Jüdische Studierendenunion sieht „eklatantes Versäumnis“ in Wehrdienstdebatte
In der Debatte über den Wehrdienst spricht der Präsident der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, Ron Dekel, von einer teilweise realitätsfernen Diskussion.
„Es fehlt die Lebensrealität jener jungen Menschen im wehrpflichtigen Alter, die Migrationshintergrund besitzen oder deren familiäre Geschichte und Identität besondere Erfahrungen mit deutscher Staatsgewalt einschließt. Besonders vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und angesichts eines wachsenden Rassismus sowie gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ist dies ein eklatantes Versäumnis“, sagte Dekel dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Es könne notwendig sein, sich selbst, seine Werte und die eigene Freiheit auch mit Waffengewalt zu verteidigen. Aber es müsse weiterhin eine „echte und gleichwertige Alternative“ zum Kriegsdienst mit der Waffe geben, forderte Dekel.
Dagegen sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, dass die jüdische Gemeinschaft den Kurs der Bundesregierung und eine Modernisierung des Wehrdienstes unterstütze.
„Die weltweiten politischen Entwicklungen der vergangenen Jahre zeigen die bittere Notwendigkeit des sicherheitspolitischen Kurswechsels.“ Spätestens der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine habe gezeigt, dass Deutschland seine Sicherheit nicht länger an seine Verbündeten auslagern könne. „Gerade, weil wir nicht Krieg führen wollen, muss unsere militärische Abschreckung so stark sein, dass wir nicht Krieg führen müssen“, so Schuster.
Der Beauftragte der Bundesregierung gegen Antisemitismus, Felix Klein, sagte, dass die jüdische Gemeinschaft der Bundeswehr so eng verbunden sei wie nie zuvor. „Jüdinnen und Juden dienen und führen heute gleichberechtigt in der Truppe. Ein großes Zeichen des Vertrauens ist auch die Einrichtung des Militärrabbinats in der Bundeswehr, das sogar international positiv wahrgenommen wird.“ Dies sei eine großartige Entwicklung. Er halte es „für ganz selbstverständlich, dass der neue Wehrdienst für Angehörige der jüdischen Gemeinschaft ebenso gilt wie für alle Teile der Bevölkerung“.
Am Dienstag hatte das Institut für Demoskopie Allensbach seinen Sicherheitsreport herausgegeben. Darin spricht sich eine Mehrheit für die Wiedereinführung der Wehrpflicht aus. In der Frage, ob man zunächst auf Freiwilligkeit setzen oder möglichst rasch zu einem verpflichtenden Wehrdienst zurückkehren sollte, ist die Bevölkerung demnach aber gespalten – 43 Prozent votieren für Freiwilligkeit, 41 Prozent für eine schnelle Rückkehr. Wenn junge Frauen und Männer für ein Jahr verpflichtet würden, aber die Wahl hätten zwischen Bundeswehr und zivilen Diensten, so werde dieser Vorschlag von 72 Prozent der Befragten unterstützt.
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