„Zuverlässiger“ als Nowitschok – Warum Nawalny mit Froschgift getötet worden sein soll
Warum wurde der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ausgerechnet mit Froschgift getötet? Der im Exil lebende russische Arzt Alexandr Polupan hat eine Erklärung. Polupan sagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, das Gift des Dreistreifen-Baumsteigers aus Ecuador sei einfacher und sicherer zu handhaben sowie eine „zuverlässigere Tötungsmethode“ als Nowitschok, die Substanz, an der Nawalny mehrere Jahre zuvor fast gestorben wäre.
Nowitschok sei eine für den Krieg konzipierte Massenvernichtungswaffe und deshalb „schwierig für einen Einzelmord zu nutzen“. Dosiere man zu hoch, riskiere man viele „Kollateralvergiftungen“. Dosiere man zu niedrig, werde die Zielperson möglicherweise gerettet, so Polupan, der im Jahr 2020 selbst an der Rettung Nawalnys beteiligt war.
Epibatidin – das Gift des Dreistreifen-Baumsteigers – wirke ähnlich wie Nowitschok: Es lähme die Atemmuskulatur, sodass das Opfer ersticke. Die Substanz eigne sich jedoch besser zur „individuellen Beseitigung“ eines Gegners. Anders als bei Nowitschok brauche es dafür „keine Chemiker“, sagte Polupan der Zeitung. Um tödlich zu sein, müsse Epibatidin ins Essen oder ein Getränk gemischt werden.
Dies war bei Nawalny, der in einem russischen Straflager gefangen war, ohne Weiteres möglich. Der Oppositionelle soll beim Hofgang, also kurz nach dem Mittagessen, eine plötzliche Verschlechterung seiner Gesundheit gespürt haben. Kurz darauf habe er über starke Bauchschmerzen geklagt, sich erbrochen und sei von Krämpfen geschüttelt worden, berichtete das Portal „The Insider“ unter Berufung auf den Entwurf eines Justizbeschlusses.
Laut Alexandr Polupan ist Epibatidin deutlich leichter nachzuweisen als Nowitschok. „Die Täter müssen davon überzeugt gewesen sein, dass es niemals gelingen werde, Proben zu einem unabhängigen Labor zu schaffen.“ Wie es Nawalnys Umfeld gelungen ist, Proben aus Russland zu schmuggeln und im Westen untersuchen zu lassen, ist der „FAZ“ zufolge nicht bekannt. Auch die westlichen Staaten schweigen dazu, welche Labore beteiligt und welche Art von Proben untersucht wurden. Die Helfer sollen geschützt werden.
Polupan zufolge kämen Blutplasma oder Gewebe infrage. Ein Nachweis sei auch lange nach dem Tod möglich, weil der Organismus das Gift nicht mehr abbaue. „Wenn das Biomaterial dann eingefroren wurde, was ich vermute, kann man noch nach hundert Jahren den Nachweis über die Vergiftung führen“, sagte der Arzt, der aus Russland geflüchtet ist und mittlerweile in Lettland lebt.
Der Geheimdienst setzte Polupan unter Druck
Nawalny starb im Februar 2024. Knapp vier Jahre zuvor war er einem Giftanschlag knapp entgangen, nachdem er während eines Fluges zusammengebrochen war. Nach einer Notlandung wurde er in einer Notfallklinik der russischen Stadt Omsk von Alexandr Polupan behandelt. Die Klinikleitung und Geheimdienstmitarbeiter setzten Polupan unter Druck, den Oppositionspolitiker nicht für transportfähig zu erklären, um eine Weiterbehandlung im Ausland zu verhindern.
Der „FAZ“ schilderte der Arzt, die Klinikleitung habe verlangt, diese Entscheidung Nawalnys Verwandten mitzuteilen – ansonsten werde es schwere Folgen haben. Mitarbeiter des Geheimdienstes FSB hätten ihm gesagt, dass das Zimmer, in dem er mit Nawalnys Frau sprechen sollte, abgehört werde. Also habe er die Klinik mit ihr für eine Raucherpause verlassen, um ihr die Wahrheit zu sagen. Auf politischen Druck hin durfte Nawalny schließlich ausgeflogen und in der Berliner Charité behandelt werden. Im Januar 2021 kehrte er nach Russland zurück und wurde sofort verhaftet.
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