„Wir sollten in München die Grenzen der Amerikaner austesten"
Erstarrte Gesichter im großen Saal des „Bayerischen Hofs“: Die Rede von US-Vizepräsident JD Vance im vergangenen Jahr war eine gezielte Provokation an Europa. Dieses Jahr führt Außenminister Marco Rubio die US-Delegation bei der Münchner Sicherheitskonferenz an. Und viele fragen sich: Wird er bei seiner Rede am Samstag nachlegen, den Auftritt nutzen, um die Nato-Alliierten abermals zu brüskieren?
Selbst wenn nicht: Für den Sicherheitsexperten Christian Mölling gleicht die transatlantische Allianz gegenwärtig einem Auto mit geplatztem Reifen. „Man kann nur versuchen, auf der Felge weiterzufahren. Das ist nicht angenehm“, so Mölling in der neuesten Ausgabe des stern-Podcasts „Die Lage – International“. Genau das sei das Ziel der Diplomaten in München. Rubios Auftritt – ganz gleich, wie der ausfällt – solle man nicht überbewerten, findet Mölling. „Ich glaube nicht, dass man sich darauf verlassen kann, dass das, was Rubio sagt, vom amerikanischen Präsidenten abgezeichnet ist.“
Der jüngste Streit um Grönland habe aber gezeigt, dass die Europäer durchaus noch Gehör in Washington finden können, wenn sie geeint auftreten. „Es gab da diesen Moment, als die Nato drohte auseinanderzubrechen – und die Amerikaner gemerkt haben, dass sie das eigentlich nicht wollen“, so Mölling. Die Lehre daraus müsse sein, mit der Romantik der transatlantischen Beziehungen aufzuräumen. „Wir sollten die Grenzen der Amerikaner austesten. Und ihnen da, wo wir es können, die Pistole auf die Brust setzen.“
Was wirklich wichtig ist, passiert abseits der großen Bühne der Sicherheitskonferenz
Ohnehin sei in München wichtiger, was abseits der großen Bühne passiert, in den Nebenzimmern, wenn keine Kameras und Mikrofone dabei sind. „Es gibt viele Möglichkeiten, sich informell zu treffen. Das ist der Vorteil der Sicherheitskonferenz. Alle verschwinden im Bayerischen Hof – und dann sieht niemand mehr, wer mit wem wohin geht“, sagt Mölling. Erstmals seit Jahren sind diesmal wieder Vertreter der AfD dabei. Aber, sagt Mölling: „Die werden den Gang der Sicherheitskonferenz nicht beeinflussen.“ Vertreter von Irans Regime wurden kurzfristig wieder ausgeladen. Stattdessen wird Kronprinz Reza Pahlavi in München erwartet, gegenwärtig die wichtigste Ikone der iranischen Oppositionsbewegung.
Dass sich in München Pläne für eine offizielle Wiederbelebung der diplomatischen Kontakte zu Russland konkretisieren, erwartet Mölling nicht. Gerüchte im Vorfeld über die Ernennung eines neuen EU-Sondergesandten für den Dialog mit Russland, hält Mölling für „eine Idee aus der Mottenkiste“. Die sei allein deswegen unglücklich, weil sie einerseits wichtige Akteure wie Großbritannien, Norwegen oder die Türkei außer Acht lasse. Und andererseits die Kriegslogik des russischen Präsidenten. „Das letzte, was Putin akzeptieren wird, ist ein EU-Sondergesandter“, sagt Mölling. „Putins Ziel ist es, die Europäische Union zu zerstören, weil sie ein zu großer Machtfaktor ist.“
- Sicherheitskonferenz
- München
- Münchner Sicherheitskonferenz
- Bayerischer Hof
- Marco Rubio
- JD Vance
- Europa
- Nato
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke