gegen das Auto“ und stellt sich damit klar gegen das Neuzulassungsverbot für Verbrenner in der EU ab 2035. Zudem fordert er die Einrichtung von zehn strategischen Sonderwirtschaftszonen, in denen Unternehmen von Regeln entlastet werden, um dort Innovationen etwa in KI oder Robotik zu entwickeln. Außerdem fordert er mehr Polizeipräsenz und ein härteres Vorgehen gegen sogenannte Clan-Kriminalität und irreguläre Migration.
Cem Özdemir (Grüne)
Alter: 60 Jahre
Familie: Verheiratet, zwei Kinder
Beruf: Diplom-Sozialpädagoge
So läuft der Wahlkampf:
Özdemir selbst war durchweg der mit Abstand bekannteste und beliebteste Kandidat und baute den Wahlkampf konsequent um seine Person; dabei rückte seine Partei in den Hintergrund. Er setzte auf landesweite Präsenz, viele Bürgerformate und gemeinsame Auftritte mit Landesvater Kretschmann. Die Grünen starteten mit einem Rückstand von fast zehn Punkten auf die CDU und sind jetzt bis auf ein, zwei Punkte an die CDU herangerückt. Momentan stehen die Grünen bei 27 Prozent, 42 Prozent würden Özdemir direkt wählen.
Inhaltliche Schwerpunkte:
Özdemir setzt inhaltlich vor allem auf den Mix aus wirtschaftlicher Stabilität und Klimaschutz: Er verspricht, Baden-Württemberg als klimaneutrales Industrieland weiterzuentwickeln, ohne Arbeitsplätze in Auto- und Zulieferindustrie zu gefährden. Dazu kommen die Themen gute Schulen und Kitas, bezahlbares Wohnen und ein klarer Kurs gegen die AfD, mit dem er sich als Garant für einen stabilen, pro-europäischen Kurs des Landes präsentiert.
Markus Frohnmaier (AFD)
Alter: 35 Jahre
Familie: Verheiratet, zwei Kinder
Beruf: (abgebrochenes) Studium der Rechtswissenschaften
So läuft der Wahlkampf:
Frohnmaier führt einen stark personalisierten Protestwahlkampf, der sich insbesondere gegen die CDU richtet. Er tourt mit großen Saalveranstaltungen und viel Social-Media-Content durchs Land. In den Umfragen liegt die AfD stabil um knapp 20 Prozent, 11 Prozent würden Frohnmaier direkt wählen.
Inhaltliche Schwerpunkte:
Frohnmaier stellt inhaltlich vor allem einen radikalen Kurswechsel in der Migrations‑ und Asylpolitik in den Mittelpunkt, mit deutlich restriktiveren Regeln und Rückführungsforderungen. Dazu kommen eine klar EU‑kritische, national ausgerichtete Wirtschaftspolitik und eine harte Linie gegen Klimaschutzauflagen, die er als Belastung für Bürger und Industrie darstellt.
Andreas Stoch (SPD)
Alter: 56 Jahre
Familie: Verheiratet, vier Kinder
Beruf: Rechtsanwalt
So läuft der Wahlkampf:
Stoch tourt intensiv durchs Land, macht viel Haustürwahlkampf und Auftritte bei Tafeln und Sozialprojekten. In den Umfragen steckt die SPD aber seit Monaten im einstelligen Bereich fest, und Stoch musste sich kurz vor der Wahl zusätzlich mit der Pasteten-Affäre herumschlagen, was seinen ohnehin schwierigen Wahlkampf eher belastet als beflügelt. Die SPD steht konstant bei um die 7 Prozent.
Inhaltliche Schwerpunkte:
Stoch setzt inhaltlich vor allem auf sichere, vernünftig bezahlte Arbeitsplätze und eine sozial abgefederte industrielle Transformation, bei der staatliche Hilfen an Standort- und Beschäftigungsgarantien geknüpft werden. Dazu kommen kostenfreie Bildung von der Kita bis zum Abschluss, mehr bezahlbarer Wohnraum mit einer landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft und eine Stärkung der öffentlichen Daseinsvorsorge in Gesundheit und Pflege.
Hans-Ulrich Rülke (FDP)
Alter: 64 Jahre
Familie: Verheiratet, drei Kinder
Beruf: Lehrer und Studiendirektor
So läuft der Wahlkampf:
Rülke führt einen stark personalisierten „Alles-oder-nichts“-Wahlkampf, inszeniert die Landtagswahl als „Mutter aller Wahlen“ für die FDP und verknüpft das Abschneiden der Partei offen mit seinem eigenen politischen Schicksal. Nach anfänglichen 5 Prozent steht die FDP jetzt relativ konstant bei 6 Prozent. Er möchte die Grünen in die Opposition schicken.
Inhaltliche Schwerpunkte:
Rülke setzt im Wahlkampf vor allem auf den Abbau von Bürokratie und eine schlankere Landesverwaltung. Daneben betont er klassisch liberale Themen wie die Stärkung von Handwerk und Mittelstand, eine „Bildungswende“ mit mehr Leistungsorientierung und individuelle Förderung sowie den Ausbau von Verkehrs- und Infrastrukturprojekten.
Kim Sophie Bohnen (Die Linke)
Alter: 26 Jahre
Familie: nicht bekannt
Beruf: Bankkauffrau
So läuft der Wahlkampf:
Die Linke geht mit einem Spitzentrio um Kim Sophie Bohnen ins Rennen. Hierzu wird Häuserwahlkampf betrieben, und viel auf Social-Media-Formate gesetzt. Ausgangspunkt ist die historische Chance auf den ersten Landtagseinzug: In Umfragen lag die Partei zunächst stabil bei etwa 7 Prozent, ist zuletzt aber auf rund 5,5 bis 6 Prozent abgesackt und muss nun im Endspurt vor allem mobilisieren, um sicher über die Fünf-Prozent-Hürde zu kommen.
Inhaltliche Schwerpunkte:
Die Linke setzt im Wahlkampf vor allem auf soziale Gerechtigkeit: bezahlbare Mieten, bessere Gesundheitsversorgung im ganzen Land, einen Mindestlohn von etwa 17 Euro. Ergänzend fordert sie einen starken Ausbau des ÖPNV (Deutschlandticket für neun Euro), mehr Sozialwohnungen und eine schnelle, öffentliche Energiewende, mit dem Ziel, Baden-Württemberg bis 2035 klimaneutral zu machen.
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